Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses
Greenspan warnt US-Regierung vor Haushaltsdefizit

US-Notenbankchef Alan Greenspan hat die Regierung von George W. Bush vor den wirtschaftlichen Risiken zu hoher Staatsausgaben gewarnt. Nur die Rückkehr zu einer disziplinierten Fiskalpolitik mache ein gesundes Wirtschaftswachstum möglich, sagte er am Donnerstag bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses.

Reuters WASHINGTON. Die US-Wirtschaft habe Schocks wie die Aktienmarktschwäche oder die Anschläge vom 11. September gut verkraftet, fügte der einflussreichste Notenbanker der Welt hinzu. Doch die dämpfenden Auswirkungen dieser Rückschläge seien noch immer zu spüren. Analysten werteten Greenspans Äußerungen vor allem als Kritik an der Budget-Politik der US-Regierung und erkannten keine neuen Signale für die künftige Zinspolitik der Fed.

"Die Geschichte zeigt uns, dass eine Abkehr von der Haushaltsdisziplin möglicherweise zu einem Anstieg der Zinsen, zu einem Rückgang der Investitionen und niedrigerem Produktivitätswachstum führt. Dies könnte uns in der Zukunft vor schwere Entscheidungen stellen", sagte Greenspan weiter. Die USA werden für das am 30. September endende Fiskaljahr voraussichtlich zum ersten Mal seit 1997 ein Haushaltsdefizit verbuchen. Dies führen viele Analysten unter anderem auf Bushs Steuersenkungspolitik und die drastische Erhöhung der Militärausgaben zurück.

Die wenigen Äußerungen Greenspans zur Entwicklung der US-Konjunktur ähnelten denen von Ende Juli, als der Fed-Chef das letzte Mal vor dem US-Kongress gesprochen hatte. Er bezeichnete die US-Wirtschaft mit Blick auf die jüngsten Schocks erneut als widerstandsfähig. "Bisher scheint die Wirtschaft die Rückschläge gut verkraftet zu haben, aber die dämpfenden Effekte sind weiter vorhanden. Zudem üben sie weiter Einfluss aus, vor allem auf den Ausblick des US-Haushalts", sagte Greenspan.

Analysten äußerten sich enttäuscht, da sie sich von dem Notenbank-Präsidenten mehrheitlich Aussagen zum Konjunkturausblick erhofft hatten. "Wir hatten klare Worte zur Konjunktur erwartet, und die haben wir nicht bekommen", sagte Richard Yamarone von Argus Research in New York. John Lonski, Chefvolkswirt von Moody's Investors Service, fügte hinzu, Greenspan habe entgegen der Erwartungen nichts gesagt, was das Vertrauen der Anleger stärken könne. Kurzfristig ändere sich somit nichts am Zinsausblick. Die meisten Experten erwarten bis zum Jahresende mittlerweile keine Änderung des Schlüsselzinses von 1,75 Prozent mehr. Das nächste Fed-Treffen findet am 24. September statt.

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