Anlage erfordert intensives Einarbeiten in die Unternehmen
Kleine Firmen – große Chancen

Bei der Aktienanlage in kleinere Firmen winken neue Chancen. Der Grund: Die Großbanken ziehen sich aus dem Geschäft zurück - die Zahl der unentdeckten Perlen steigt. Doch die Zeiten der Aktientipps aus dem Chat-Room sind vorbei. Wer eine gute Rendite erzielen will, muss auf Hergebrachtes achten: die Eigenkapitalquote und die Dividendenrendite.

FRANKFURT/M. So ganz allmählich trudeln die Ausblicke der Banken auf das kommende Jahr ein. Zurückhaltend hie, vorsichtiger Optimismus da. Meist ist wie bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, BNP Paribas oder JP Morgen von einer Seitwärtsbewegung die Rede. Wenn aber 2003 weitgehend alles so bleibt wie es ist, dann sind ausgewählte Small Caps weiterhin eine attraktive Alternative, glauben Fondsmanager und Vermögensverwalter. "Die Bewertungen von vielen Small Caps sind inzwischen so weit zurückgegangen, dass kein Spielraum nach unten mehr besteht", sagt Heiko Bienek von der Fondsgesellschaft Lupus Alpha.

Bereits im laufenden Jahr nahmen die Werte aus der zweiten Reihe eine bessere Entwicklung als die Blue Chips. 25 % verlor der SDax, 28 % der MDax, 38 % betrug das Minus hingegen im Dax. Nur vom Nemax 50 wurde er mit einem Verlust von 62 % - vor allem wegen des Makels des Neuen Marktes - übertroffen. Die Neusegmentierung der Deutschen Börse und der Wegfall dieses Segmentes Ende 2003 eröffnen aber auch diesen Titeln ganz neue Chancen. Viele Fondsmanager und auch Vermögensverwalter sind inzwischen sowieso davon abgekommen, sich an der Benchmark zu orientieren, sondern wählen eine so genannten Bottom-up-Ansatz. Unabhängig von Branchen blicken sie allein auf Einzelwerte und prüfen diese auf ihre Zukunftschancen.

Wie soll nun aber der Anleger vorgehen, um bei Stockpicking in der zweiten Reihe ebenfalls auf eine überdurchschnittliche Rendite zu kommen? Einfach nur - wie in der Vergangenheit - auf irgendwelche Gerüchte in Internet-Chatrooms zu hören, könnte fatale Folgen haben. "Zurück zu den Wurzeln", heißt es deshalb beispielsweise bei West LB Panmure, weil in der Bewertung von Einzeltiteln wieder attraktive neue Produkte, schlüssige Geschäftsmodelle, konservative Bilanzierung sowie die Glaubwürdigkeit des Managements im Vordergrund steht.

Gerade im Bereich der Small Caps gibt es jedoch noch etliche andere Maßzahlen, die berücksichtigt werden müssen. Für den Anleger bedeutet das deutlich Mehrarbeit für mehr Rendite. Schließlich gibt es wegen der zunehmenden Ausdünnung der Research-Abteilungen bei den Großbanken gerade zu den Small Caps kaum noch Material. Beispiel Intelligence: Mit dem Bielefelder IT-Dienstleister befassten sich noch im vergangenen Jahr alle deutschen Großbanken. Inzwischen sind die DZ Bank, Independent Research und Eqinet übrig geblieben.

Eine maßgebliche Größe ist für Stockpicker inzwischen die Eigenkapital-Ausstattung eines Unternehmens. Liegt der Eigenkapital-Bestand je Aktie höher als ihr Börsenkurs, deutet das auf eine Unterbewertung hin. Würde das Unternehmen aufgelöst, bekäme der Anleger mehr ausbezahlt als die Aktie im Moment wert ist. Diese Unternehmen gelten häufig als Übernahmekandidat, was deren Aktie zusätzliche Phantasie verleiht. Das unabhängige Augsburger Analysehaus GBC hat kürzlich 25 aussichtsreiche Werte vom Neuen Markt herausgefunden, die diesem Kriterium entsprechen. Syzygy, Poet, Update oder QSC zählen dazu. Die meisten dieser Werte schreiben allerdings Verluste und sind bei Analysten nicht gut beleumundet. Unter Cash-Gesichtspunkten sind sie aber durchaus gefragt. Wer es solider mag, für den sind Aktien von Leoni oder A.S. Creation interessant.

Eines gilt in jedem Fall: Anleger sollten sich gerade bei kleinen Werten künftig verstärkt mit dessen Zahlenwerk auseinander setzen. Cash Flow, immaterielle Vermögensgegenstände und Verschuldungsgrad sind Maßzahlen, die sehr viel über die Situation eines Unternehmens aussagen. Schließlich gibt der Cash Flow auch über künftige Dividendenzahlungen Auskunft. Gerade die lange vernachlässigten Gewinnausschüttungen der Unternehmen sind für Anleger derzeit wieder interessant. Dividendenrenditen von 5 % sind im Moment keine Seltenheit. "Gerade deshalb ist im Moment eine PC Spezialist oder eine Technotrans interessant", sagt Heiko Bienek.

Weiterer Anhaltspunkt ist das altbekannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Wer hier bereits im zweistelligen Bereich rangiert, wird von Anlegern kritischer betrachtet. Die Essener Medion beispielsweise, die gerade erst wieder grundsolide Zahlen vorgelegt hat, ist ein solches Beispiel. "Bei Medion sind leider nur Computer billig" heißt es vom unabhängigen Analysehaus SES Research. Eine Anspielung auf das KGV von über 22 für 2002. Plambeck oder Teleplan sind unter diesem Gesichtspunkt attraktiver, sagt Heiko Bienek. Überhaupt sei das aktuelle Börsengeschehen gerade für Small Caps aussichtsreich. "Viele werden gestärkt aus der Krise gehen", sagt der Analyst.

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