Anhaltende Krise treibt die Konsolidierung der Branche auf einen Höhepunkt
Im Softwaremarkt locken Schnäppchen

"Softwarefirmen sterben langsam", sagt Rick Bergquist, Cheftechnologe des Softwarekonzerns Peoplesoft, in Anspielung auf eine Eigenart seiner Branche: Sie kann ihren größten Kostenblock, die Mitarbeiter, durch Personalabbau schnell reduzieren und damit in der Krise recht lange überleben. Doch im dritten Rezessionsjahr in Folge wird es eng; vielen Firmen droht nun doch das Aus.

FRANKFURT/M. Das weiß auch Bergquist, schließlich kündigte Peoplesoft in dieser Woche an, den kleineren Wettbewerber J.D. Edwards übernehmen zu wollen. Für viele Branchenkenner ein eindeutiges Signal: Die Konsolidierungswelle unter den Anbietern von Unternehmens-Software wird in diesem Jahr einen vorläufigen Höhepunkt erreichen.

"Wir hatten die Konsolidierung lange erwartet und gehen davon aus, dass diese weiter gehen wird", bestätigt SAP-Chef Henning Kagermann die aktuelle Entwicklung. Wie schnell und stark der Peoplesoft-Zukauf die großen Konkurrenten wie Oracle oder SAP unter Zugzwang setzen wird, ist allerdings offen. "Sowohl Peoplesoft als auch J.D. Edwards waren bisher schon Konkurrenten von SAP. Daran hat sich auch durch das Zusammengehen der beiden nichts geändert", bremst Kagermann zu große Erwartungen.

Die Entwicklung hat mehrere Ursachen. Die Unternehmen geben angesichts eigener Absatzprobleme weniger Geld für Software aus. Gleichzeitig fehlt es der Branche an Innovationen, die den Umsatz treiben. Nur die erwähnte Fähigkeit, mit wenig Personal längere Zeit überleben zu können, hat die Branche bislang vor spektakulären Zusammenbrüchen geschützt.

Konsolidierung nicht mehr aufzuhalten

Doch die Konsolidierung ist nicht mehr aufzuhalten. Neben J.D. Edwards wechselte in dieser Woche auch die niederländische Baan, in den neunziger Jahren einer der wichtigsten Gegenspieler von SAP, den Besitzer. Die Firma geht für 135 Mill. Dollar an Finanzinvestoren.

Als weitere Kandidaten werden in der Branche Nischenplayer wie i2 Technologies, ein Spezialist für das Lieferketten-Management, oder Epicor, ein Anbieter von Software für das Kunden-Management, genannt. Auch die deutsche Software AG wird immer wieder erwähnt.

Dabei sind viele Firmen sehr günstig zu haben. Für J.D. Edwards und die 6700 Kunden will Peoplesoft lediglich 19 % mehr als die bescheidene Marktkapitalisierung zahlen. Epicor mit rund 15 000 mittelständischen Kunden wird sogar nur mit gut 200 Mill. Dollar bewertet.

Interessant sind solche Schnäppchen für Finanzinvestoren und größere Software-Häuser wie etwa Microsoft oder Peoplesoft. Da auch sie im Stammgeschäft mit einer Stagnation zu kämpfen haben, ist weiteres Wachstum nur möglich, wenn Wettbewerbern Marktanteile weggeschnappt werden können. In vielen Fällen bedeutet das eine Übernahme. "Bei der Akquisition von J.D. Edwards ging es vor allem darum, die kritische Masse zu erreichen", beschreibt Peoplesoft-Cheftechnologe Bergquist die Strategie.

Dagegen will sich SAP nicht durch größere Übernahmen an der Neuordnung des Marktes beteiligen. "Unsere Akquisitionsstrategie war und ist darauf ausgerichtet, unsere Technologie zu komplettieren, und nicht Marktanteile oder Kunden zuzukaufen", sagt Kagermann.

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