Anleger fallen als Finanziers aus
Kirch-Pleite belastet Filmproduzenten

Die Kassen der deutschen Filmfirmen sind leer. Zwei Jahre nach dem Ende des Medienbooms am Neuen Markt geht vielen Produzenten das Geld aus. Auch Großfinanzier Leo Kirch ist pleite. Jetzt müssen die Filmschaffenden wieder bei öffentlichen Förderinstituten das Geld für neue Kinoerfolge zusammensuchen.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Selbst der "Schuh des Manitu" kann die Banker nicht überzeugen. Trotz des unerwartet großen Millionenerfolgs der deutschen Kinoklamotte zögern die Kreditinstitute bei der Vergabe von Filmfinanzierungen. Auch die Fernsehsender, häufig Co-Produzenten für Kinoproduktionen, müssen wegen weiter schrumpfender Werbeerlöse sparen. Die öffentlichen Förder-Töpfe können das kaum noch ausgleichen, denn die finanzielle Lage in den meisten Bundesländern ist so desolat wie die der Filmindustrie. Die Folge: Kleine Firmen wie H5B5 und Helkon sind bereits pleite, Fame wird aufgelöst und für die restlichen Unternehmen wird es immer schwerer, Filme zu finanzieren.

"Die Eigenmittel der Filmwirtschaft aus den Börsengängen sind weitgehend aufgebraucht", warnt BayernLB-Analyst Thomas Grillenberger. "Das Vertrauen der Anleger in die langfristige Entwicklung des Filmmarkts fehlt", stellt auch Harald Heider, Analyst der DZ-Bank, fest. Kein Wunder, hatten sich Filmaktien doch als wahre Geldvernichtungsmaschinen für Anleger erwiesen. Der BayernLB-Medienexperte erwartet einen Rückfall in die Zeit vor dem Börsenboom: "Viele Filmemacher müssen sich nun wieder wie früher um das Geld für ihre Filme bemühen."

Denn selbst private Filmfonds, die in den letzten Jahren viel in Kinoprojekte investiert haben, können die Anleger nur noch schwer zu neuen Einlagen überreden. Die bisherigen Steuervorteile gelten nur noch unter bestimmten Bedingungen. Der Kinderfilm-Spezialist TV Loonland musste vergangenes Jahr den Verkauf eines geplanten Filmfonds aufgeben. Es wollte ihn niemand haben.

Entsprechend werden jetzt die öffentlichen Filmförderer von einer wahren Antragsflut der Produktionsfirmen überrollt. "Wir bekommen 60 % mehr Förderanträge als vergangenes Jahr", stöhnt Klaus Keil, Intendant des Filmfonds Berlin-Brandenburg. Für 2003 hofft er daher auf 20 Mill. Euro statt bisher 15 Mill. Euro aus Landesmitteln plus 3,5 Mill. Euro von verschiedenen TV-Sendern. Keine Erhöhung erhält hingegen Deutschlands größte Filmförderung in Nordrhein-Westfalen. Für kommerzielle Kino-Produktionen muss die Filmstiftung kommendes Jahr mit 1,5 Mill. Euro weniger auskommen. "Der deutsche Film ist im internationalen Vergleich unterfinanziert", kritisiert Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung.

Auch Medienexperten wie Grillenberger betonen die Bedeutung der öffentlichen Förderung: "Bei vielen Produktionen macht das mehr als ein Viertel des Budgets aus." Sogar börsennotierte Produzenten wie Constantin Film oder TV Loonland nutzen die Fördermittel regelmäßig für ihre Produktionen.

Beinahe den Todesstoß hat der Branche die Insolvenz des bayerischen TV- und Filmunternehmers Leo Kirch versetzt. Viele Unternehmen, wie etwa TV Loonland, die eine Neuverfilmung von "Heidi" stoppen mussten, verloren über Nacht fest eingeplante Gelder.

"Die Folgen der Kirch-Insolvenz für das Produktionsgewerbe sind sehr groß", beschreibt Jan Mojto, Ex-Vorstandsmitglied der Kirch Media und jetzt Chef der eigenen Produktionsfirma Eos Entertainment. Kirch hatte für Projekte die fehlende Finanzierung sichergestellt und im Gegenzug Verwertungsrechte erhalten. Zusätzlich hatten die Kirch-Firmen seit Jahren immer wieder selbst mit aufwendigen TV-Filmproduktionen für Aufträge gesorgt.

Doch nicht nur die Kirch-Pleite macht den Filmemachern das Leben schwer. Auch die Erlöse aus der Fernsehverwertung sinken. Zusätzlich brechen die Auftrags-Produktionen der Sender weg. Ohne TV-Verkauf lässt sich aber in Deutschland kein Film mit Profit vermarkten. "Wenn es vielen Filmfirmen schlecht geht, liegt das nicht am Kino, sondern daran, dass der TV-Markt krankt", betont Constantin-Vorstand Thomas Peter Friedl.

Finanzierungshilfe könnte aus dem Ausland kommen: "Es gibt Signale, dass sich US-Banken bei der Filmfinanzierung in Deutschland engagieren wollen", meint jedenfalls Jan Mojto. Denn die Nachfrage ist enorm: In den Lichtspielhäusern ist es so voll wie noch nie, 2001 war ein Rekordjahr. Und 2002 sieht bislang auch gut aus.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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