Anlage-Entscheidungen mit künstlicher Intelligenz
Lernende Computer setzen auf Aktien

Elektronische Rechner stolpern an der Börse nicht über psychologische Fallstricke. Dennoch kommt so genannte künstliche Intelligenz an den Finanzmärkten nur selten zum Einsatz. Eine Ausnahme bilden die Mischfonds Nord-Evolution und PH Capital Empire. Ihre Erfolge sind bislang sehr unterschiedlich.

DÜSSELDORF. Davon träumen Investoren: In Zeiten steigender Kurse voll in Aktien investiert sein und bei fallenden Notierungen den Börsensturm in Renten und am Geldmarkt aussitzen.

Schön wär?s. Aber emotionale Fallstricke verhindern oft, dass Anleger zum optimalen Zeitpunkt zwischen Aktien und Anleihen wechseln. Wer sich angesprochen fühlt, für den könnten Fonds interessant sein, die auf kühlen Computer-Kalkulationen basieren. Einige Fondsanbieter nutzen so genannte selbstlernende Software. Das sind Programme, die ständig Zusammenhänge zwischen verschiedensten Daten und der Börsenentwicklung ermitteln. Daraus leitet der Computer dann Regeln ab und versucht so, den künftigen Kurstrend vorherzusagen.

Je mehr Vergleichsmöglichkeiten es gibt, desto größer wird die Chance, Zusammenhänge zu entdecken und profitabel zu nutzen. Der Computer lernt mit jeder neuen Datenfütterung hinzu. Der weltgrößte Vermögensverwalter State Street setzt auf solche so genannten neuronalen Netze. Große Finanzhäuser wie Barclays, Fidelity, Citigroup, Morgan Stanley, Bear Stearns, Lehman Brothers, Standard & Poor?s und Nomura bedienen sich ebenfalls der künstlichen Intelligenz.

Auch in Europa nutzen einige Gesellschaften quantitative Analysen. Das sind computergestützte Auswertungen, die entweder auf ökonomischen Daten oder auf Indikatoren der Technischen Analyse (Tabelle) basieren. Neu ist, sich voll auf den Computer zu verlassen und zwischen den Anlageformen Aktie, Anleihe und Geldmarktpapier zu wechseln.

Genau das tut der Mischfonds Nord-Evolution der Kapitalanlagegesellschaft Nordinvest, die zur Hypo Vereinsbank-Gruppe - gehört. Er startete zum Oktober. Gemeinsam mit der auf künstliche Intelligenz spezialisierten Researchgesellschaft 4Cast Systems folgt Nordinvest voll dem Kollegen Computer bzw. dessen so genanntem neuronalen Netz. Fondsmanager Boris Boehm setzt die Entscheidungen des Rechners nur noch um, nachdem dieser Anlageform und Länder ausgewählt hat. Er stellt zum Beispiel Aktienpakete zusammen, welche die ausgewählten Märkte am besten abbilden.

Lernende Systeme werden in vielen Lebensbereichen genutzt - vom maschinellen Lesen handgeschriebener Postleitzahlen bis zur Vorhersage der Auslastung von Flügen. Nur an der Börse sind neuronale Netze selten. "Es überrascht mich, dass ausgerechnet an der Börse, wo menschliche Prognosen häufig versagen, so wenig auf künstliche Intelligenz zurückgegriffen wird", sagt 4Cast-Chef Schmielewski. Im Extremfall kann der Computer beim Nordinvest-Fonds von einer 100-prozentigen Aktienquote in 100 % Renten oder Cash wechseln. Diese Empfehlung könnte erscheinen, wenn der Gold- und der Ölpreis plötzlich kräftig steigen, die US-Notenbank die Zinsen erhöht, die Volatilität (Schwankungsbreite) des Marktes wächst und weitere Signale gegen Aktien sprechen.

Der Nordinvest-Computer setzt derzeit zu 80 % auf Aktien und 20 % auf Renten. Das war beim Start Anfang Oktober anders: Damals wurden Anleihen und der Geldmarkt bevorzugt, weshalb der Fonds die Abwärtsbewegung der Aktienmärkte in der ersten Woche verpasste. Gleiches galt jedoch auch für die anschließende Erholung. In den vergangenen Wochen verlor der Fonds deutlich, weil das Schwergewicht inzwischen auf Aktien liegt und diese sich zuletzt schlecht entwickeln. Bislang fällt das Nordinvest-Ergebnis mit einem Minus von 1 % seit Anfang Oktober bescheiden aus. Da der Fonds zwischen Anlageklassen wechselt, existiert kein klarer Vergleichsmaßstab. Der weltweite Aktienindex MSCI World gewann aber auf Euro-Basis in dieser Zeit 3 %.

Exakt diese Performance schaffte der computergestützte Mischfonds PH Capital Empire von der PEH Wertpapier AG. Als Berater fungiert die Evopro Financial Research GmbH. Der PH-Fonds besteht seit 1998 und arbeitet mit künstlicher Intelligenz

.

Anders als beim Nord-Evolution greift aber PH-Fondsmanager Klaus-Dieter Wild in die Anlageentscheidungen ein. Dieser aktive Ansatz machte sich bezahlt: Im vergangenen Jahr war PH Capital Empire mit einem Plus von 12 % der beste Mischfonds. Im katastrophalen Aktienjahr 2002 hält sich PH mit einem Minus von 11 % wacker.

Wie geht es nun weiter an den Märkten? Der Nordinvest-Computer setzt klar auf Aktien. "Die Zinsen gehen runter, der Rentenmarkt ist abwärts gerichtet, und bei Aktien liefert die Breite der Aufwärtsbewegung Kaufargumente", sagt der Geschäftsführer von 4Cast Systems, Frank Schmielewski. Doch diese Argumente klingen ein wenig rückwärts gerichtet. Denn rasant steigende Öl-, Gold- und Anleihekurse setzten den Aktien zuletzt zu. Wird der Computer nun mit den neuen Daten gefüttert, dann bläst er womöglich zu spät zum Ausstieg. 4Cast-Experte Schmielewski hält dagegen: "Das System lernt aus Fehlern. Lernziel aus vergangenen Daten ist, was passiert an den Märkten in den kommenden Wochen auf Grund der jetzigen Daten?"

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