Anlagenbauer leidet unter Dollarschwäche
Neukirchen verlässt MG mit Gewinnrückgang

Im letzten Geschäftsquartal unter dem scheidenden Vorstandschef Kajo Neukirchen hat der Chemie und Anlagenbaukonzern MG Technologies einen deutlichen Gewinn- und Umsatzrückgang ausgewiesen.

Reuters FRANKFURT. Grund für das schwache Ergebnis des Frankfurter Unternehmens in den ersten drei Monaten 2003 seien vor allem der gesunkene Dollar-Wechselkurs sowie Probleme in nicht zum Kerngeschäft gehörenden Randaktivitäten, teilte die MG am Mittwoch mit. Generell habe sich das wirtschaftliche Klima in Folge des Irak-Krieges weiter verschlechtert.

"Das schwierige konjunkturelle Umfeld führte in Teilbereichen des MG-Konzerns zu Nachfragerückgang und Investitionszurückhaltung", gab der Konzern bekannt. Der Gewinn vor Steuern sei binnen Jahresfrist um 15,3 % auf 39,3 Mill. ? gesunken. Belastet habe der starke Kursverfall des Dollar. Zudem seien die Ergebnisse in den nicht zum Kerngeschäft gehörenden Einheiten "Stahlbau Plauen" und "Ruhr-Zink" geschrumpft. Der Konzernumsatz habe im ersten Quartal um 12,4 % auf rund 1,9 Mrd. ? abgenommen.

Eine Ergebnisprognose für dieses Jahr legte Neukirchen nicht vor. "Die Unsicherheit über die weitere weltwirtschaftliche und weltpolitische Entwicklung sowie die anhaltende Dollarschwäche lassen derzeit keine konkreten Prognosen zu", begründete er die Zurückhaltung des Vorstandes. Der umstrittene Konzernlenker hatte vor kurzem seinen vorzeitigen Rücktritt zum 30. Mai angekündigt. Sein Dauerrivale und MG-Großaktionär Otto Happel hat seine Beteiligung an der einstigen Metallgesellschaft jüngst auf mehr als 20 % aufgestockt und damit den Machtkampf mit Neukirchen für sich entschieden. Happel will sich nun am 3. Juni auf der Hauptversammlung in den MG-Aufsichtsrat wählen lassen.

Die MG-Aktie legte auch am Mittwoch deutlich zu und lag am Nachmittag rund 7,4 % im Plus bei 8,60 ?. Die Geschäftszahlen der MG seien trotz des Gewinnrückgangs insgesamt im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, sagte ein Frankfurter Aktienhändler. "Das ist jetzt nicht dramatisch." Nun werde eher nach vorne geschaut auf die Hauptversammlung und darauf, welche Strategie ein neuer Vorstandschef einschlägt. Es sehe so aus, als ob ein Wechsel möglich sei, sagte er.

Die MG-Aktie hatte nach Bekanntwerden der Anteilsaufstockung durch Happel wegen der erhofften strategischen Neuorientierung zuletzt bereits fast 50 % an Wert gewonnen. Aus dem Umfeld des Großaktionärs hieß es, die Quartalszahlen hätten angesichts der erwarteten Neuorientierung des Konzerns keine Bedeutung. "Das sind Neukirchen-Zahlen", hieß es in den Happel nahe stehenden Kreisen. "Die zählen nicht."

Der Jahresüberschuss sank nach MG-Angaben um 11,8 % auf 23,1 Mill. ?. Durch die bisherige Restrukturierung habe sich die Ertragskraft in den Kerngeschäften aber verbessert. So hätten die Bereiche Anlagenbau (MG Engineering) und Chemie (MG Chemical Group) höhere Ergebnisse und Umsatzrenditen ausgewiesen. "Ohne negative Dollareffekte wären die Ergebnissteigerungen beider Bereiche noch deutlich höher ausgefallen", kommentierte Neukirchen.

Derweil läuft die Suche nach seinem Nachfolger auf Hochtouren. "Es gibt mehrere Kandidaten, mit denen es Verhandlungen gibt, aber es braucht eine Weile bis sie zum Abschluss kommen", hieß es aus dem Umfeld von Happel. Als mögliche Kandidaten wurden zuletzt in Medien und Branchenkreisen RWE-Finanzchef Klaus Sturany und der Vorstandschef des Heiztechnikspezialisten Buderus, Uwe Lüders, genannt. Lüders war - wie auch Sturany - lange Jahre Manager beim Bochumer Anlagenbauer Gea, den Happel einst an die MG verkaufte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%