Anlage geht nach Rissen in Schweißnaht vorerst nicht ans Netz
Bundesumweltministerium fordert weitere Prüfungen von Biblis A

afp BERLIN. Nach den am Atomkraftwerk Biblis A festgestellten Rissen an einer Schweißnaht hat das Bundesumweltministerium zusätzliche Prüfmaßnahmen gefordert. Das teilte das Ministerium am Mittwoch in Berlin nach der Sitzung eines Unterausschusses der Reaktorsicherheitskommission (RSK) am Vortag mit. Die Anlage werde daher bis auf Weiteres nicht ans Netz gehen können. Am Kraftwerksblock von Biblis A waren an einer Schweißnaht des Kühlmittelleitungssystems drei Risse festgestellt worden. Der RSK-Vorsitzende Lothar Hahn forderte unterdessen eine unabhängige Überprüfung aller Atomreaktoren auf mögliche Haarrisse in Rohrleitungen. "Dies muss die übergeordnete Konsequenz aus den Ereignissen in Biblis A sein", sagte Hahn der "Berliner Zeitung" (Donnerstagsausgabe).

Das Bundesumweltministerium forderte die hessische Aufsichtsbehörde auf, alle vorliegenden Messprotokolle von Schweißnahtprüfungen daraufhin zu überprüfen, "ob elektronische Messanzeigen in der Vergangenheit richtig interpretiert wurden". Es solle zudem mindestens eine weitere Probe aus der rissbehafteten Schweißnaht entnommen und in einem Labor von einem unabhängigen Gutachter untersucht werden. Nach Ausführung der Maßnahmen solle der Sachverhalt erneut bewertet werden.

Hahn sagte, für ihn sei der Umgang des Betreibers RWE mit auffälligen Messdaten an den Rohren zwischen 1992 und 1999 "überraschend" gewesen. Es habe sich um "eine Fehlinterpretation eines eindeutigen Messergebnisses" gehandelt. Nun müsse geklärt werden, ob ähnliche Fehler in anderen Meilern aufgetreten seien. Ein "umfangreiches Nachbereitungsprogramm" sei nach dem Biblis-Vorfall dringend nötig. Baugleiche Werkstoffe, Schweißnähte und Meßprotokolle müssten auch in anderen Reaktoren überprüft werden.

Der Aussschuss "Druckführende Komponenten-Werkstoffe" der RSK hatte laut Umweltministerium am Dienstag in Bonn vor allem die Frage erörtert, ob die festgestellten Risse bereits bei der Herstellung der Schweißnaht in den 70-err Jahren oder aber während des anschließenden Betriebs entstanden waren. Der Ausschuss sei auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse zu dem Schluss gekommen, dass die Risse im wesentlichen "herstellungsbedingt" seien. Es ließe sich aber nicht ausschließen, dass sie während des Betriebs leicht gewachsen seien. Eine abschließende Bewertung werde voraussichtlich erst nach Abschluss der jetzt geforderten Maßnahmen möglich sein.

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