Anlagealternativen
Zwischen Geld und Sicherheit wählen

Im Anleihemarkt wird eine goldene Anlageregel besonders deutlich: je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Welche Auswahl sich bietet.

Nach der T-Aktie die T-Anleihe: Schon wieder bittet Deutschlands halbstaatlicher Riesenkonzern die Anleger zur Kasse. Mit Aufschlägen von bis zu 280 Basispunkten (1 BP = 0,01 Prozentpunkt) gegenüber Staatsanleihen wird dabei eine satte Rendite geboten, von der T-Aktionäre nur träumen können. Aber was ist mit dem Risiko?

Experten wie Christian Müller-Goedecke von HSBC Trinkaus und Elke Heinle von der BHF-Bank gehen davon aus, dass die Deutsche Telekom niemals Pleite gehen kann - eben weil sie ein halbes Staatsunternehmen ist. Wer heute T-Anleihen kauft und sie bis zum Ende der Laufzeit behält, könnte damit also nicht sehr viel falsch machen. Doch was geschieht, wenn die Telekom finanziell kippen sollte? Eine sichere Antwort weiß niemand. Deswegen rät auch niemand dazu, große Bestände an T-Anleihen zu bunkern. Gerade die Inhaber von T-Aktien müssen ihr Risiko nicht noch erhöhen, indem sie von demselben Konzern Anleihen kaufen. Risikoreich sind diese Papiere außerdem für Anleger, die sie möglicherweise vor Ablauf verkaufen möchten. Denn wegen der extremen Verschuldung des Konzerns und seiner geschäftlichen Probleme ist nicht auszuschließen, dass die Anleihen von den Ratingagenturen (die wichtigsten sind S & P und Moody?s) noch einmal herabgestuft werden - und das würde Kursverluste nach sich ziehen.

Ein anderer Telekomkonzern mit ähnlicher Rendite und ähnlicher Verschuldung ist France Télécom. Als wesentlich unproblematischer gelten hingegen Firmen wie Vodafone - die keinen Staat im Rücken hat - und Telefónica sowie Telecom Italia. Sie bieten allerdings auch weniger Rendite. Die Grundregel des Rentenmarktes lautet: je höher das Rating (gute Noten haben viele A bzw. die Ziffer 1), desto niedriger die Rendite.

Versorger-Anleihen für Konservative

Konservative Anleger dürften sich eher mit Versorger-Anleihen wohlfühlen, bei denen der Renditeaufschlag gegenüber erstklassigen Staatsanleihen ungefähr bei 50 bis 60 BP liegt. Bei diesen Konzernen zeigen sich nicht im Entferntesten die Probleme der Telekombranche, auch wenn einige von ihnen fleißig Übernahmen getätigt und dafür Schulden gemacht haben. Doch, wie Müller-Goedecke sagt: "Es hat nicht diese Übertreibungen gegeben" - vor allem bei den gezahlten Kaufpreisen. Versorger gelten zudem als relativ konjunkturunabhängig. Die Kurse dürften daher auch nicht allzu sehr leiden, wenn die volkswirtschaftlichen Daten enttäuschen sollten. Elke Heinle weist besonders auf die EnBW hin, hinter der als Großaktionär der staatliche französische Stromriese EdF steht.

Wer mit Anleihen gezielt auf eine Erholung der Konjunktur setzen möchte, für den bieten sich zum Beispiel Auto-Anleihen an. Es gibt aber noch weitere Branchen, die als "zyklisch" gelten, Müller-Goedecke nennt Chemie, Rohstoffe, Papier, Stahl und Medien. Dabei stehen die Autokonzerne wirtschaftlich sehr unterschiedlich da, wie sich auch in den Renditen widerspiegelt: Bei Fiat gibt es massive Probleme, die französischen Autokonzerne hingegen gelten als recht gesund.

Um einige Tech-Papiere wie Ericsson und Alcatel sollten Anleger aus Risikogründen einen Bogen machen. Und beinahe alle Experten betonen, dass es wichtig sei, nicht zu viel Geld in ein einzelnes Papier zu stecken. "Denken Sie an Enron", warnt Elke Heinle. Den Zusammenbruch dieses US-Energieriesen hätte sich niemand träumen lassen. Wenn solche Dinge passieren, dann werden die entsprechenden Anleihen wertlos. Professionelle Anleihedepots werden daher bei Trinkaus mit mindestens 70 verschiedenen Titeln geführt, um das Ausfallrisiko breit zu streuen. Private Anleger können eine derartige Mischung nur über Investmentfonds erreichen.

Unternehmensanleihen - auch Corporate Bonds genannt - sind wegen der Aktienmarktschwäche sehr ins Blickfeld der Anleger, aber auch der Unternehmen selbst geraten. Ein großer Teil des Rentenmarktes wird jedoch immer noch von Staatsanleihen dominiert, die eine hohe Liquidität - also gute Kauf- und Verkaufsmöglichkeiten auch für große Pakete - und zum Teil eine Top-Bonität bieten, dafür aber auch die niedrigsten Renditen abwerfen. Pfandbriefe gelten häufig als bessere Alternative für den Privatkunden. Aber zurzeit bieten sie nur wenig Renditeaufschlag, außerdem wird ihre Bonität nicht mehr durchgängig als erstklassig eingestuft. Sie stehen daher im Moment im Schatten. "Klar gehören zu einem ausgewogenen Anleihedepot auch Pfandbriefe", meint Heinle, "aber ich würde sie untergewichten." Sie verweist auf eine andere Möglichkeit, wenig Risiko einzugehen und dennoch einen kleinen Aufschlag von rund 30 BP gegenüber deutschen Staatspapieren zu bekommen: Staatsanleihen in Dänenkronen. Der dänische Staat hat eine Top-Bonität, und die dänische Krone ist praktisch an den Euro angebunden, so dass sich kaum ein Wechselkursrisiko ergibt.

Staatsanleihen aus Schwellenländern - in Euro oder in ihren Heimatwährungen - bieten zum Teil noch erhebliche Aufschläge (in der übernächsten Ausgabe dazu mehr im Investor). Der Fall Argentiniens hat aber das Risiko deutlich gemacht, zumal offenbar viele Anleihen dieses Staates von den Profis recht früh verkauft wurden und in den Depots von Privatanlegern gelandet sind. Das Beispiel zeigt: Auch in diesem Segment ist es problematisch, zu viel Geld auf eine Karte zu setzen - Fonds bieten die bessere Lösung.

Bleibt die Frage der Laufzeit, genauer: der Restlaufzeit bis zur Rückzahlung der Anleihe. Experten empfehlen mittlere Fristen von drei bis fünf Jahren. Sie bieten ein überschaubares Risiko (lange Laufzeiten leiden bei einem Zinsanstieg stärker unter Kursverlusten) und eine vernünftige Rendite. Wer die Papiere bis zur Endfälligkeit hält, kann aber auch auf Langläufer, zum Beispiel mit zehn Jahren, setzen, die eine höhere Rendite bieten.

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