Anlagestrategie
Nicht jedes Zertifikat ist ein (Rendite-)Treffer

Im Vorfeld sportlicher Großereignisse boomen bestimmte Branchen in den Gastgeberländern. "Olympia-", "EM-" und "WM-Zertifikate" versprechen deshalb besondere Gewinne. Doch nicht jedes Wertpapier hält, was der Name verspricht.

Der Countdown läuft. Nur noch wenige Tage, dann beginnt die Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich. Das Sport-Event ist zugleich ein Wirtschafts-Marathon. Adidas, Puma, Nike und Umbro buhlen als Ausrüster der Teams um die Gunst der Fußball-Fans. Die Austragungsorte platzen vor bunten Werbeplakaten, und in den Fernseh-Spots steckt jeder zweite Darsteller in einem albernen Trainingsanzug, so als wäre der Dress-Code aus dem Fitness-Studio jetzt bundesweit Standard.

Rund um das riesige Sportfest werden von Butterhörnchen bis T-Shirts alle möglichen Produkte mit neuen Namen getauft. Hauptsache, es klebt irgendwie ein großes "EM 2008" oder "Sport" oder "Champion" dran. Da mögen auch die Zertifikate-Emittenten nicht zurückstehen.

Aus dem EM-Gastgeberland Österreich beispielsweise kam im März die Cordoba Garant-Anleihe auf den Markt. Das Papier soll vor allem am 16. Juni für Spannung in österreichischen Anleger-Depots sorgen. Dann nämlich spielt in Wien die Nationalmannschaft des Gastgebers gegen Deutschland. Unsere südlichen Nachbarn hoffen auf eine Wiederholung des "Wunders von Cordoba", wie sie es nennen: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor 30 Jahren in Argentinien siegten die Österreicher 3:2 gegen Deutschland. Hans Krankl schoss den WM-Titelverteidiger zwei Minuten vor Schluss aus dem Wettbewerb - in Deutschland ist das Spiel unter dem Begriff "Schmach von Cordoba" in die Geschichte eingegangen.

Sollte dem österreichischen Team 2008 ein Triumph wie 1978 gelingen, spendiert die Erste Bank den Anlegern der Cordoba- Anleihe einen Extra-Bonus. Der Reihe nach: Das Papier, das Ende März ausschließlich in Österreich zum Handel zugelassen wurde, ist Garantie-Anleihe mit Wette auf eine niedrige Volatilität. Am Laufzeitende im September 2009 werden mindestens 104 Prozent des Emissionspreises ausgezahlt, bis zu 118,20 Prozent sind möglich. Dafür müssen allerdings Börsen- und Fußballglück zusammenkommen. Auf dem Fußballplatz muss es heiß hergehen: Nur bei einem 3:2-Sieg der Österreicher spendiert der Zertifikate-Emittent Erste Bank seinen Anlegern einen Extra- Tor-Bonus von 3,2 Prozent. An der Börse muss es dagegen ruhig bleiben: 15 Prozent der möglichen Zinszahlung gibt es nur, wenn keine der 15 Aktien im Cordoba-Basket mehr als 20 Prozent an Wert gewinnt oder verliert. Jeder Ausreißer nach oben oder unten schmälert den Gewinn um einen Prozentpunkt.

Mehr als 18 Prozent Rendite in einemso kurzem Zeitraum klingen verlockend, doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass die Chancen dafür nicht besonders gut stehen. Nur zwei Aktien im Basket weisen eine jährliche Volatilität (Schwankungsintensität) von unter 20 Prozent auf, nämlich Coca Cola und Swisscom.

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