Anlageklasse Infrastruktur
Volles Rohr

Bis 2010 müssen weltweit 1,5 Billionen Dollar in Infrastuktur investiert werden. In Zeiten leerer öffentlicher Kassen gewinnt das Thema auch für Investoren immer stärker an Bedeutung. Das ist lukrativ für Unternehmen der Branche und ihre Aktionäre.

Knapp 900 Millionen Liter Leitungswasser – mehr als 350 Schwimmbecken – versickern täglich im Londoner Erdreich. Die Hauptstadt Großbritanniens leidet unter veralteten Leitungsnetzen, der Wasserverlust beträgt mehr als 30 Prozent. Denn die 32 000 Kilometer Wasser- und 64 000 Kilometer Abwasserleitungen stammen zu großen Teilen aus viktorianischer Zeit – also aus dem 19. Jahrhundert. Leckende Leitungsrohre in London, tägliche Stromausfälle in Bombay oder grabentiefe Schlaglöcher in den Straßen von Manhatten – der Investitionsbedarf in Infrastrukturprojekte rund um den Globus ist enorm: Nach Schätzungen der Ratingagentur Standard & Poor’s sind allein in London jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro erforderlich, um die Lecks in den Rohrleitungen zu bekämpfen. Eine komplette Sanierung der Wasserversorgung ginge sogar weit in den zweistelligen Milliardenbereich.

In Zeiten leerer öffentlicher Kassen gewinnt das Thema Infrastruktur auch für Investoren immer stärker an Bedeutung: Wasser- oder Energieversorgung, Eisenbahnen, Flughäfen oder Autobahnen erfordern Investitionen und Instandhaltung. Aus Kostengründen geben staatliche Träger öffentliche Aufgaben an die private Wirtschaft ab. Neben der Kosteneinsparung zeigt sich, dass private Unternehmen die vormals staatlichen Aufgaben häufig effizienter und lukrativer erfüllen. Das macht private Investments in das Segment Infrastruktur so interessant. In Ländern wie Australien und Kanada zählt Infrastruktur längst zu den etablierten Anlageklassen. „Die Anlageklasse Infrastruktur hat großes Wachstumspotenzial, wir glauben an einen langfristigen Trend“, sagt Jürgen Raeke, Geschäftsführer von Berenberg Private Capital. Gerade in den stark wachsenden Volkswirtschaften in Asien sei der Bedarf und die Nachfrage enorm.

Neues Tool: Zertifikate suchen und vergleichen

Der Charme der Infrastruktur liegt in ihrer Sicherheit: Ein Hafen oder eine mautpflichtige Straße versprechen auch nach vielen Jahrzehnten noch gute Geschäfte. Denn es gibt kaum Konkurrenz. Schließlich waren viele der heutigen Gesellschaften früher staatliche Monopolunternehmen. Das bedeutet, dass Investoren langfristig – und das nahezu unabhängig von der Entwicklung an den Aktienmärkten – mit stabilen und sicheren Einnahmen kalkulieren können. Aufgrund der beschriebenen Besonderheiten weisen Investitionen in Infrastrukturprojekte eine geringe Korrelation zu Aktien- und Anleihenmärkten auf. Sie bieten eine gute Diversifikationsmöglichkeit im Portfoliokonzept. Nicht von ungefähr investieren unter anderem Pensionsfonds zunehmend in Infrastrukturprojekte: Sie versprechen sich längerfristig stabile Renditen bei geringer Volatilität.

„Mit Infrastruktur holt sich der Investor eine neue Anlageklasse ins Portfolio, die das beste aus den Welten Private Equity und Immobilien vereint“, sagt Raeke, „Dazu zählten stabile Cash-Flows, eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen, dank der monopolartigen Marktposition ein begrenztes und gut kalkulierbares Risiko und ein interessantes Gewinnpotenzial.“

Nach einer Prognose der Weltbank besteht bis 2010 ein globaler privater Finanzierungsbedarf in Höhe von rund 1,5 Billionen Dollar. Den Schwerpunkt nehmen dabei Straßen und Schienen mit rund der Hälfte aller Investitionen ein, gefolgt vom Energiebereich mit gut einem Drittel. Denn nicht nur in den Industriestaaten, auch in den Schwellenländern wird der Bedarf an Infrastruktur parallel zum weltweiten Wirtschaftswachstum zunehmen. Nach Schätzungen der Weltbank müssen die Emerging-Market-Staaten bis 2010 umgerechnet rund 350 Milliarden Euro allein in neue Projekte stecken. Aufwendungen für Reparatur und Wiederherstellung sind in dieser Rechnung noch nicht einmal enthalten.

Seite 1:

Volles Rohr

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%