Ankündigung einer strategischen Neuausrichtung beflügelt Bayer
Telekom-Aktie vor Krisensitzung weiter im Minus

Den Ton am deutschen Aktienmarkt gaben gestern zwei alte Bekannte an - Deutsche Telekom und Bayer. Die T-Aktie leidet weiter unter den Turbulenzen nach dem Verkauf des Mega-Aktienpakets durch die Deutsche Bank am vergangenen Dienstag, der den jüngsten Kursrutsch um rund 20 % auslöste.

rez/ret/dri/po FRANKFURT/M. Morgen soll es nach Informationen aus Bankkreisen zu einem hochrangigen Treffen zwischen Deutscher Bank und Telekom kommen, um über ihre weiteren Geschäftsbeziehung zu sprechen. Der Bonner Konzern dementierte dies. Nach Angaben eines Sprechers analysiert die Telekom vorerst weiter das Geschehen an den Märkten der vorigen Woche. "Die Deutsche Bank hat bisher nichts zur Aufklärung beigetragen, etwa darüber, wie sie den Verkauf des Aktienpakets zu managen versucht hat", warf der Telekom-Sprecher der Bank vor. Bei Transaktionen dieser Größenordnung, im aktuellen Fall gut 1 Mrd. , gebe es normalerweise umfassende Informationen der Banken. Er sieht diese Verunsicherung der Märkte als Ursache für den anhaltend schwachen Kurs der T-Aktie. Die Deutsche Bank äußerte sich dazu nicht. Am Abend vermeldete die "Telebörse" vorab, ein Anleger habe Strafanzeige wegen Betrugs gegen die Deutsche Bank erstattet. Er habe auf Grund der Kaufempfehlung T-Aktien geordert und nun viel Verlust gemacht.

Bayer beflügelte gestern den Deutschen Aktienindex (Dax), nachdem der Konzern eine strategische Neuorientierung angekündigt hatte. Als Stütze des Marktes erwies sich außerdem die in jüngster Zeit arg gebeutelte Infineon-Aktien. Nach einer Hochstufung des US-Halbleitersektors durch die Investmentbank Goldman Sachs legte der Titel um über 2 % zu. Die Standardwerte des Deutschen Aktienindex (Dax) schlossen bei insgesamt moderaten Umsätzen mit einem Plus von 0,7 % auf 5474 Punkten.

Die T-Aktie fiel im frühen Handel zunächst auf den tiefsten Stand seit 41 Monaten bei 18,71 , stabilisierte sich später aber und schloss mit einem Minus von 0,8 % oberhalb der 19- -Marke. Händler berichteten, dass am Markt über Stützungskäufe der Deutschen Bank spekuliert worden sei. Verpufft ist gestern ferner die vielleicht leise Hoffnung der 3 Millionen Privataktionäre der Telekom auf Bonus-Aktien, die FDP-Vizechef Rainer Brüderle gefordert hatte. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bezeichnete den Vorschlag als Unsinn.

Den Kurseinbruch der T-Aktie verstärkt haben in den vergangenen Tagen offenbar erneut Hedge Funds, die unter anderem über Leerverkäufe auf fallende Kurse spekulierten. Aus New Yorker Finanzkreisen verlautete, dass Telekom-Aktien in aller Welt seit dem Platzen der TMT-Blase in den vergangenen Monaten zu einem interessanten "Baisse-Spielball" für die Hedge Funds geworden seien. Ein wichtiger Auslöser seien dabei die Versteigerungs-Ergebnisse der UMTS-Lizenzen in Europa gewesen. Hier hätten Hedge-Funds-Manager sehr rasch erkannt, dass sich die Bilanz-Qualität von Telekom-Riesen wie der Deutsche Telekom, durch die nötig gewordenen Fremdkapital-Finanzierungen erheblich verschlechtert hätten. Weitere größere Baisse-Attacken gegen die T-Aktie schließen die Experten zwar nicht aus, doch gebe es trotz der aktuellen schlechten Nachrichten keine konkreten Anzeichen hierfür.

Bayer-Aktien erhielten gestern Kurs-Phantasie durch die Ankündigung des Konzerns, dass auch ein Verkauf der Pharmasparte theoretisch möglich sei. Vorstandschef Manfred Schneider hält dies allerdings derzeit für nicht wahrscheinlich. Zwei renommierte Firmen seien jedoch bereits an Bayer herangetreten. Das Bemühen des Konzerns, eine neue Strategie zu entwickeln, helfe dem Aktienkurs, meinten Händler. Die beste Lösung für die Bayer-Aktionäre wäre ein Verkauf der Pharma-Sparte, sagte ein Fondsmanager. Da dies aber nicht zu erwarten sei, bleibe eine gute neue strategische Ausrichtung zentral. Nach frühen Verlusten kletterte der Wert zeitweise um 1,5 %, gab gegen Handelsschluss aber wieder nach.

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