Anhaltende Konjunktur-Schwäche
Hannover Messe Industrie vom Pech verfolgt

Wie ein Schatten lagen die anhaltende Schwäche der Konjunktur und die Irak-Krise vor kurzem schon über der weltgrößten Computermesse CeBIT. Doch für die Hannover Messe Industrie kommt es noch dicker.

HB/dpa HANNOVER. Die vor allem in Südostasien grassierende schwere Lungenerkrankung SARS sorgt für zusätzliche Verunsicherung bei Ausstellern wie potenziellen Besuchern. Die gerne auch als Konjunkturbarometer bezeichnete Parademesse der deutschen Industrie (7. bis 12. April) droht ausgerechnet dann zu schwächeln, wenn von ihr geradezu händeringend die dringend nötigen Impulse erhofft werden.

Messechef Klaus E. Goehrmann wird angesichts des schwierigen Umfelds nicht müde, für die Messe zu werben: "Es hat noch nie so viele sprungbereite Unternehmer gegeben, die die Jammerei über die schlechte Konjunktur leid sind." Und der Hobbysegler benutzt dafür ein Bild: "Wenn es für ein Segelboot keinen Wind gibt, dann kann man auch schwimmen, um vorwärts zu kommen." Ein positives Zeichen sei, dass die Zahl der angemeldeten Aussteller in Hannover trotz Konjunkturschwäche mit 6200 um 500 bis 600 besser ausgefallen sei als erwartet.

Dabei hat eine deutlich gestiegene Zahl ausländischer Aussteller einen tieferen Absturz verhindert. Gerechnet wird mit knapp 3000 nach etwa 2500 vor einem Jahr, während die deutschen Anmeldungen um etwa 20 % zurückgingen. Den größten Anteil stellt nach Italien mit 520 (2002: 340) China mit 282 (165) Ausstellern. Doch gerade die hohe Zahl chinesischer Aussteller könnte zum Nachteil werden. So sieht sich das niedersächsische Landesgesundheitsamt nahezu gezwungen, vor Hysterie und Panikmache im Zusammenhang mit SARS zu warnen. Es dürfe nicht so weit kommen, dass jeder asiatische Messebesucher nur als potenzielle Infektionsquelle betrachtet werde, sagt der Leiter der Behörde, Adolf Windorfer.

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit hat da ganz anders reagiert und das Personal von 400 Ausstellern aus China, Hongkong, Singapur von der aktuellen Basler Schmuck- und Uhrenmesse ausgeschlossen. Ihre Präsenz stelle ein zu großes Gesundheitsrisiko dar. Goehrmann weist dagegen auf viele deutsche Experten hin, die kein außergewöhnliches Ansteckungsrisiko für Messebesucher sehen. "Wir stehen ganz am Ende einer überwachten Kette, die am Flughafen des Abflugortes beginnt und sich über die Flüge selber und den Ankunftsflughafen erstreckt." Falls es doch zu Verdachtsfällen kommen sollte, gebe es wie immer eine mit speziell instruierten Ärzten besetzte Sanitätsstation.

Zur Besucherzahl hatte Goehrmann angesichts der Irak-Krise schon vor einer Woche keine Prognose gewagt. Vor einem Jahr waren 244 000 Gäste gekommen. Die Firmen schickten auf jeden Fall aus Kostengründen weniger Mitarbeiter, so Goehrmann. Dies habe die CeBIT gezeigt. Entscheidend sei aber nicht die Masse, sondern die Klasse der Fachbesucher.

Die traditionsreiche Industriemesse wird in diesem Jahr zum vorletzten Mal in bisheriger Form stattfinden. So will der Fachverband Robotik + Automation des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit seinen rund 200 Mitgliedern von 2004 an Hannover den Rücken kehren und plant eine eigene Messe. Die Deutsche Messe AG teilt als Reaktion die Schau von 2005 an in zwei eigenständige Themengebiete. Dann sollen die Fertigungs- und die Prozessindustrie im jährlichen Wechsel die Schwerpunkte setzen. Die eine Plattform spreche vor allem Automobilindustrie und Zulieferer sowie Maschinenbau an, die andere vorrangig chemische Industrie und Pharmabranche.

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