Ankaras Nein kann Krieg verlängern: Pentagon überarbeitet Angriffspläne

Ankaras Nein kann Krieg verlängern
Pentagon überarbeitet Angriffspläne

Die Türkei steigt aus den Aufmarschplänen gegen den Irak aus, Bagdad zerstört einige seiner Raketen und kündigt weitere Zugeständnisse an. Doch US-Präsident George W. Bush ficht das nicht an. "In seinen Gedanken ist die alte Debatte, ob Saddam abrüstet oder nicht, vorbei. Wir sind schon in der nächsten Phase, auch wenn noch niemand anders dort ist", sagte jetzt ein Regierungsbeamter in Washington. "Die USA haben nicht die Absicht, die Zusammensetzung der neuen irakischen Regierung festzulegen", sagte Bush in seiner Radio-Ansprache am Wochenende - als ob der jetzt wieder offen geforderte "Regime-Wechsel" in Bagdad längst statt gefunden hat.

HB DÜSSELDORF. Der Irak setzte am Montag die am Wochenende begonnene Zerstörung seiner Kurzstreckenraketen vom Typ El- Samud-2 fort. Die Gespräche zwischen den Uno-Kontrolleuren und irakischen Fachleuten über den Nachweis der angeblich von Bagdad vernichteten Bestände von Anthrax- und VX-Nervengas wurden dagegen vorerst unterbrochen. "Der Irak wird in ungefähr einer Woche einen detaillierteren Bericht vorlegen", teilte Uno-Sprecher Hiro Ueki in Bagdad mit.

Nachdem der Irak in letzter Minute auf das Uno-Ultimatum reagiert hatte, die Raketen mit zu großer Reichweite zu zerstören, drehte Präsidentenberater Amir el Saadi den Spieß wieder um. Auf die Frage, ob der Irak auch dann mit der Raketenzerstörung fortfahren würde, wenn sich die USA für einen Krieg entschieden, drohte er: "Wenn sich zu einem frühen Zeitpunkt in diesem Monat herausstellen sollte, dass Amerika nicht den rechtmäßigen Weg geht, warum sollten wir dann weitermachen?" Trotz des Dissens mit den USA wird diese Taktik der irakischen Führung auch im Lager der Kriegsgegner moniert. "Der Irak muss mehr tun", sagte Frankreichs Präsident Jacques Chirac in Algier.

In Washington räumen US-Militärs unterdessen ein, dass das unerwartete "Nein" der Türken ihre Arbeit erschwert und einen möglichen Krieg verlängert. "Natürlich könnten wir mir einem Angriff von zwei Seiten die Operationen des Feindes besser stören", sagte General William Wallace, der die US-Truppen von Kuwait aus gegen den Irak führen soll, dem Wall Street Journal.

Kurden und Türken erheben Anspruch auf Ölregion

Zwar wäre es möglich, Truppen mit leichter Ausrüstung in den Nordirak einzufliegen, um dort die Ölfelder bei Kirkuk und Mosul zu sichern und die Kurden gegen mögliche irakische Angriffe zu schützen. Sowohl Kurden in Nordirak als auch Türken haben Anspruch auf die Ölregion erhoben und wollen verhindern, dass die jeweils andere Seite die Kontrolle übernimmt.

Aber ein groß angelegter Angriff von Norden her auf Bagdad zur Entlastung der aus Kuwait kommenden Truppen ist nach Meinung von Militärexperten ohne Zugang zur Türkei nicht möglich. "Wenn die USA nicht von der Türkei aus angreifen können, wäre das ein bedeutender, wenn auch kein verhängnisvoller Rückschlag", meint Toby Dodge, von der Warwick-Universität in England. Mit der Nordfront wäre ein Krieg "schneller, es gäbe viel weniger Opfer", sagt Anthony Cordesman vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington.

Um einen Angriff von Süden vorzubereiten, verschärften die USA und Großbritannien US-Verteidigungskreisen zufolge ihre Angriffen auf Ziele innerhalb der irakischen Flugverbotszonen. Sie zerstören nun in fast täglichen Angriffen Einrichtungen der irakischen Armee, die im Falle eines Militärschlages zur Verteidigung eingesetzt werden könnten.

Bislang hofft die US-Regierung aber noch, dass die Türkei die Stationierung von US-Truppen zulässt. Zu diesem Zweck würden gegenwärtig intensive bilaterale "Konsultationen" geführt, heißt es in Washington. Dabei gehe es unter anderem um türkische Sorgen, die kurdische Unabhängigkeitsbewegung könne auf die Türkei übergreifen. Ankara verlangt, dass alle Kurden, die die USA für den Kampf gegen Bagdad bewaffnen, nach einem Krieg wieder entwaffnet werden müssten. Möglicherweise schraube Washington auch die Zahl der zu stationierenden Soldaten nach unten, um doch noch ein positives Votum zu erreichen, vermuten Beobachter. Bislang haben die USA ihre 14 Schiffe, die vor der türkischen Küsten warten, noch nicht in Richtung Golf umgeleitet.

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