Anleger aus der Region sollen bei Überzeichnung bevorzugt werden
Frankfurter Flughafen will im Juni an die Börse

FRANKFURT/M. Der Frankfurter Flughafen wird voraussichtlich im Juni an die Börse gehen. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Bender am Dienstag in Frankfurt auf der Bilanzpressekonferenz 2000 der neuen Fraport AG.

ddp-vwd. Die Nachfolgerin der Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG) wird auch nach dem Börsengang einen hohen Staatsanteil aufweisen. Das Land Hessen und die Stadt Frankfurt am Main halten dann zusammen mindestens 51 %, die Bundesrepublik Deutschland rund 18 %. Bender betonte, dass ein hoher Staatsanteil auch bei anderen Flughäfen "kein Hindernis für einen nachhaltigen Kurserfolg an der Börse" gewesen sei.

Der Fraport-Chef gab zudem bekannt, dass Anleger aus dem Rhein-Main-Gebiet im Falle einer Überzeichnung der Aktie bevorzugt würden. Dies sei ein "Zeichen der Verbundenheit mit der Region". Obwohl der Konzern seine Internationalisierungs-Strategie konsequent weiterführen werde, sei klar, dass der Frankfurter Flughafen das entscheidende Standbein sei.



Zum Thema Flughafenausbau äußerte sich Bender optimistisch: Dieser sei "beschlossene Sache". Zugleich bekannte er sich eindeutig zum künftigen Nachtflugverbot. Eine entsprechende Umschichtung sei unproblematisch, da fünf Jahre Zeit blieben, um sich darauf einzustellen.



Fraport steigert Umsatz und Ergebnis im Geschäftsjahr 2000



Mit einem Konzernumsatzwachstum von 11,7 % auf 3,005 Mrd. DM hat die seit 2001 unter Fraport AG firmierende Flughafen Frankfurt AG das Geschäftsjahr 2000 abgeschlossen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit habe um deutliche 33,7 % auf 520 Mill. DM zugelegt, sagte der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Bender auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag. Das Luftverkehrsaufkommen habe an die Dynamik der Vorjahre angeknüpft, hieß es. Dabei stieg das Passagieraufkommen den Angaben zufolge um 7,6 % auf 49,4 Millionen Passagiere.



Das Luftfrachtaufkommen erhöhte sich um 11,3 % auf insgesamt 1,6 Mill. Tonnen, womit der Flughafen Frankfurt seine Spitzenposition vor London Heathrow und Amsterdam Schiphol behaupten konnte. Das EBITDA wuchs um 21,2 % auf gut 1,04 Mrd. DM und das EBIT um 26,5 % auf 645 Mill. DM. Zum Betriebsergebnis von 654,1 Mill. DM trug der Bereich Non-Aviation mit 449,9 (408,2) Mill. DM den mit Abstand größten Teil bei. Wie aus dem erstmals nach IAS erstellten Konzernabschluss hervorgeht, nahm der Jahresüberschuss um knapp 62 % auf 252,3 Mill. DM zu, von dem 102,3 Mill. DM in die Gewinnrücklagen gestellt werden.



Damit kletterte die Umsatzrendite vor Steuern auf 16 (Vorjahr: 14) Prozent und nach Steuern auf acht (knapp sechs) Prozent. Größte Kostenposition war der auf 1,239 (1,167) Mrd. DM gestiegene Personalaufwand, was einem Umsatzanteil von 41 % entspricht. Der Materialaufwand nahm auf 517,1 (443,8) Mill. DM zu und beläuft sich auf 17 % vom Umsatz. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital verbesserte sich auf 15 (knapp 13) Prozent und jene auf das Gesamtkapital vor Steuern auf elf (neun) Prozent.



Der Bilanzgewinn von 150 Mill. DM werde nach Zuführung von fünf Prozent in die gesetzliche Rücklage in vollem Umfang an die Aktionäre ausgeschüttet, habe die Hauptversammlung am gestrigen Montag beschlossen. Zudem sei festgelegt worden, eine Einlage in Höhe von rund 87 Mill. DM im Rahmen des "Schütt-aus-hol-zurück"-Verfahrens zu leisten. Damit werde ein Steuervorteil genutzt, ohne auf Liquidität verzichten zu müssen. Finanzvorstand Johannes Endler betonte, dies sei eine einmalige Aktion. Man wisse, wie wichtig die Dividende künftig "für einen Substanzwert wie die Fraport-Aktie" sei.



Ausgehend von der letzten Dividende von 0,78 DM je Aktie rechne er für die nächsten Jahre mit einer steigenden Ausschüttung von durchschnittlich acht bis zehn Prozent p.a., so Endler.



Für das laufende Geschäftsjahr wollten sich die Vorstände keine konkreten Geschäftsprognosen entlocken lassen. Das Ergebnis werde in jedem Fall durch Aufwendungen für den neuen Konzernauftritt, eine Software-Umstellung sowie die Umstellung auf Euro in einer Größenordnung von 30 Mio bis 35 Mill. DM belastet. Dagegen stehe die Erwartung eines Verkehrsmengenwachstums, das im ersten Quartal 2001 bei rund sechs Prozent gelegen habe.



Die ursprünglichen Langfristprognosen, bis 2005 einen Umsatz von sieben Mrd. DM und einen Auslandsumsatzanteil von 50 (derzeit rund zehn) Prozent erreichen zu wollen, schwächte Bender am Dienstag etwas ab. Diese Schätzungen seien nur ungefähr zu sehen. Der Fokus liege vielmehr auf Wertwachstum und einer steigenden Profitabilität. Zur künftigen Strategie hieß es, es werde sowohl die weitere Internationalisierung als auch der Ausbau des Standorts Frankfurt angestrebt. Letzteres beinhalte den für 2004 geplanten Baubeginn der neuen Landebahn - Inbetriebnahme soll 2006 sein - und eines weiteren Terminals.



Für die Flughafenerweiterung werde nach vorläufigen Berechnungen mit Ausbaukosten von 6,5 Mrd DEM gerechnet, die zum Teil mit Erlösen aus dem bevorstehenden Börsengang, mit Landeentgelten sowie verfügbaren Kreditlinien finanziert werden sollen. Oberstes Ziel für die kommenden Jahre sei die Wertsteigerung des Konzerns und die "Etablierung als einer der weltweit führenden Flughafenbetreiber", sagte Endler. Zum Thema Internationalisierung meinte Bender, hier seien neben Beteiligungen, Kooperationen und Joint Ventures auch größere Akquisitionen denkbar. Bislang ist der Fraport-Konzern weltweit an über 40 Standorten aktiv.



Wie bereits bekannt, wird das Kapital für den für Juni geplanten Börsengang nominell um bis zu 290 Mio EUR inklusive marktüblichen Greenshoe auf dann 640 Mio EUR erhöht. Danach werden die Stadt Frankfurt und das Land Hessen gemeinsam mindestens 51 % am Unternehmen halten. Die Bundesrepublik Deutschland soll dann rund 18 % der Anteile inne haben, während der Streubesitz bei maximal 31 % liegen wird. Für die Aktie wird die Aufnahme im MDAX angestrebt. Angeboten werden sollen die Titel privaten und institutionellen Anlegern in Deutschland sowie Institutionen im Ausland.



In den USA ist eine Privatplatzierung bei "qualifizierten institutionellen Käufern" geplant. Der unvollständige Verkaufsprospekt wird am 21. Mai vorgelegt. Die IPO-Kosten lägen im unteren dreistelligen Millionen-Bereich und seien marktüblich, betonte Bender. Der Emissionspreis solle fair festgelegt werden und die Zuteilung transparent erfolgen, hieß es weiter. Für private Frühzeichner ist den Angaben zufolge ein Preisvorteil vorgesehen. Für Anleger aus dem erweiterten Rhein-Main-Gebiet ist im Falle der erwarteten Überzeichnung eine bevorzugte Zuteilung geplant.



Auch die Fraport-Mitarbeiter und-Führungskräfte sollen mit einem Aktienprogramm im Volumen von 15 Mio EUR, das als Ersatz für die ehemalige Betriebszulage vorgesehen ist, am Unternehmen beteiligt werden. Die Zeichnungsfrist für Mitarbeiter soll bereits Ende April beginnen. Das Bankenkonsortium setzt sich aus den Konsortialführern Dresdner Kleinwort Wasserstein und Morgan Stanley sowie folgenden Instituten zusammen: BHF-ING, BW Bank, Commerzbank, DG Bank, Frankfurter Sparkasse, HSBC, J.P. Morgan Chase, Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Postbank, Schroder Salomon Smith Barney und Societe Generale.

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