Anleger erwarten Hilfe von außen
Bilanzskandale verunsichern US-Fondsmanager

Obwohl die großen US-Pensionsfonds durch die Finanzskandale von Konzernen wie Enron und Worldcom milliardenschwere Verluste hinnehmen mussten, wollen die meisten Manager ihre Investmentstrategien nicht grundlegend ändern. Einige setzen auf stärkere rechtliche Einschränkungen und Klagen.

HB NEW YORK. Fast eine Milliarde Dollar hat der Worldcom-Skandal und der anschließende Kursverfall an der Börse die drei größten Pensionsfonds in den USA bisher gekostet. Allein der Marktführer Calpers verlor rund 565 Millionen $.

Mit konkreten Strategien gegen künftige Bilanzfälschungen tun sich aber nicht nur die Fondsmanager schwer: Investoren, Aufsichtsgremien und die US-Regierung schieben sich zurzeit gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Präsident George Bush hatte in seiner Rede Anfang der Woche zwar schärfere Maßnahmen gegen Wirtschaftskriminalität angekündigt, dabei allerdings nur wenige handfeste Vorschläge geliefert. Vor allem rief er die Gerichte dazu auf, die bestehenden Gesetze härter durchzusetzen als bislang, etwa mit doppelt so hohen Strafen wie bisher gegen Bilanzfälscher. Darüber hinaus müssten die Investoren selbst tätig werden, forderte Bush.

Doch bisher planen nur wenige institutionelle Anleger eine Bündelung ihrer Kräfte, um gegen weitere unangenehme Überraschungen gerüstet zu sein. Jack Bogle etwa, einflussreicher Gründer der zweitgrößten Anlagefonds-Gesellschaft Vanguard, will mit Bill Miller von Legg Mason eine Investoren-Initiative ins Leben rufen. Die Schatzmeister der Staaten North Carolina, New York und Kalifornien veröffentlichten gemeinsame neue Richtlinien zur verbesserten Unternehmensführung. Demnach müssen Unternehmen und Investmentbanken, die mit diesen Staaten Finanzgeschäfte machen wollen, verschiedene Eckdaten offen legen. Ihre Beziehungen zu anderen Firmen etwa, die zu einem Interessenskonflikt führen könnten, und die Bezahlung der leitenden Portfolio-Manager und Analysten. "Unsere Botschaft ist einfach und deutlich: Wer mit uns Geschäfte machen will, muss den höchsten Maßstäben der Rechtschaffenheit und Offenlegung von Firmendaten genügen", sagte der kalifornische Schatzmeister Philip Angelides.

Die Mehrzahl der Anlageexperten verlangt vor allem Hilfe von außen. Nötiger als geänderte Investmentstrategien sei eine stärkere externe Kontrolle durch Gremien wie die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC). "Es gibt keine Wunderwaffe, die alle unsere Probleme lösen kann", erklärt Ann Yerger vom Council of Institutional Investors (CII), der etwa 250 Pensionsfonds vertritt. "Unter den US-Firmen sind nur ein paar faule Äpfel, und deshalb brauchen wir dringend Reformen." Dazu zählt das CII unter anderem das Verbot für Wirtschaftsprüfer, ihren Klienten weitere Dienstleistungen anzubieten, die über die Buchprüfung hinausgehen, und die Vorschrift, dass große Firmen nach einigen Jahren die Prüfer wechseln müssen.

Auf rechtlichen Druck setzt daneben Rechnungsprüfer Carl McCall vom zweitgrößten US-Pensionsfonds, New York State Common Retirement Fund. Anfang Juli beantragte er ein Gerichtsverfahren gegen Worldcom und deren Buchprüfer Arthur Andersen. "Wir müssen die leitenden Angestellten zur Rechenschaft ziehen, die für diesen Betrug verantwortlich sind", sagt McCall. Der Fall des Telefongiganten hatte dem 112-Milliarde-$-Fonds den größten Verlust seiner Geschichte beschert.

Ihre herkömmlichen Anlagestrategien wollen die meisten Manager weiterhin beibehalten: "Wir investieren sehr breit gefächert und werden unsere Methoden auch in Zukunft nicht ändern", heißt es etwa beim Lehrer-Pensionsfonds TIAA-Cref. Auf Diversifizierung statt neuer Strategien setzt auch John Brennan, Chef der Vanguard Group: "Nicht einmal die sorgfältigste Analyse von Konzernberichten kann die Anleger vor großen Verlusten bewahren, wenn die Bilanzen gefälscht sind", sagt Brennan. "Aber eine gewisse Risikostreuung kann das Gefahrenpotenzial verringern." Deshalb raten die Manager auch einstimmig davon ab, ganze Branchen zu brandmarken und aus den Portfolios herauszunehmen. "Einzelne Sektoren zurückzuschrauben wird nicht helfen, um solchen Problemen aus dem Weg zu gehen", kommentiert Ann Yerger.

Nicht alle Investoren sehen zudem die Lage als hoffnungslos an: "Wenn der Vertrauensverlust wirklich so umfassend wäre, würden die Anleger ihr Geld in großem Umfang aus den Fonds und dem Markt herausziehen", sagt Rebecca Cohen von Vanguard. "Das ist bisher nicht passiert. Deshalb kann man nicht von einem weit verbreiteten Vertrauensverlust sprechen."

Quelle: Handelsblatt

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