Angst vor weiteren Bilanzskandalen
Europas Börsen auf Talfahrt

Die europäischen Aktienmärkte setzen gegen Mittag die Talfahrt fort und notieren ausnahmslos in der Verlustzone. Alle sind von der anhaltenden Schwäche der US-Leitbörsen sowie von Ängsten der Investoren vor weiteren Bilanzskandalen betroffen.

Reuters FRANKFURT. Der DJ Stoxx 50-Index fiel um 2 % auf 2904 Punkte. Händler erklärten, die bekannten Probleme belasteten weiterhin die Märkte. Zu diesen gehörten die anhaltende Schwäche der US-Leitbörsen sowie die Ängste der Investoren vor weiteren Bilanzskandalen. Wiederum deutliche Einbussen erlitten Technologie- und Telekomwerte.

Gemäß Händlern erwies sich neben den markanten Kursverlusten an der US-Technologiebörse Nasdaq vom Vortag auch die am Mittwoch bekannt gegebene Senkung der Umsatzprognose des US-Chipkonzerns AMD für das zweite Quartal als Belastung. Grösste Verlierer waren die Titel des französischen Telekomausrüsters Alcatel, die über 17 % einbrachen.

Bei den arg gebeutelten Telekomwerten standen die Papiere des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone im Fokus der Anleger. Vodafone fielen zwischenzeitlich auf ein Viereinhalb-Jahres-Tief. Händlern zufolge belasteten allgemeine Sorgen um die Bilanzpraktiken von Telekomunternehmen den Wert.

Unter anhaltendem Druck standen auch die Papiere des französisch-amerikanischen Medienkonzerns Vivendi Universal, die am Vortag einen Viertel ihres Werts eingebüsst hatten. Der Preis des Titels ermässigte sich nochmals um 15 Prozent. Händler erklärten, nach der Rücktrittsankündigung des umstrittenen Konzernchefs Jean-Marie Messier vom Dienstag erwarte der Markt nun mit Spannung, wer die Nachfolge antreten werde.

London

An der Londoner Börse baute der FTSE-100-Index die Vortagesverluste weiter aus und büsste rund zwei Prozent auf 4462 Zähler ein. Angeführt wurde die Abwärtstendenz von Telekomwerten. Die Aktien des Mobilfunkgiganten Vodafone verloren über 5 %. Händler machten die allgemeine Sorgen der Investoren um die Buchführungspraxis bei Telekomwerten verantwortlich. mmO2 ermässigten sich um 1,8 % , während British Telecom knapp 3 % verloren. Grösste prozentuale Verlierer waren die Titel von Capita Group, die um über neun Prozent einbrachen. Händler verwiesen dabei auf Spekulationen, dass ein Vertrag des Unternehmens mit der britischen Regierung über die Bewirtschaftung elektronischer Verbrecherkarteien gefährdet sein könnte.

Zürich

Die Schweizer Aktien litten nach einem freundlichen Start wieder unter den vorherrschenden Unsicherheiten und gaben weiter nach. Der SMI notierte um 2,2 % tiefer auf 5737 Punkten. Nach anfänglichen Gewinnen traten vor allem die zunächst noch spekulativ gesuchten Aktien der CS Group den Rückzug an. Zunächst hätten Gerüchte über einen möglichen Zusammenschluss der CS mit der Deutschen Bank für Auftrieb gesorgt. Später sackten CS um 4,3 % ab. Grössere Verluste erlitten auch Zurich, die über 5 % einbrachen. Sowohl CS wie Zurich gelten seit einiger Zeit als Spielball von Spekulanten, Hedgefunds und Tradern. Auch die defensiven Werte konnten sich dem negativen Trend nicht widersetzen.

Paris

Die Börse Paris litt unter kräftigen Abgaben bei Alcatel. Der CAC-40-Index verlor 2,6 % auf 3638 Zähler. Händler erklärten, der Telekomausrüster Alcatel sei von Sorgen um dessen Verschuldungsgrad sowie über dessen Gewinnentwicklung belastet worden. Die Anleger befürchteten eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's. Alcatel brachen um über 16 % ein. Belastung kam auch von anderen schwer gewichteten Werten. So büssten Vivendi Universal über 15 % ein. Ebenfalls schwächer tendierten nach einem festeren Start France Telecom.

Benelux

Die Benelux-Börsen notierten ebenfalls schwächer. Der Amsterdamer AEX-Index büßte über 2,6 % auf 409 Zähler ein und der Brüsseler Bel20-Index sank 2 % auf 2424 Punkte. In Amsterdam verloren Ahold über 7 %. Händlern zufolge sorgten sich Anleger wegen Aholds Engagement in Argentinien. Philips büssten zeitweise rund vier Prozent ein. ASML ermässigten sich um über vier Prozent. Ebenfalls schwächer notierten Versicherer und Finanzwerte. Ing gaben über 5 % nach. In Brüssel belasteten unter anderem Einbussen beim Indexschwergewicht Fortis von 2,5 %.

Mailand

In Mailand verlor der Mib30-Index 1,6 % auf 26.771 Punkte. Belastend erwiesen sich die Kursrückgänge von Finanz- und Bankenwerten. Die Liste der Verlierer führten dabei der Blue Chip-Titel IntesaBci an mit Abschlägen von über 5 %. Banca Fideuram verloren 3,6 Prozent und Mediolaneum büssten über 2 % ein. Nach der Bekanntgabe weiterhin rückläufiger Autoverkäufe in Italien im Monat Juni gerieten die Titel von Fiat unter Druck und gaben über 3 % nach.

Madrid

Der Ibex-35-Index der Madrider Börse sank über 1 % auf 6640 Zähler. Nachdem sich Telefonica-Aktien zunächst von Vortagesverlusten erholt hatten, notierten die Titel später 1,5 Prozent im Minus. Die Bankenschwergewichte Santander Central Hispano und Banco Bilbao Vizcaya ermässigten sich um 2,2 und 1,6 % . Verluste erlitten auch Repsol, die 1,2 % nachgaben.

Skandinavien

Der DJ StoxxNordic-Index der skandinavischen Aktienmärkte verlor 2,4 % auf 263 Punkte. Als kursbelastend erwiesen sich Technologie- und Telekomwerte. Nokia bauten die Vortagesverluste um weitere 2,4 % aus. Die Titel des Konkurrenten Ericsson dagegen notierten fester. Händler verwiesen dabei auf die jüngsten Spekulationen, wonach Ericsson seinen Anteil am Mobiltelefon-Joint Venture mit Sony verkaufen könnte. Unter den Telekom-Papieren gaben Sonera fast 6 % nach, während Telia sich um rund 3 % ermässigten.

Wien

Der ATX-Index gab rund 1 % auf 1217 Zähler nach. Voest-Alpine bauten die Vortagesverluste weiter mit minus 2,5 % aus. Unter Druck standen auch Telekom Austria, die 1,7 % verloren. Erste Bank ermässigten sich um 2,5 %.

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