Animationen wandern von Postfach zu Postfach
Online-Spiele machen bin Laden zur Witzfigur

Maschinengewehr-Geräusche dröhnen aus dem Lautsprecher am Computer, lachende Arbeitskollegen scharen sich hinter dem Monitor. Seit den Terroranschlägen in den USA nehmen Spielefreaks nicht mehr unschuldige Moorhühner ins Visier, sondern richten ihre Aufmerksamkeit auf Osama bin Laden.

dpa JENA. E-Mails mit Spielchen und Animationen wandern von Postfach zu Postfach, blitzschnell von Firma zu Firma. Das Internet mit seiner Verbreitungsgeschwindigkeit verleiht einer Kultur des schwarzen Humors eine neue Dynamik, die es bis auf die Feuilletonseiten der überregionalen Presse geschafft hat.

Die Karikaturen, Lieder, Webseiten und Filme zeugen von großer Kreativität der Macher - und manchmal machen sie einen großen Bogen um den guten Geschmack. In der Singlebörse für Taliban wirbt eine verschleierte Frau mit Namen Mahboba: "Mach mich zu einer deiner Frauen." Wohnhaft: Höhle; Beschäftigung, Einkommen und Hobbys: nicht erlaubt. In einem Lied zu einer Melodie Harry Belafontes singt ein Chor im Refrain: "Komm Mr. Taliban, übergib Bin Laden." (Come Mr. Taliban, hand over Bin Laden). Ganze Sammlungen sind im Netz entstanden. Vor dem Hintergrund der Vielfalt wirkt die "World Trade Edition" eines Flugsimulators mit Osama bin Laden fast schon einfallslos.

Der Psychologe Wolfgang H. R. Miltner von der Friedrich-Schiller Universität - in Jena bewertet die Flut an Ulk-Webseiten als einen normalen Vorgang. "Bei öffentlichen Ereignissen sieht man immer, dass nicht nur ernsthafte Betrachtungen entstehen, sondern auch Karikaturen, die bestimmte Merkmale herausheben", sagte der Psychologe. Auch Ulrich Hegerl von der Ludwig-Maximilians Universität - München sieht in dem Online-Humor kein neues Phänomen. Er bewertet das Lachen als einen spezifisch menschlichen Schutzreflex, der über Ängste, Bedrohungen und andere Abgründe der menschlichen Existenz hinweghelfe. "Das Internet als Verbreitungsmedium erweitert nur die technischen Möglichkeiten", sagte der Psychiater.

Wer die Witzeflut ins Rollen gebracht hat, ist nicht immer festzustellen. Die "Süddeutsche Zeitung" und der "Spiegel" gingen zum Beispiel der Frage nach, wie das Gesicht Berts aus der Sesamstraße auf Plakaten mit einer Collage Osama bin Ladens in Bangladesch auftauchen konnte. Später stellte sich heraus, dass die Druckerei in Dhaka das Bild Bin Ladens mit dem gelben Filzgesicht aus dem Internet gezogen hatte.

Nicht aufgeklärt ist dagegen die Identität des "Touristguy". Eine Fotomontage zeigt einen angeblichen Urlauber auf dem World Trade Center unmittelbar vor dem Anschlag. Der Mann mit der dunklen Mütze und Sonnenbrille besitzt im Web mittlerweile Kult-Status. Auf einer Internet-Seite stellte ein Sammler rund 200 verschiedene Ansichten zusammen.

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