"Angstprodukt, das herbeigeredet wird"
Industrie warnt vor Deflationsdiskussion

Angesichts aufkeimender Konjunkturhoffnungen in Europa und den USA sorgt sich die deutsche Industrie zunehmend um mögliche Dämpfer wegen der anhaltenden Deflationsdebatte.

HB/dpa BERLIN. "Dieses Deflationsgeschrei, das leider auch vom IWF (Internationaler Währungsfonds) kommt, ist unselig", kritisierte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, in der "Welt am Sonntag". "Deflation ist kein Automatismus, sondern ein Angstprodukt, das herbeigeredet wird." Bei einer Deflation kommt in ausgeprägten konjunkturellen Schwächephasen zu einer gefährlichen Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Nachfrage.

Nach Einschätzung des BDI-Präsidenten hat die deutsche Wirtschaft in der aktuellen Konjunkturkrise bereits das Schlimmste überstanden. "Dieses Jahr wird lausig", sagte er zwar. "Wir haben aber das Ende der Talsohle erreicht, und die Auftragseingänge in der Industrie werden allmählich leicht anziehen." Kräftige Wachstumsschritte seien in dem erhofften nächsten Aufschwung aber nicht zu erwarten. Allerdings werde die Wachstumschwelle, von der an neue Arbeitsplätze geschaffen würden, "niedriger liegen als heute mit über zwei Prozent".

Auch Wirtschafts-Staatssekretär Alfred Tacke bekräftigte die Haltung der Bundesregierung und der Europäischen Zentralbank, dass in Deutschland und der Eurozone keine Deflation drohe. "Ich sehe in der Euro-Zone keine Anzeichen für eine Deflation", sagte Tacke der Tageszeitung "Die Welt" (Samstagausgabe). "Man sollte positiv bewerten, was positiv ist: Wir haben Preisstabilität." In einen vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zitierten Papier aus dem Berliner Finanzministerium heißt es zwar, die Möglichkeit einer Deflation sei nicht völlig auszuschließen. Allerdings sei die Debatte aus heutiger Sicht deutlich übertrieben und sollte deshalb "tiefer gehängt" werden.

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