Anleger bleiben bei der Stange
Fonds haben Spielraum für höhere Preise

Die Gebühren könnten nach Expertenmeinung weiter steigen, ohne dass Privatanleger vergrault werden.

FRANKFURT/M. Geiz gilt als geil. Verbraucher kaufen Konsumgüter fast nur noch mit Rabatt. Bei Finanzprodukten dagegen ist nach Expertenansicht von Aldisierung wenig zu spüren: Es gibt ihn kaum, den kritischen Blick auf den Preis. Das ist eine gute Nachricht für Investmentgesellschaften, die mit steigenden Kosten und kollabierenden Einnahmen kämpfen. Fondsanbieter können beispielsweise ihre jährlichen Managementgebühren nach oben schrauben, erfolgsabhängige Vergütungen einsetzen oder Depotgebühren erhöhen. Die Anleger bleiben trotzdem bei der Stange. Aber diese Möglichkeiten der Einnahmenerhöhung werden laut Experten immer noch zu wenig genutzt.

Zwar ist die europäische Fondsbranche seit Jahren auf dem Preiserhöhungstrip. Das beobachtet Paul Moulton, Chef der Londoner Researchfirma Fitzrovia. Er konstatiert: "Erhöhungen federn auf jeden Fall Belastungen ab, denn mit der Baisse sind die Fondsvolumina und damit auch die daran gekoppelten Einnahmen aus Managementgebühren gesunken." Aber es gibt weiterhin ungenutzte Potenziale. "Bis zu 0,3 Prozentpunkte haben die Gesellschaften bei den Managementgebühren noch Luft nach oben", sagt Georg Wübker, Leiter Financial Services bei der internationalen Beratungsfirma Simon, Kucher & Partners.

Wübkers These scheint verblüffend. Schließlich haben sich gerade die deutschen Fondshäuser in den vergangenen zwei Jahren in Szene gesetzt. "Einige Gesellschaften haben ihre Managementgebühren teilweise deutlich erhöht", sagt beispielsweise Martin Huber, Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey. Erst am vergangenen Montag hatte die zur Commerzbank gehörende Cominvest angekündigt, sie werde bei knapp 40 ihrer Produkte an der Gebührenschraube drehen.

Dennoch gibt es Nachholbedarf im Verhältnis zu den ausländischen Häusern. Die DWS beispielsweise ist zwar ungekrönter heimischer Meister bei Gebührenerhöhungen. Ihre Aktienfonds sind heute 0,29 Prozentpunkte teurer als vor zwei Jahren, kosten im Schnitt jetzt 1,19 % an jährlicher Managementgebühr. Aber damit rangiert Deutschlands Marktführer immer noch klar hinter seinen großen europäischen Konkurrenten, die hier zu Lande Produkte anbieten. Vorne liegen die Schweizer UBS, Julius Bär und Credit Suisse bzw. die Amerikaner wie Fidelity, Franklin, Templeton und Pioneer, wenn man weitere Gebührenposten zur Gesamtkostenbelastung addiert.

Laut Wübker nutzen viele Investmentgesellschaften ihre Einnahmepotenziale nicht, weil ihnen wichtige Orientierungsdaten fehlen. Die Finanzbranche sei im Gegensatz etwa zur Autoindustrie ein junger Sektor, habe noch keine "systematischen Preisfindungsprozesse", wie es in einer reifen und professionell gemanagten Industrie üblich sei. So gibt es laut Wübker beispielsweise keine Messungen des Markenwertes einer Gesellschaft. Das ist in der Autoindustrie anders: "Die Vans VW Sharan und Seat Alhambra sind technisch fast identisch, aber für den einen zahlen sie 30 000, für den anderen 26 500 Euro. Der Markenunterschied bestimmt den Preisunterschied." Top-Marken in Deutschland wie DWS oder DIT billigt der Berater aus diesem Grund einen Aufschlag von 0,10 Prozentpunkten bei den Managementgebühren zu.

Einen zweiten Hebel zur Einnahmenerhöhung bieten die neben den Managementgebühren teilweise zusätzlich erhobenen erfolgsabhängigen Vergütungen. "Immer mehr Fondsgesellschaften setzen Performancegebühren ein", stellt Kerstin Beul, Vorstand der IFA Privates Institut für Fondsanalyse, in einer Studie fest. Vor allem die DWS nutzt dieses Instrument. In der Regel kassiert sie ein Viertel der Mehrrendite, die gegenüber einem Vergleichsindex erwirtschaftet wird.

Das beste Beispiel ist der DWS Internationale Aktien Typ O, der im vergangenen Geschäftsjahr knapp 1 Mill. Euro an Managementgebühr und zudem 1,9 Mill. Euro an Erfolgsvergütung ablieferte. Damit wurden nach IFA-Schätzung satte 5,4 % des Fondsvermögens an die Gesellschaft abgeführt. Insgesamt vereinnahmte die DWS bei jenen Produkten, die mit einer Erfolgsgebühr ausgestattet sind und bei denen im vergangenen Geschäftsjahr auch eine anfiel, über 98 Mill. Euro. Das ist ein Plus von 83 % im Vergleich zu den Einnahmen aus der reinen Managementgebühr von knapp 54 Mill. ¤. "Und das in einem Jahr fallender Aktienindizes und damit auch fallender Fondsanteilwerte, denn die Performancegebühr wird auch dann berechnet, wenn der Verlust geringer ausgefallen ist als bei der Benchmark", sagt Beul. An diesem Punkt rät Wübker von Simon, Kucher zur Vorsicht: "Darin steckt viel Beschwerdepotenzial von Kunden, wenn trotz fallender Fondswerte abkassiert wird." Die Anleger müssen seiner Meinung nach genau über das Gebührenmodell informiert werden.

Es gibt noch andere Preiskomponenten, mit denen Investmentgesellschaften ihre Ertragseinbußen mildern können. Dazu zählen Depotgebühren. "Eine Gesellschaft, die 0,2 Prozent des Kundenvermögens veranschlagte, hätte nach unserer Analyse auch 0,3 Prozent fordern können - ohne dass die Anleger abgesprungen wären", nennt Wübker einen Beispielfall.

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