Anklage wegen Untreue erwartet
Mannesmann-Abfindung setzt Ackermann unter Druck

Die Deutsche Bank hat ihre Führungsstruktur ganz auf Josef Ackermann ausgerichtet. Doch nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt könnte ein Verfahren wegen Untreue seine Karriere abrupt beenden.

HB DÜSSELDORF. Die Affäre um zweifelhafte Millionenabfindungen an ehemalige Manager der Mannesmann AG bringt den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackemann, in Bedrängnis. Denn nur drei Monate nach seinem Amtsantritt droht dem 54jährigen Schweizer eine Anklage wegen Untreue durch die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Die Justizbehörde wirft Ackermann und drei weiteren Ex-Aufsichtsräten von Mannesmann vor, ehemaligen Mannesmann-Managern "pflichtwidrig" Abfindungszahlungen aus der Konzernkasse genehmigt zu haben. Dabei soll es um gut 60 Mill. Euro gehen.

Die weiteren Beschuldigten sind der IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, der ehemalige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk sowie der damalige Betriebsratsvorsitzende Jürgen Ladberg. Unklar ist, ob auch der Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser mit einer Anklage rechnen muss. Die vier Aufsichtsräte hatten bereits einen Tag, nachdem Mannesmann das Übernahmeangebot des britischen Mobilfunkonzern Vodafone über 372 Mrd. Dollar angenommen hatte, den ersten Teil der Millionenabfindungen genehmigt. Davon profitierte auch Esser mit etwa 30 Mill. Euro.

Zwar bekräftigte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch, dass offen sei, ob überhaupt Anklage erhoben werde. Doch hieß es in Kreisen der Deutschen Bank sowie beim Verteidiger von IG-Metall-Chef Zwickel, Rainer Hamm, dass man fest mit einer Anklage gegen die vier Mitglieder im "Aufsichtsratsausschuss für Vorstandsangelegenheiten" rechne.

Nach Handelsblatt-Informationen stützt die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Untreue sowohl auf die Prämien- und Abfindungszahlungen an Esser als auch an die 30 Mill. Euro, die als Pensionsabfindungen an längst ausgeschiedene Mannesmann-Vorstände gingen. Die Staatsanwälte vermuten, dass der Aufsichtsratsausschuss den Begünstigten einen persönlichen Vorteil verschaffen wollte. Hintergrund: Die Ex-Manager fürchteten nach der Übernahme durch Vodafone um die ihnen zustehenden variablen Gewinnbeteiligungen. Besonders pikant ist hierbei die Rolle des Aufsichtsratschefs Funk, der sich angeblich selbst 3 Mill. Euro bewilligt haben soll.

Während IG-Metall-Chef Zwickel nur noch bis Oktober 2003 amtiert, kommt die Affäre Ackermann zur Unzeit. Denn der Schweizer hat der Bank einen tief greifenden Spar- und Sanierungskurs verordnet und gilt derzeit als kaum ersetzbar. "Sollte es wirklich zu einer Anklage kommen, könnte es eng für den Vorstandssprecher werden", sagte jedoch ein von den Arbeitnehmern entsandtes Aufsichtsratsmitglied.

Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sagte dem Handelsblatt, sollte tatsächlich Anklage erhoben werden, so sei Ackermann gut beraten, sein Amt als Vorstandschef der Deutschen Bank ruhen zulassen. Dies sei guter Brauch in Deutschland.

Dagegen war aus Kreisen der Deutschen Bank selbst zu hören, der Vorstand, das operative Leitungsgremium Group Executive Comitee und auch die Vertreter der Aktionäre im Aufsichtsrat stünden voll hinter dem Vorstandssprecher. Ein Sprecher hatte zuvor betont, die Vorwürfe der Staatsanwälte seien "abwegig".

Hocker, der Mitglied der Regierungskommission "Corporate Governance" ist, erwartet, dass der Fall Mannesmann in der nächsten Sitzung der Kommission ein Topthema sein wird. Er werde ein neuen Vorstoß zur Kappung von Vorstandsvergütungen starten.

Quelle: Handelsblatt

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