Anhörung
Ford und Firestone bewerfen sich mit Dreck

Der Streit zwischen dem Autokonzern und dem Reifenhersteller nimmt bizarre Formen an: Vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhaus gaben sich die einstigen Geschäftspartner gegenseitig die Schuld für eine Serie tödlicher Unfälle.

dpa WASHINGTON. Mit gegenseitigen Vorwürfen haben der US- Autohersteller Ford und der Reifenfabrikant Bridgestone/Firestone ihren Streit um die Verantwortung für eine Serie tödlicher Autounfälle im amerikanischen Kongress fortgesetzt. Im Mittelpunkt der mehr als achtstündigen Anhörung im Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses stand die einseitige Entscheidung von Ford im Mai, 13 Mill. Firestone-Reifen zu ersetzen.

"Gute Reifen durch andere zu ersetzen ist eine Ablenkungstaktik, die die Verbrauchersicherheit nicht erhöht", sagte Firestone-Chef John Lampe. Ford macht die Firestone-Reifen für die Unfälle verantwortlich, bei denen in den USA in den vergangenen 10 Jahren mindestens 203 Menschen ums Leben kamen und mehr als 700 verletzt wurden. Firestone, 1988 von dem japanischen Hersteller Bridgestone übernommen, glaubt an einen Baufehler bei den Geländewagen vom Typ Ford Explorer. Der Ausschussvorsitzende Billy Tauzin warf Ford vor, die Reifen mit Marken zu ersetzen, die weniger sicher sind als die Firestone-Reifen.

Ford-Konzernchef Jaques Nasser wies diesen Vorwurf zurück und verlangte Beweise. Die Rückrufaktion, die das Unternehmen mehr als 2 Mrd. $ kostet, sei vielleicht sehr umfangreich, aber nötig gewesen, um das Vertrauen der Autofahrer zurückzugewinnen. Eine Million Reifen seien bereits ersetzt worden. Mehrere tausend Ford- Mitarbeiter waren am Dienstag mit Explorern nach Washington gefahren, um Unterstützung für ihren Arbeitgeber zu demonstrieren.

Beide Hersteller sind mit zahlreichen Schadensersatzklagen konfrontiert. Am Montag verklagte eine Familie in Florida Firestone auf eine Milliarde $. Zwei Familienmitglieder waren bei einem Unfall ums Leben gekommen.

"Dies ist ein Reifenproblem, kein Fahrzeugproblem", sagte Nasser mehrfach. Ford habe bei ausgiebigen Tests 1183 mal Probleme mit Firestone-Reifen gehabt, nur 2 Mal mit anderen Marken. Die Reifen seien auf den gleichen Fahrzeugen und unter gleichen Bedingungen getestet worden. Nach Angaben von Firestone waren die beanstandeten Reifen jedoch auch auf dem Ford Ranger montiert. Trotzdem sei die Unfallrate mit dem Explorer 8 Mal höher gewesen. Firestone habe bei eigenen Tests festgestellt, dass der Explorer sich nach einem Reifenschaden wesentlich öfter überschlage als andere Autos.

Die Verkehrssicherheitsbehörde hatte den Reifenhersteller nach einer Serie von Unfällen durch geplatzte Reifen im vergangenen Jahr aufgefordert, 6,5 Mill. Reifen zurückzurufen. 80 % waren auf Explorer montiert, einen der meistverkauften Geländewagen der Welt. 97 % sind seitdem ersetzt worden. Die Verkehrssicherheitsbehörde leitete eine Untersuchung zu den Reifen ein. Das Ergebnis soll im nächsten Monat bekannt gegeben werden.

Als Ford im Mai die neue Rückrufaktion ankündigte, brach Firestone die 95 Jahre alten Geschäftsbeziehungen zu Ford ab und verlangte eine Untersuchung der Autos durch die Behörde. Das Verkehrsministerium prüft zurzeit, ob eine formelle Untersuchung eingeleitet werden soll.

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