Anlauf zur Bildung einer europäischen Genossenschaftsbank gescheitert – Minimallösung im Investment-Banking
DG Bank und Rabobank begraben ihre Vision

Bernd Thiemann und Hans Smits, die Chefs von DG Bank und Rabobank, wollten hoch hinaus und sind hart gelandet. Von ihren vor Jahresfrist verkündeten ehrgeizigen Joint-Venture-Plänen, die als Keimzelle einer europäischen Genossenschaftsbank gedacht waren, bleibt fast nichts übrig.

sbe/po/gja FRANKFURT/M. Die DG Bank und die niederländische Rabobank werden keine gemeinsame Bank für das internationale Geschäft auf die Beine stellen. Die Gespräche über das Projekt DG-Rabo International, das die Keimzelle für eine europäische Genossenschaftsbank bilden sollte, seien beendet worden, teilten die Institute mit. Stattdessen wird nur eine Minimallösung im Investment-Banking realisiert: Die DG Bank wird sich mit 50 % an der Rabo Securities N.V. beteiligen, der für das Aktiengeschäft zuständigen Tochter der Rabobank.

Das Platzen der Gespräche ist ein harter Schlag für beide Institute, die sich anfangs viel von dem Projekt versprochen hatten. Völlig überraschend kommt das Ende jedoch nicht, denn seit der Ankündigung vor gut einem Jahr hatte es zahlreiche Anzeichen dafür gegeben, dass die Realisierung des Joint-Ventures schwieriger würde als gedacht. Noch im Mai hatte DG Bank-Chef Bernd Thiemann aber Spekulationen über eine Gefährdung des Projekts zurückgewiesen. Nur wenige Wochen später hatten beide Seiten dann allerdings eine zeitliche Streckung des Vorhabens bis 2002 und einen Stufenplan dorthin bekannt gegeben. An der Vision einer gemeinsamen Bank, an die andere europäische Genossenschaften andocken könnten, hielten sie aber fest.

Keine Einigung bei der Geschäftspolitik

Als Grund dafür, dass die Gespräche nun doch gescheitert sind, werden "substantielle Schwierigkeiten in Positionierungsfragen mit Blick auf die geschäftspolitische Ausrichtung der gemeinsamen Bank" angegeben. Die Rabobank hatte zuvor bereits damit begonnen, ihr Auslandsnetz - das mit dem der DG Bank hätte zusammengeführt werden sollen - zu restrukturieren und sich auf bestimmte Branchen zu fokussieren. Hierzu zählen Nahrungsmittel, Agrarwirtschaft und Healthcare. Auslöser für diese Maßnahmen war offenbar die Sorge um ihr "Triple-A-Rating".

Die DG Bank erklärte nun, beide Seiten sähen derzeit keine Möglichkeit, im gegebenen Zeitrahmen ein abgestimmtes Geschäftskonzept zu entwickeln und an den Markt zu bringen. Bereits am 5. Dezember steht die nächste DG-Bank-Aufsichtsratssitzung an, auf der das Gremium über die ersten Schritte befinden sollte. Die Begeisterung für das Joint-Venture war im Aufsichtsrat, namentlich bei den einflussreichen regionalen Zentralbanken, von Anfang an nicht sehr groß gewesen.

Rabobank spielt das Scheitern herunter

Während die DG Bank von einem Rückschlag spricht, spielt die Rabobank das Scheitern herunter. "Die geplante Fusion betraf nur einen kleinen Teil unserer gemeinsamen Pläne", sagte ein Sprecher. Der größte Teil werde unverändert realisiert. Dazu gehöre die Zusammenarbeit etwa im Privatkundengeschäft mit der DG Bank und anderen europäischen Partnern sowie die Beteiligung der DG Bank an Rabo Securities. Im Firmenkunden- und Wertpapiergeschäft solle die operative Zusammenarbeit auch ohne Fusion verstärkt werden. Man habe einsehen müssen, dass ein Zusammenschluss zu kompliziert gewesen wäre und zu viel Zeit gekostet hätte. Kunden und Mitarbeitern sei die Warterei nicht mehr zumutbar gewesen.

Den Vorteil der Beteiligung der DG Bank an Rabo Securities sehen die Niederländer in einer enormen Erweiterung des Kundenbestandes für künftige Emissionen. Rabo Securities ist die Tochter von Rabo International für den Handel mit niederländischen Aktien. Sie sei an fast allen wichtigen Emissionssyndikaten beteiligt und habe einige Unternehmen auch selbst an die Börse gebracht. Die 60 Mitarbeiter der in Amsterdam ansässigen Rabo Securities betreiben auch Sekundärhandel in Aktien und beraten mittelgroße und große niederländische Konzerne bei Fusionen und Akquisitionen. In diesem Jahr rechnet Rabo Securities mit einem Vorsteuergewinn von 40 Mill. Euro.

Die Übernahme des 50 %-Anteils an Rabo Securities durch die DG Bank soll zum Ende dieses Jahres über die Bühne gehen. Darüber soll der Aufsichtsrat am 5. Dezember entscheiden. Von der künftigen gemeinsamen Plattform DG-Rabo Securities verspricht sich die DG Bank im Investment-Banking auf den Feldern Neuemissionen, institutioneller Handel sowie Fusionen & Übernahmen (M & A) eine Verstärkung.

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