Anlageprofis decken sich mit Qualitätstiteln ein
Herbststrategien der Vermögensverwalter

Unmittelbar nach den Anschlägen am 11. September hielten sich die Asset Manager für dynamische Aktiendepots noch zurück. Dann aber reduzierten sie schrittweise ihre extrem hohen Liquiditätspolster. Jetzt warten die Depotmanager auf positive Untertöne in den Prognosen der Unternehmen für das kommende Jahr.

FRANKFURT/M. "In fünf Jahren werden wir die Baisse der vergangenen Monate höchstens als kleine Zacke im Chart bemerken." Thomas Janezic vom Private Banking der Commerzbank hat sich zweifellos eine optimistische Grundeinstellung zur Börse bewahrt. Das ist vielleicht mit ein Grund dafür, warum er im Ranking der firstfive Deutschland AG an erster Stelle bei den dynamischen Wertpapierdepots steht. Firstfive analysiert mittlerweile 200 reale Depots die von 60 Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern für wohlhabende Privatkunden gemanagt werden.

Das Commerzbank-Team belegte zum 31. August auf Zwölf-Monats-Basis mit einem Minus von 10,87 % den ersten Platz. Zum 30. September - also nach der Terror-Welle in den USA - betrug das Minus rund 13 %. Janezic führt das relativ gute Abschneiden auf die konsequente Anwendung von stop-loss-Strategien und auf den Einsatz von Hedge-Produkten zurück, die "einen nicht unbeträchtlichen Beitrag" zur Performance geleistet hätten.

Die Commerzbank-Strategen halten im Herbst nach solchen Titeln Ausschau, die durch niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse oder Dividendenrenditen von sechs bis sieben Prozent auffallen. Im Fokus stünden Daimler-Chrysler, Thyssen-Krupp und MAN. Alleine bei Daimler-Chrysler liege der reine Substanzwert über 40 Euro, am Freitag notierte das Papier bei 39,30 Euro. Auch die Deutsche Telekom sei "hochinteressant". Die Strategie um Voicestream für den US-Mobilfunkmarkt werde von der Börse noch nicht richtig honoriert, meint Janezic. Die Wahrheit für die Telekom-Aktie liegt nach Ansicht einiger der befragten Depotmanager wohl in der Mitte zwischen Höchst- und Tiefstkurs - auf 52-Wochen-Basis wären das rund 28 bis 30 Euro. Einige Anlageprofis griffen wohl auch bei Vodafone beherzt zu, beobachtete Firstfive: kurz vor den guten Geschäftsprognosen sei das Kaufinteresse auffällig gestiegen.

Weiter Skepsis bei Vermögensverwaltern

Bemerkenswert ist, dass die besten Vermögensverwalter mit dynamischen Depots - also Aktienanteilen von in der Spitze bis zu 90 % - in der zweiten Septemberhälfte teilweise ihre Barmittel investierten. Viele waren in defensiven Aktien engagiert und parkten bis zu 30 % in Liquidität, so dass sie in den Kursrückgängen genügend Geld zur Verfügung hatten, um Blue Chips einzusammeln.

Die Skepsis bezüglich der Erholung an der Wall Street will bei den Vermögensverwaltern übrigens noch nicht weichen. Schon vor den Anschlägen habe sich herauskristallisiert, dass sich die konjunkturelle Erholung in den USA immer weiter in die Zukunft verschiebe, sagt Jan Henning, Leiter Vermögensmanagement der Hamburger Sparkasse. Deshalb habe man den US-Anteil von 25 auf 18 % abgebaut und halte momentan nur noch größere Posten von McDonald's und Coca-Cola. Lediglich Cisco und Compaq seien aus dem Technologiebereich wieder ins Depot genommen worden. "Die Investitionsschwerpunkte sehen wir jetzt in Euroland", so Henning, wobei der Finanzbereich mit Deutsche Bank, Commerzbank und den Versicherern Aegon und Allianz favorisiert werde. Die Kassenhaltung haben die Hanseaten im Zuge der Neuengagements von 25 % vor dem 11. September auf gegenwärtig 10 % abgebaut. Vor allem beim "Ausverkauf" an den europäischen Börsen am 20. und 21. September habe man zugegriffen.

Auch bei der Weberbank wurden die niedrigen Kurse zuletzt wieder für den Aufbau von Positionen genutzt. "Wir wollen nicht Vollgas geben sondern investieren schrittweise Kasse", erklärt Generalbevollmächtigter Dirk Rüttgers die Strategie des privaten Bankhauses. Während des Mini-Crashs in der zweiten Septemberhälfte wurden statt großer Einzelwertten auf bestimmte Titel laut Rüttgers die Zertifikate auf den Euro-Stoxx-50 und den S&P-500-Index gekauft.

Zurückhaltung bei Technologieaktien

Bei den Technologieaktien bleiben die Experten der Weberbank zurückhaltend. Wenn, dann würde man "nur die erste Reihe kaufen, eine Siemens oder eine Nokia", so Rüttgers, keinesfalls Titel wie Marconi oder Ericsson.

Der unabhängige Vermögensverwalter Albrecht von Witzleben hält sich nicht nur bei Technologiepapieren zurück, sondern macht auch einen Bogen um den Dax. Er habe kein großes Vertrauen in die deutschen Blue Chips, weil die Titel im wahrsten Sinne des Wortes derzeit nicht berechenbar seien. Niemand wisse, wie viele negative Nachrichten in den Kursen wirklich eingepreist sind, sagt von Witzleben. Er rechne mit einem "ganz langen U-Verlauf" für die Konjunktur und setzt deshalb auf Aktien mit "starkem Eigenleben" wie den Bauwert Bilfinger+Berger oder Kali & Salz (Düngemittel).

Insgesamt zeigten sich die Anleger in den vergangenen Wochen besonnen, berichten unisono die Vermögensverwalter. Allerdings habe der telefonische Betreuungsbedarf stark zugenommen. Bei einigen Profis dürften tatsächlich die Drähte geglüht haben, denn die Schlusslichter der Vermögensverwalter haben laut Branchenbeobachtern buchmäßig rund die Hälfte des ihnen anvertrauten Kapitals verloren.

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