Anleger erwarten schnellere Informationen
Etats für Investor-Relations steigen deutlich

In Zeiten schwacher Börsen wird die Kommunikation mit den Aktionären besonders wichtig - auch in Deutschland. So steigen die Etats für Investor-Relation (IR) deutscher Unternehmen in diesem Jahr im Vergleich zu 2000 um 60,5 % auf durchschnittlich 1,6 Mill. DM. Für das nächsten Jahr wird eine weitere Steigerung um ein Viertel erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der GWP Media-Marketing und des Marktforschungsinstituts IRES aus Düsseldorf, die heute in Frankfurt/M. präsentiert wird.

DÜSSELDORF. Der so genannte Investor Relations-Monitor misst einmal jährlich Einsatz und Ziele von IR-Maßnahmen in Deutschland. Zu diesem Zweck wurden 134 Aktiengesellschaften aus den Segmenten Dax, M-Dax, Nemax All Share und Smax befragt. Die Unternehmen aus der Studie repräsentieren 36 % der Börsenkapitalisierung in diesen Segmenten.

Dass bis zu 40 % des Aktienwerts einer AG von kommunikativen Faktoren, also der öffentlichen Darstellung der Gesellschaft bestimmt sind, besagen US-Studien schon seit Jahren. Die allgemeine Verunsicherung an den Börsen samt der Pleiten am Neuen Markt verstärkt nun offenbar den Trend, in die Kommunikation mit Investoren zu investieren. Für Dieter Franke, Geschäftsführer von IRES und Leiter der Studie, sind die Gründe für den Anstieg der IR-Etats offensichtlich. Zum einen sei die aktuelle Börsensituation nicht mehr mit der vor einem Jahr zu vergleichen; um so mehr sei den Unternehmens-Vorständen die Bedeutung der IR-Maßnahmen bewusst geworden.

"Die Anforderungen von Institutionellen Anlegern und Analysten haben zugenommen", nennt Insa Döscher, Vizepräsidentin des Deutschen Investor Relations Kreis in Frankfurt/M., einen weiteren Grund. Unternehmen müssten jetzt bereit sein, mehr Geld auszugeben, um den wachsenden Informationsbedarf der Anleger zu befriedigen. Die Nervosität am Markt habe zugenommen und es werde eine viel zeitnähere Berichterstattung von den Aktiengesellschaften gewünscht. Das sei in vielen Unternehmen nur mit einem Ausbau der Personalkapazität im IR-Bereich möglich. Auch Veranstaltungen für Investoren und Analysten fänden zur Zeit vermehrt statt, so Döscher. "Es herrscht ein richtiger Wettbewerb um das Geld der Anleger."

Gut die Hälfte der Etats werden dem Investor Relations-Monitor zufolge für die Hauptversammlung mit Bilanzpressekonferenz und den Geschäftsbericht ausgegeben. Roadshows und die übrige Pressearbeit binden ein weiteres Viertel der Ausgaben. Doch das Internet holt auch im IR-Bereich weiter auf. Schon rund 10 % der Mittel werden durchschnittlich dafür verwand - Tendenz steigend. Denn laut Studie erwartet die Hälfte der befragten IR-Verantwortlichen die kräftigste Zunahme bei den Netz-Aktivitäten.

"Nachdem die Gute-Wetter-Veranstaltung am Neuen Markt vorbei ist, in der zum Teil nur abgezockt wurde, ist es notwendig, wieder zu kommunizieren", sagt Axel Haubrok, Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer Haubrok AG. Der Anbieter von IR-Dienstleistungen hat bei renommierten Unternehmen einen Anstieg der Ausgaben dafür festgestellt. Nach Meinung des Spezialisten wird das weltweite systematische Suchen nach Investoren neben dem Internet ein Schwerpunkt im IR werden. Doch Haubrok schränkt ein: "Noch hängt Deutschland in Sachen Investor Relations den angelsächsischen Ländern hinterher. Und das wird auch noch ein paar Jahre so bleiben."

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