Anleger befürchten langen Krieg
US-Börsen schließen im Minus

Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen im Falle eines langen Krieges gegen Irak haben an den US-Börsen am Donnerstag zu leichten Kursverlusten geführt. Die Anleger befürchteten, dass eine längere militärische Auseinandersetzung das Verbrauchervertrauen und die Gewinne der US-Unternehmen drücken könne, sagten Händler. Die kurzfristige Erholung der Kurse im Handelsverlauf erklärten Händler mit Gewinnen bei Ölaktien im Zuge des höheren Ölpreises.

Reuters NEW YORK. Der Standardwerte-Index Dow Jones fiel zum Handelsschluss um 0,4 % auf rund 8201 Punkte. Der technologielastige Nasdaq-Index verlor 0,2 % auf 1384 Zähler, und der breiter gefasste S&P-500-Index gab 0,2 % auf 869 Punkte nach.

"Die erste Euphorie ist verflogen, und die Erkenntnis, dass dieser Krieg länger als erwartet dauern wird, sorgt für Zurückhaltung der Anleger", sagte ein Futures-Händler an der Chicagoer Terminbörse. Joseph Zock, Präsident und Portfolio Manager bei Capital Management Associates, fügte hinzu: Anzeichen für eine Abschwächung bei vielen Unternehmen haben den Markt beeinflusst..., und die Leute spüren, dass der Konjunkturabschwung sich durch einen längeren Krieg verstärken würde."

Ein Bericht der Zeitung "Washington Post", die unter Berufung auf Militärkreise meldete, der Krieg in Irak könne Monate dauern, habe die Stimmung der Anleger gedämpft, sagten Händler. US-Präsident George W. Bush hatte am Donnerstag angekündigt, die Alliierten würden kämpfen, bis sie einen Sieg erreicht hätten. "Saddam Hussein wird beseitigt, egal wie lange es dauert", sagte er nach einem Treffen mit Großbritanniens Premierminister Tony Blair.

Ölaktien legten deutlich zu. Die Furcht vor Versorgungsengpässen durch einen unerwartet langen Krieg in Irak, sinkende US-Benzinvorräte und die noch immer unklare Situation in Nigeria hatte die Ölpreise zuvor um mehr als einen Dollar in die Höhe getrieben. Die Titel von Halliburton zogen um rund vier Prozent auf 21,50 Dollar an, die Papiere von BJ Services um rund 3,6 % auf 34,75 Dollar.

Die Aktien des US-Mischkonzerns General Electric verloren rund 0,6 % auf 26,44 Dollar Analysten sagten, die Anleger bezweifelten offenbar, dass GE die Übernahme des finnischen Unternehmens Instrumentarium, einem Hersteller von medizinischen Geräten, aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht ohne den Verkauf von Vermögenswerten abschließen könne.

Die Aktien des US-Chipherstellers Broadcom rutschten rund 16 % auf 12,91 Dollar ab. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hatte die Bewertung für Broadcom-Aktien auf "equal-weight" von "overweight" gesenkt.

Der Markt habe die am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturdaten aufgrund der Kriegsereignisse weitgehend ignoriert, sagten Händler. Das Wachstum der US-Wirtschaft im Schlussquartal 2002 fiel nach Angaben des US-Handelsministeriums angesichts der gegen Jahresende schwächeren Verbraucher-Ausgaben und rückläufigen Exporte deutlich niedriger aus, als noch im Vorquartal. "Es hat alles mit dem Krieg zu tun", sagte Peter Cardillo, Chefstratege bei Global Partners Securities. Die Wachstumzahlen seien im Großen und Ganzen wie erwartet ausgefallen, aber der Markt reagiere nicht darauf.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,2 Mrd. Aktien den Besitzer. 1801 Werte legten zu, 1464 gaben nach und 153 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,39 Mrd. Aktien 1562 im Plus, 1516 im Minus und zwei unverändert. An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 4/32 auf 99-20/32. Sie rentierten mit 3,92 %. Die 30-jährigen Bonds schlossen unverändert auf 106-22/32 und hatten eine Rendite von 4,93 %.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%