Anlagestrategen sehen noch viele Risiken
Investieren im Abwärtstrend

Der Deutsche Aktienindex schockiert Anleger mit Kursverlusten von 50 Prozent sei Jahresbeginn. Wer sein Geld im steilen Abwärtstrend nicht den Aktien hinterher werfen will, sollte in Geldmarktprodukte und solide Staatsanleihen investieren. Das empfehlen Anlagestrategen in der gegenwärtigen Krise.

FRANKFURT/M. Der Deutsche Aktienindex (Dax) durchbricht täglich neue Schallmauern. Händler sprechen von Panik und Käuferstreik. Signifikante Unterstützungen sehen Charttechniker erst wieder zwischen 1 900 und 2 450 Punkten - das waren die Dax-Notierungen Mitte der neunziger Jahre. Von Investitionen in Aktien wollen Anleger wenig wissen. Zu Recht, meinen viele Aktienstrategen: "Anleger sollten jetzt erstmal die Bodenbildung abwarten. Die Märkte befinden sich im freien Fall, und wann dieser Fall endet, ist sehr schwer vorauszusagen", meint Christian Stocker, Anlagestratege bei der Hypo-Vereinsbank.

"Ein Tief wird jetzt nach und nach erreicht, denn die Übertreibung nach unten hat erschreckende Ausmaße angenommen. Positive Nachrichten werden von den Marktteilnehmern gar nicht mehr wahrgenommen", hat auch Peter Knacke, Wertpapierstratege bei der Commerzbank, beobachtet.

Das Gefahrenpotenzial ist weiter hoch: Trotz der starken Abwärtsbewegung zeichnet sich der Aktienhandel durch geringe Orderzahlen aus. "Das könnte darauf hindeuten, dass große Fondsgesellschaften im Moment noch nicht verkaufen. Sollten diese ihre Bestände auf den Markt werfen, dann blüht uns ein weiteres Abwärtsszenario," sagt Knacke von der Commerzbank. Für diese These spricht, dass sich bei vielen Fonds die Liquidität in den letzten Monaten dramatisch verringert hat. Diese wird bei einer möglichen Erholung vermutlich wieder erhöht.

Knacke rät daher, die Aktienquote im Depot noch nicht zu hoch zu gewichten. Abhängig von der Risikomentalität des Anlegers sollte der Rentenanteil einen großen Posten im Portfolio ausmachen: "Sowohl Firmen- als auch Staatsanleihen sind im Abwärtsmarkt eine gute Anlage." Dabei sollte aber ein höheres Gewicht auf Inlandsanleihen gelegt werden, da hier das Risikopotenzial niedriger sei.

Ein Investment in Renten ist für Roland Ziegler von der ING BHF-Bank vor allem abhängig vom Zeithorizont des Anlegers. "Wer davon ausgeht, dass die Baisse noch länger als sechs Monate andauert, der sollte in Anleihen mit Laufzeiten von bis zu fünf Jahren investieren. Allerdings sollte dabei auch auf beste Bonität geachtet werden", fügt Ziegler hinzu. Auf Sicht von drei bis sechs Monaten eignen sich seiner Ansicht nach eher Geldmarktprodukte. Geldmarktfonds oder geldmarktnahe Fonds stellen nach Ansicht vieler Anlagestrategen, eine gute Möglichkeit dar, Liquiditätsreserven zu sichern. "Ein Teil des Anlagevermögens kann so risikofrei investiert werden bei noch relativ guten Zinsen", sagt Ziegler.

Der Derivatenmarkt bietet viele Produkte, die von fallenden Börsenkursen profitieren. Anlagestrategen sind bei ihren Empfehlungen für solche Anlagen für Privatanleger aber eher zurückhaltend. "In Zeiten hoher Volatilität, wie es im Moment zu beobachten ist, müssten die Anleger die Kurse Realtime verfolgen. Ansonsten ist das ein zu riskantes Geschäft," meint Stocker von der Hypo-Vereinsbank. Auch Aktienstratege Ziegler empfiehlt Derivate nur zur Absicherung von Aktienpositionen: "Optionen für sich genommen sind zurzeit zu spekulativ. In so einem volatilen Markt ist Zocken noch gefährlicher als normalerweise."

Einer Anlage in Gold stehen die Strategen skeptisch gegenüber. "Es ist erstaunlich, dass der Goldpreis nicht stärker steigt. Meiner Ansicht nach hätte Gold besser performen müssen," sagt Stocker. Trotz des drohenden Irak-Krieges und der beschleunigten Talfahrt an den Aktienmärkten hat sich der Preis für das Edelmetall in den vergangenen Wochen kaum erhöht. Die Höchstkurse vom Frühsommer bei 330 $ wurden bislang nicht wieder erreicht. "Gold kommt nur als Absicherungsstrategie in Frage und sollte auf keinen Fall übergewichtet werden", meint auch Stratege Ziegler.

Trotz der trüben Aussichten an der Börse sind Investitionen in Aktien aber kein völliges Tabu. "Wer seine Liquidität in Wertpapieren anlegen möchte, sollte dabei aber sehr vorsichtig und langsam vorgehen. Dabei sollten Werte mit einer hohen Dividendenrendite und sicherer Substanz gewählt werden", erklärt Knacke. Der Anlagestratege empfiehlt Allianz, Siemens und Bayer. Die meisten Strategen setzen auf konjunkturunabhängige Aktien. "Klassisch defensive Branchen wie Lebensmittel, Versorger und Pharma sind im Moment nicht so einem drastischen Druck ausgesetzt," meint auch ING BHF-Bank-Stratege Ziegler.

Quelle: Handelsblatt

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