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Anleger betrachten SAP mit Skepsis

FRANKFURT/M koe. Harte Zeiten für Besitzer von SAP-Aktien: Allein am Dienstag und Mittwoch dieser Woche büßte ihr Papier zunächst 6 % und dann nochmals 8 % an Wert ein. Die Verluste setzen den seit September andauernden Abwärtstrend des einstigen Börsenlieblings fort. Mit rund 160 Euro notieren die SAP-Vorzüge 56 % unter ihrem Jahreshoch von 364 Euro.

Ungewissheit bis zum Jahresende Besserung ist kaum in Sicht, die Analysten bleiben skeptisch. "Angesichts der derzeitigen Stimmung ist eine Aussage über die Kursentwicklung bis Jahresende alles andere als einfach", sagt Friedrike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank. Achim Fehrenbacher von der M.M. Warburg Bank & Co. ergänzt: "Neue Zahlen wird es bis Jahresende nicht geben. Der SAP-Kurs wird stark vom allgemeinen Umfeld abhängen". Ein weiteres Indiz für die Unsicherheit sind die stark abweichenden Kursziele. Während die Analysten von Schroeder Salomon Smith Barney ihr Ziel von 175 auf 125 Euro gesenkt haben, geben Morgan Stanley Dean Winter 267 Euro und Merrill Lynch 280 Euro vor.

Die so genannten B2B-Werte - Aktien von Firmen, die Software zur Steuerung von Geschäften über das Internet verkaufen - finden auf dem US-Börsenparkett generell zurzeit kaum Freunde. Das zeigte sich erneut am Dienstag dieser Woche, als an der US-Technologiebörse Nasdaq B2B-Aktien in den Keller geschickt wurden. So verloren i2 Technologies 10 %, Commerce One 12 % und Broadvision sogar 20 % ihres Wertes. Von Oracle bis i2 notieren nahezu alle B2B-Anbieter gegenwärtig rund 50 % unterhalb ihrer 52-Wochen-Hochs. Begründet werden die Verluste seit Wochen mit immer wieder den gleichen Argumenten. Die großen Konzerne könnten ihre Software-Budgets angesichts des sich verlangsamenden US-Wachstums kürzen oder zeitlich strecken. Forciert würde dies noch durch den anhaltend hohen Ölpreis, der die Kosten der Unternehmen zusätzlich belaste. Gleichzeitig verweisen Investoren auf die zunehmende Schwäche in Amerika wegen des Hick-Hacks um die Präsidentenwahl.

Investoren fürchten Gewinnwarnung

Fundamentale Gründe für die SAP-Kursabschläge kann dagegen kaum ein Analyst anführen. "Die Aussichten für SAP bleiben gut", glaubt Friedrike Herkommer, die die Note "Outperform" vergibt. Selbst Warburg-Analyst Fehrenbacher, der SAP bereits seit längerem nur noch auf "Halten" stehen hat, sagt: "Wir sehen keinen Grund, unsere Einschätzung zu ändern". Freilich spielt neben der allgemeinen Technologieskepsis offensichtlich auch die Entwicklung von SAP selbst eine Rolle für die Kurskorrektur. So hatte sich der SAP-Vorstand vor wenigen Wochen betont vorsichtig zu den Aussichten für das laufende vierte Quartal geäußert. Es werde zwar ein deutliches Wachstum geben, die Raten würden aber nicht an diejenigen des letzten Vorjahresquartals heranreichen. Seitdem machen im Markt immer wieder Befürchtungen die Runde, dass SAP zu Jahresbeginn 2001 die Anleger mit einer Gewinnwarnung überraschen könnte.

Gleichzeitig tauchten nach einer Präsentation in dieser Woche Zweifel an den neuen CRM-Produkten zur Steuerung der Kundenbeziehungen auf. Salomon Smith Barney revidierte daraufhin das Kurzsziel. "Ich fand die Präsentation schlüssig", sagt dagegen Herkommer: "Es wurden neue Großaufträge versprochen. Und bisher hat uns SAP mit solchen Ankündigungen noch nie enttäuscht". SAP selbst verweist auf das starke Wachstum bei den so genannten New Dimension Produkten, zu denen auch die CRM-Anwendungen gehören. Der Verkauf der Software-Lizenzen in diesem Bereich hätte in den ersten drei Quartalen dieses Jahres jeweils dreistellig zugelegt. Allein zwischen Juli und September habe das Plus 285,7 % betragen.

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