Anleger brauchen Geduld
Die Post kommt langsam

Die Deutsche Post hat ihren Konzernumbau zwar geschickt vorangetrieben, aber an der Börse bislang nicht den erhofften Erfolg verbuchen können. Nun sind die Margen unter Druck. Die Anleger brauchen Geduld.

An der Symbolik kann es nicht liegen, dass die Aktie Gelb kaum Anziehungskraft auf die Anleger ausübt. Der gläserne Post-Tower, von dem aus der Bonner Konzern ab dem Herbst gesteuert wird, überragt sogar den Kölner Dom. Und sobald der Himmel über Bonn blau ist, kreist ein riesiger gelber Bulle über der Stadt.

Doch die Post-Aktie notierte bislang lediglich in den ersten vier Monate nach dem Börsengang im November 2000 über ihrem Ausgabekurs von 21 Euro. Seither ging es mehr abwärts als aufwärts. Und selbst bei einem Aktienkurs von 15 Euro bleiben Analysten und Anleger zurückhaltend.

Zwar erntet das Management Lob für die Modernisierung des Konzerns: Das Briefgeschäft wurde mit hohem Aufwand automatisiert. Zugleich kaufte die Post im Paket- und Frachtbereich eine ganze Reihe von Unternehmen dazu und expandierte ins Auslandsgeschäft. Zuletzt übernahm sie die Mehrheit am US-Frachtunternehmen DHL. Und der Konzern setzt auf das margenstarke Outsourcing-Geschäft. So erledigt die Post etwa das Logistikgeschäft für die Telekom.

Als Minuspunkte für die Aktie Gelb gelten aber:

Sinkende Renditen im Briefgeschäft. Bei der Vorlage der jüngsten Bilanzen im April ruderte der Vorstand überraschend zurück: Statt 16,7 Prozent dürften in der Sparte 2002 nur 14 Cent von jedem Euro Umsatz als Gewinn (gemessen am Ebita, dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von Firmenwerten) übrig bleiben. Immerhin wurde diese Prognose als Mindestziel ausgegeben. Viele Investmenthäuser erwarten nun deutliche Gewinneinbußen für dieses Jahr. CSFB etwa geht davon aus, dass der Jahresüberschuss um 23 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro sinken wird.

Die eingetrübten Aussichten für das Briefgeschäft veranlassten die Schweizer Großbank UBS Warburg, die die Post gemeinsam mit der Deutschen Bank an die Börse gebracht hatte, in dieser Woche zu einer massiven Herabstufung von "Kaufen" auf "Halten". Das Kurspotenzial für die nächsten zwölf Monate verringerten sie um ein Viertel von 21,60 auf 16,50 Euro. Dies liege vor allem an der Neubewertung der Briefsparte, erklärt Analyst Bernd Janssen. Das Management habe die zurückhaltenden Prognosen nicht aus taktischen Gründen vor der anstehenden Portofestsetzung abgegeben. Vielmehr gebe es echten Kostendruck, unter anderem durch die wohl überdurchschnittlichen Lohnsteigerungen in diesem Jahr.

Die ungeklärte Portofrage: Die derzeitigen Tarife sind noch bis Ende des Jahres gültig. Die Entscheidung über neue Porti dürfte bis Ende September fallen. Die Post selbst sieht keine Senkung. Analysten erwarten, dass der gelbe Riese mit einem blauen Auge davonkommen wird. Danach dürfte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post eine Tarifsenkung um rund drei Prozent verordnen, allerdings dem Unternehmen freie Hand lassen, wie sie die Reduzierungen auf die einzelnen Briefklassen umsetzt.

Die Liberalisierung: Bis Ende des Jahres darf nur die Post in Deutschland Briefe bis 200 Gramm und Massensendungen bis 50 Gramm befördern. Ab 2003 können Briefe über 100 Gramm und ab 2006 Briefe über 50 Gramm auch bei der Konkurrenz aufgegeben werden. UBS-Analyst Janssen schätzt, dass ab 2006 rund 20 Prozent des Briefumsatzes für den Wettbewerb geöffnet sind, der Marktanteil der Post in diesen Segmenten aber nicht unter 90 Prozent fällt.

Ergebnisqualität: Die Analysten von Merrill Lynch und Goldman Sachs monieren, dass in der Bilanz immer wiederkehrende hohe Einmalbeträge verbucht werden, die nichts mit dem eigentlichen Geschäft zu tun hätten. 2001 machten zudem die "sonstigen betrieblichen Erträge" knapp 1,6 Milliarden Euro aus oder 62 Prozent des Betriebsergebnisses, wie Menno Sanderse von Merrill-Lynch kritisiert. So stammten 215 Millionen Euro aus Zuschreibungen zur 1998 unter Buchwert gekauften Postbank - sind also kein echter Gewinn.

Der Staat als Last: Der Bund hält direkt und indirekt noch 69 Prozent der Anteile, will sich aber irgendwann davon trennen. Das lastet auf dem Kurs. Wegen der schlechten Börsenlage dürften in diesem Jahr aber keine Aktien mehr auf den Markt kommen.

Auf der Haben-Seite

Dies werten die Analysten positiv ebenso wie die folgenden Punkte:

Star-Programm. Das Unternehmen will im Sommer ein Programm zur Kostensenkung und zur Hebung von Synergien der vier Konzernbereiche präsentieren. Der Name ist bekannt, die Größenordnung nicht.

Aktienrückkauf. Die Hauptversammlung am 6. Juni soll das Management ermächtigen, eigene Aktien zurückzukaufen. Mit diesem Instrument könnte der finanzstarke Konzern Aktienpflege betreiben.

Die Post kann mit ihrem großen Netz auch in anderen europäischen Ländern auf Kundenfang gehen. Diesen Effekt hat zum Beispiel UBS nicht einkalkuliert. Gunnar Cohrs von der Berenberg-Bank sieht die Post aber auf Grund ihrer Effizienz gut für den Wettbewerb in Europa gerüstet.

Fazit: Die Aktie Gelb verspricht kurzfristig keine Kurssprünge, gilt aber langfristig als solides Investment.

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