Anhaltende Schwäche im Wohnungsbau
Bauwirtschaft erwartet Umsatzrückgang

Um aus ihrer langjährigen Krise herauszukommen, drängt die deutsche Bauwirtschaft auf politischen Anschub. Die anhaltende Schwäche im Wohnungsbau, die mangelnde Investitionstätigkeit der öffentlichen Hand und die ungewisse Entwicklung im Wirtschaftsbau ließen auch für das nächste Jahr eine Fortsetzung der negativen Branchenkonjunktur erwarten, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Hans Werner Bonjean am Dienstag in Berlin.

dpa BERLIN. Die Branche brauche gezielte Maßnahmen, um Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Ein längerfristiges Programm, um den Investitionsstau um zehn Prozent abzubauen, wäre unter diesen Umständen eine Hilfe, hieß es. Auf besondere Kritik stoßen bei der Vereinigung und der deutschen Bauindustrie geplante neue Haftungsregeln für Bauhauptunternehmer.

Im kommenden Jahr werde für das Bauhandwerk nochmals ein Umsatz- und Beschäftigtenrückgang von zwei Prozent erwartet. Das Bauhauptgewerbe werde überproportional betroffen sein und gehe von etwa minus fünf Prozent aus. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres lagen die Bauinvestitionen um 5,3 % unter dem Vorjahreswert. Die Betriebe des Bauhauptgewerbes, des Ausbaugewerbes sowie der Haus- und Gebäudetechnik müssen mit Produktionseinbußen von durchschnittlich 5 % rechnen.

Bonjean forderte die Bundesregierung auf, die noch geplanten Stufen der Steuerreform vorzuziehen. Da nach dem Koalitionsvertrag von SPD und Grünen bei der Ausgestaltung der Ökosteuer auf die Konjunktur Rücksicht genommen werden solle, müsse die nächste Stufe gestoppt werden. Bei der EU-Osterweiterung solle für Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit eine Übergangsfrist von zehn Jahren statt sieben möglich sein, wie seinerzeit bei der Aufnahme von Spanien und Portugal.

Die zusätzlich zum Steuerabzugsverfahren geplante Haftung des Hauptunternehmens für die Abführung der Sozialabgaben seiner Subunternehmer gehe zu weit, sagte Bonjean. Auch die Bauindustrie wandte sich dagegen. Die Neuregelung führe "zu einer verfassungswidrigen Endloshaftung des Hauptunternehmers". Bonjean schlug vor, stattdessen ausländische Unternehmen bereits nach einem Monat in Deutschland in die hiesige Sozialversicherung einzubeziehen und nicht erst nach 12 Monaten wie derzeit.

In der im März gegründeten Bundesvereinigung Bauwirtschaft sind elf Verbände des Bau- und Ausbauhandwerks zusammengeschlossen. Die mehr als 300 000 Betriebe mit rund drei Mill. Beschäftigten stehen für ein jährliches Investitionsvolumen von 300 Mrd. DM (152,4 Mrd. Euro).

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