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Ankommen im schönsten Bahnhof der Welt

"Commuter" nennt man in Amerika jene, die von den Vororten zu ihren Arbeitsplätzen in den Großstädten pendeln. Rund um New York machen sich jeden Morgen Millionen dieser Pilger auf den Weg nach Manhattan. Bereits um sechs Uhr sind die VorortZüge voll.

"Commuter" nennt man in Amerika jene, die von den Vororten zu ihren Arbeitsplätzen in den Großstädten pendeln. Rund um New York machen sich jeden Morgen Millionen dieser Pilger auf den Weg nach Manhattan. Bereits um sechs Uhr sind die VorortZüge voll. Analysten, Aktien, Anleihe und Devisenhändler sie alle hetzen zur Wall Street. "Time is Money". Ausgerüstet mit Rucksäcken, Ipods und dem "Wall Street Journal" nehmen sie Fahrzeiten von mehr als eine Stunde in Kauf.
Jene, die direkt im Big Apple wohnen, haben dafür oft nur ein mitleidiges Kopfschütteln übrig. Rühmen sie sich doch, morgens mit einem StarbucksCoffee in der Hand in einer halben Stunde am Schreibtisch zu sitzen. Und abends lässt sich der Heimweg bequem mit einem Drink in den vielen MidtownBars verbinden. Ganz zu schweigen von den anderen nahegelegenen Attraktionen Manhattans. Ein Leben in den Suburbs erscheint dagegen langweilig und unvorstellbar.
Ich will hier nicht die übliche Debatte zwischen Naturfreunden und urbanen Kulturliebhabern aufleben lassen. Nein, jeder muss selbst entscheiden, wo er sich mehr zuhause fühlt. Einwerfen möchte ich aber doch die kleinen Freuden des PendlerDaseins. Zu diesen Schätzen gehört für mich vor allem die Ankunft in einem der schönsten Bahnhöfe der Welt Grand Central.
Wer in die riesige Vanderbilt Hall, den mehr als 1000 Quadratmeter großen, früheren Warteraum, tritt, wird für den ganzen Tag belohnt. Unversehens wandern die Augen nach oben zur 36 Meter hohen, spangrünen Decke. Dieser in mühevoller Kleinarbeit restaurierte Himmel mit seinen Sternkreiszeichen zieht selbst alteingesessene New Yorker immer wieder in seinen Bann. Können sie doch in der Stadt, die niemals schläft, auf Grund des Lichtermeers den natürlichen Sternenhimmel niemals sehen. In der Weihnachtszeit wird das Schauspiel noch dadurch gesteigert, das Santa Claus mit seinem Schlitten über den Himmel huscht. Die moderne Lichttechnik macht es möglich.
Dass dieses gewaltige Gebäude überhaupt noch inmitten der Walkenkratzer Manhattans seinen Platz hat, ist vor allem den New Yorkern zu verdanken. Nur der unermüdliche Einsatz von Persönlichkeiten wie Jacqueline Kennedy Onassis hat den Bahnhof vor der Abrissbirne bewahrt. Ansonsten wäre Grand Central dem Schicksal von Penn Station gefolgt und heute ein gesichtsloser Ort im Unterbauch von New York. So aber wurde das Prachtstück in den 90er Jahren liebevoll restauriert und ist bis heute ein kleines Geschenk für jeden der hier ankommt oder von hier abreist.


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