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Anhörung zu US-Folterskandal von Abu Ghoreib

Die Anhörungen zum US-Folterskandal im irakischen Gefängnis Abu Ghoreib werden sich über Monate hinziehen. So versuchten vor allem die Verteidiger des bekanntesten Beschuldigten, Charles Graner, die Anklage mit einer Fülle von Anträgen zu Fall zu bringen und Zeit für weitere Zeugenbefragungen zu gewinnen.

dpa MANNHEIM. Die Anhörungen zum US-Folterskandal im irakischen Gefängnis Abu Ghoreib werden sich über Monate hinziehen. So versuchten vor allem die Verteidiger des bekanntesten Beschuldigten, Charles Graner, die Anklage mit einer Fülle von Anträgen zu Fall zu bringen und Zeit für weitere Zeugenbefragungen zu gewinnen.

Zum Auftakt eines zweitägigen Vorverfahrens am Montag in einer US-Kaserne in Mannheim äußerte sich Graner zu seiner Festnahme. Auf Einzelheiten zu den Fotos, die ihn neben nackten und gepeinigten irakischen Häftlingen in dem Gefängnis zeigen, ging der 35-jährige Korporal aber nicht ein. Den Beschuldigten drohen mehrjährige Haftstrafen.

Gemeinsam mit insgesamt sechs weiteren Militärpolizisten soll Graner zahlreiche Häftlinge des berüchtigten Gefängnisses Abu Ghoreib missbraucht haben. Neben dem Korporal müssen sich in Mannheim zwei weitere Soldaten und eine Frau verantworten.

Der Folterskandal von Abu Ghoreib hatte im April weltweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Damals waren Fotos an die Öffentlichkeit gelangt, auf denen Graner unter anderem in triumphierender Pose hinter einer Pyramide von aufgestapelten nackten Gefangenen zu sehen ist. Seine Freundin, die derzeit schwangere Hauptgefreite Lynndie England, präsentierte sich auf den Fotos mit einem nackten Gefangenen an einer Hundeleine. Englands Vorverfahren war wegen der Schwangerschaft in die USA verlegt worden und ist derzeit ausgesetzt.

Die Anhörung war für zwei Tage vor allem aus Sicherheits- und Kostengründen aus Bagdad nach Deutschland verlegt worden. Die Mannheimer Gerichtstage sind nach US-Angaben eine einmalige juristische Begebenheit, wie Richter Oberst James Pohl betonte. Dann soll wieder in der irakischen Hauptstadt verhandelt werden. Der Zivilanwalt Graners, Guy Womack, kündigte aber an, bei der Fortsetzung der Anhörung am 21. Oktober in Bagdad erneut eine Verlegung in die USA oder nach Deutschland zu beantragen.

Mit Fragen zu den ersten Ermittlungen nach dem Auftauchen der Fotos Mitte Januar versuchte die Verteidigung, Fehler der Geheimpolizei aufzudecken. Erfolglos versuchte die Verteidigung, die Beschlagnahme des Computers und der Disketten mit den Bildern für illegal erklären zu lassen. Dadurch hätten einige Fotos nicht mehr als Beweismittel genutzt werden können.

Die Anhörungen sind Teil des Vorverfahrens. Das Gericht will klären, ob die Beweise für die Eröffnung eines Prozesses ausreichen. Die meisten Militärpolizisten behaupten, vom Geheimdienst zu den Taten ermutigt worden zu sein. Der Stabsgefreite Jeremy Sivits hatte sich dagegen bereits im Vorverfahren schuldig bekannt. Er war im Mai von einem Militärgericht in Bagdad zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zur Entlassung aus der Armee verurteilt worden.

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