Anleger betrachten Tipps mit wachsender Skepsis
Das Image der Börsengurus hat Schrammen bekommen

Nicht nur die Börse hat in den vergangenen Wochen kräftige Schrammen bekommen, auch das Image der Analysten hat gelitten. Vertrauten die Anleger den Empfehlungen der Börsengurus in Zeiten der Hausse nahezu blind, so stehen sie den Tipps mittlerweile kritischer gegenüber.

ap NEW YORK. "Ich habe Abby Cohen im Fernsehen gesehen, aber ich höre ihr nicht mehr zu", sagt Kathleen Greer, Kundenberaterin bei einer Bank in Chicago. Und im online-Chat bei n.tv weist ein Anleger darauf hin, dass selbst der legendäre, mittlerweile verstorbene Börsenguru Andre Kostolany drei Wochen vor dem Börsencrash im Oktober 1987 noch zum Kauf von Aktien geraten habe.

Superstars unter den Aktienstrategen wie Cohen von Goldman Sachs, Henry Blodget von Merrill Lynch oder Mary Meeker von Morgan Stanley's treten zwar immer noch regelmäßig im Fernsehen auf, doch ihr Einfluss ist gesunken, nachdem schwache Ergebnisse vor allem der High-Tech-Firmen die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt haben.

Denn nicht wenige der Börsengurus hatten ihre Karriere im Zuge der Euphorie für Wachstumswerte gemacht. So wurde Blodget vor drei Jahren mit seiner Prognose berühmt, dass sich der Wert der Amazon-Aktie verdoppeln werde. Auch Mary Meeker hatte in der Vergangenheit vor allem auf die Internet-Werte gesetzt. Anders dagegen Abby Cohen, die als eine der erfahrensten Strategen gilt. Sie zählt nicht zu denjenigen, die sich vor allem auf Aktien an der Nasdaq konzentrierten.

Analysten dienen zwei Herren

Kent Womack, Finanzprofessor an der Tuck School of Business in Dartmouth, nimmt die Analysten zwar in Schutz, weist aber auch auf die Risiken der Prognosen hin. Es sei nicht fair, die Analysten für die Kurseinbrüche verantwortlich zu machen. Allerdings zeige die aktuelle Entwicklung, dass die Vorhersage der allgemeinen Markttendenz mit großen Risiken behaftet sei. Anleger sollten daher nicht nur auf die Empfehlungen von Analysten achten, bevor sie sich für eine Investition entscheiden.

Womack weist zugleich darauf hin, dass Analysten eigentlich zwei Herren dienen. Zum einen sollen sie Aktien empfehlen zum anderen dürfe das Investmentbanking-Geschäft ihres Hauses aber nicht leiden. "Wir sollten daher ihre Empfehlungen so behandeln, wie wir mit dem Rat von Autoverkäufern umgehen", sagte der Wissenschaftler.

Selbst Kundenberaterin Greer hat nach leidvollen Erfahrungen umgedacht. Sie vertraut mittlerweile lieber den Analysen eines privaten Investmentclubs, bei dem sie Mitglied ist.

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