Ankara braucht weiter IWF-Hilfen
Die Türkei ist wieder auf dem Wachstumspfad

Nach der schweren Finanzkrise vom vergangenen Jahr wächst die türkische Wirtschaft jetzt stärker als erwartet. Trotzdem bleibt das Land auf internationale Beistandskredite angewiesen.

ghö ATHEN. Nachdem im 1. Quartal das Bruttosozialprodukt (BSP) um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr zulegte, betrug das Plus im Zeitraum April-Juni bereits 8,2 %. Die meisten Analysten hatten mit nur 6 % gerechnet. Damit scheint die türkische Wirtschaft, die im vergangenen Jahr mit einem Minuswachstum von 9,4 % in die schwerste Rezession seit Ende des 2. Weltkriegs rutschte, die Talsohle hinter sich gelassen zu haben. Die Regierung in Ankara ging bisher für dieses Jahr von einem Zuwachs des BSP um 3 % aus. Nach der unerwartet günstigen Entwicklung im 1. Halbjahr setzt Wirtschaftsminister Masum Türker jetzt ein Plus von 3,9 % für dieses und 5 % für das kommende Jahr an. Sein Amtsvorgänger Kemal Dervis, der im vergangenen Monat nach einem Zerwürfnis mit Ministerpräsident Bülent Ecevit zurücktrat, rechnet sogar für das laufende Jahr mit einem Wachstum von bis zu 5 %.

Die Türkei ist auf ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum angewiesen, wenn sie in den kommenden Jahren ihre Schulden planmäßig bedienen will. Die Finanzkrise ließ im vergangenen Jahr die Inlandsschulden auf das Doppelte anschwellen. Mit umgerechnet rund 40 Mrd. $ schlug allein die Sanierung maroder Staats- und Privatbanken zu Buche. Ihre Verbindlichkeiten wurden in Anleihetitel umgewandelt. Am Ende des 1. Quartals 2002 saß die Türkei auf Inlandsschulden von umgerechnet 89 Mrd. $. Die Auslandsverbindlichkeiten addierten sich auf weitere 117,5 Mrd. Wirtschaftsminister Türker hofft allerdings, bereits in diesem Jahr die Verschuldung spürbar abbauen zu können. Von 110 % des BSP Ende 2001 soll die Staatsschuld in 2002 auf unter 90 und im kommenden Jahr auf 75,5 % gedrückt werden.

Doch selbst wenn sich das Wirtschaftswachstum beschleunigen sollte, wird die Türkei auf weitere Beistandskredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen sein. Fast 30 Mrd. $ pumpte der Fonds bereits in das Land, für 2003 ist eine weitere Milliarde zugesagt. Aber das wird nicht reichen. "Im kommenden Jahr steht der Finanzminister vor einer Haushaltslücke von 10 bis 15 Mrd. $", glaubt ein ausländischer Banker in Istanbul.

Die Zukunft ist in der Tat voller Ungewissheiten. Dazu gehört neben dem Urnengang vom 3. November, der die Islamisten an die Macht bringen könnte, vor allem die Eventualität eines Feldzugs der USA gegen Irak. Dabei wäre die Türkei als Bündnispartner unverzichtbar. Die USA scheinen bereit, sich die Solidarität ihres Verbündeten etwas kosten zu lassen. Die arabische Zeitung "Al-Hayat" berichtete jetzt, Washington habe der Türkei 10 Mrd. $ angeboten, wenn sie ihr Territorium als Aufmarschraum für US-Truppen zur Verfügung stelle.

Quelle: Handelsblatt

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