Anlass zu vorsichtigem Optimismus
Signale für Erholung an den Aktienmärkten

Einiges deutet trotz der aktuellen Kursstürze auf ein Ende des Abwärtsstrudels an den Aktienmärkten hin. Viele Indizes, wie der breit gefasste US-Werte-Index S&P 500, haben eine Chartformation ausgebildet, die in der Vergangenheit oft das Ende der Baisse einläutete: Der S&P 500 notiert im Bereich der Tiefs von September 2001.

HB FRANKFURT/M. Kein Grund zur Freude, möchte man meinen, doch das Zauberwort lautet "zweites Bein". Vom "zweiten Bein" reden Charttechniker, wenn die Kurse nach einem langen Abschwung erneut ihre bisherigen Tiefs testen. Daneben sprechen die Gewinnerwartungen und Bewertungsniveaus der Unternehmen, die Zinsaussichten und die Stimmung der Investoren für eine Erholung.

Außer dem S&P 500 testen derzeit auch der Dax 30, der Euro Stoxx 50 und das französische Standardwerte-barometer Cac 40 ihre jeweiligen Septembertiefstände. Wurde in der Vergangenheit der alte Tiefststand nicht dauerhaft unterschritten, stiegen die Kurse wieder.

Beim S&P 500 könnte der Trendbruch also nur mehr eine Frage von Wochen sein. Dazu muss das "zweite Bein" jetzt zum Doppel-Boden werden. Die Kurse müssen erst stagnieren und dürfen dann nicht lange unter dem Septembertief bei 945 Punkten bleiben. Doppel-Böden bedeuten meist das Ende der Talfahrt. "Echte Doppel-Böden sind aber selten", sagt Volker Bien, Aktien-Portfoliostratege der HVB Equity Research. "Von größerer Bedeutung ist derzeit, dass der S&P 500 die Septemberkurse unterschritten und damit eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation vollendet hat. Das erklärt den derzeitigen Abgabedruck."

Für viele Börsianer sind Charttechniker Kaffeesatzleser. Fakt aber ist: Die jetzige Formation hat beim S&P 500 nie versagt, wenn die Kurse nicht dauerhaft unter den alten Tiefstständen verharrten. In der Vergangenheit entwickelte sich aus einem zweiten Bein häufig ein Doppel-Boden, dem steigende Kurse folgten. Das Ende langer Talfahrten markierte die jetzige Chart-Formation etwa nach Abschwungphasen beim S&P 500 in den Jahren 1948/49, 1962, 1966, 1970, 1974, 1987 und 1998. Im Anschluss kletterten die Kurse wieder - meist dauerhaft, immer aber bis auf die Höchststände nach dem "ersten Bein". Aktuell könnte der S&P 500 also um knapp 30 Prozent auf 1 180 Punkte steigen. Der Dax hätte ebenso großes Aufholpotenzial bis auf rund 5 400 Punkte. "Die Chance auf Erholungs-Rallys ist in der derzeit stark überverkauften Situation gegeben", sagt auch Volker Bien. "Kurzfristig ist ein Anstieg bis zur Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation bei 945 Zählern realistisch."

Wenn die Kurse bald auch wieder über 945 Punkte steigen, ist weitere Erholung möglich. Wenn dies zutrifft, könnte die wachsende Zahl der Börsen-Optimisten Recht behalten.

Auch viele fundamentalanalytische Kriterien zur Bewertung der Börsenlage drehen derweil nämlich ins Positive. Nach einer Studie der Privat Bank Schweiz betragen die Gewinnsteigerungsraten der Unternehmen für das laufende Jahr durchschnittlich schon wieder mehr als 10 Prozent. Für 2003 wird mit deutlich zweistelligen Raten gerechnet. Viele Märkte gelten der Studie zufolge unter Analysten nicht mehr als überbewertet. Dazu sind von den Notenbanken in naher Zukunft keine wachstumsbremsenden Zinserhöhungen zu erwarten.

Schließlich mehren sich unter den institutionellen Anlegern die Optimisten, während die Stimmung der Privatanleger unter Null angelangt ist. Bei ihnen löst der Kursverfall auf das Niveau von September und der Vertrauensverlust durch die zahlreichen Bilanzskandale Panik aus. Darüber freuen sich viele Profis und stehen bereits mit prall gefüllten Geldbeuteln in den Startlöchern, um wieder einzusteigen. Denn viele Anlagestrategen rechnen mit dem Ende der Baisse, wenn entnervte Kleinanleger - wie jetzt - ihre letzten Papiere aus dem Depot werfen.

Quelle: Handelsblatt

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