Anleger flüchten in sichere Häfen
Kriegsangst – Euro, Gold, Öl steigen

Noch debattiert Washington über einen neuen Golfkrieg. Die Anleger rechnen offenbar fest damit. Gold und Euro notieren auf Mehrjahreshochs, der Ölpreis zieht ebenfalls kräftig an.

ebo/rp DÜSSELDORF. Die wachsende Furcht vor einem Krieg im Irak treibt die Anleger in "sichere Häfen" für ihr Geld. Dies sorgt für Turbulenzen an den internationalen Devisen- und Rohstoffmärkten. Der Goldpreis sprang gestern zeitweise um mehr als acht Dollar auf über 341 Dollar je Feinunze. Das Metall war damit so teuer wie seit über fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Auch Rohöl und der Euro verzeichneten einen Preissprung, während der Dollar unter Druck geriet.

Angeheizt wurden die Turbulenzen durch Äußerungen von US-Außenminister Colin Powell zum umstrittenen Waffendossier des Iraks, das derzeit von Uno-Experten und den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats geprüft wird. Powell sagte am Montagabend (Ortszeit), die USA hätten den Waffenbericht von Beginn an mit Skepsis betrachtet. Die bislang vorliegenden Informationen zeigten, dass die Skepsis "wohl begründet" sei und dass es "Probleme" gebe. Außerdem kündigte Powell eine endgültige Analyse des 12 000-Seiten-Dokuments noch vor Ende dieser Woche an.

Beobachter in Washington rechnen damit, dass das amerikanische Urteil über das Waffendossier negativ ausfallen wird, da wesentliche Informationen über vermutete Massenvernichtungsmittel fehlten. Ob dies bereits einen Kriegsgrund für die USA darstellt, ist jedoch offen. Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte, das Dossier aus Bagdad werde nicht allein ausschlaggebend für einen Krieg am Golf sein. Das US-Präsidialamt warnte hingegen, Irak werde keine zweite Chance erhalten, die Erklärung nachzubessern.

Die Debatte in Washington wird von vielen Marktteilnehmern als Signal für eine wachsende Kriegsgefahr gedeutet. Analysten erwarten denn auch, dass der Preisanstieg beim Gold zunächst noch anhält. "Der Goldpreis wird zwar auch künftig stärker schwanken, doch dürfte der Trend schon wegen der zunehmenden Spannungen im Irak weiterhin nach oben zeigen", sagt David Davis vom Johannesburger Brokerhaus SCMB Securities. Neben der wachsenden Furcht vor einem Krieg profitiere Gold vor allem von dem deutlich schwächeren Kurs des US-Dollars. Der Dollar wird damit seiner historischen Rolle als sicherer Hafen derzeit nicht mehr gerecht, denn Händler glauben, dass ein Krieg die US-Wirtschaft am stärksten in Mitleidenschaft ziehen würde.

Auf der Gewinnerseite stand gestern der Euro. Er verzeichnete den größten Kursanstieg zum Dollar seit sechs Wochen und notierte mit über 1,03 Dollar auf dem höchsten Stand seit rund drei Jahren. Gesucht war auch der in Krisenzeiten als sichere Anlage geltende Schweizer Franken, der zum Dollar ein Vier-Jahreshoch erreichte. Der drohende Krieg in Irak setze den Dollar nachhaltig unter Druck, sagte Rob Hayward von ABN Amro.

Die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten verunsicherten auch die Rohölmärkte. Das in Europa marktführende Nordseeöl Brent stieg zeitweise auf über 29 Dollar je Barrel (159 Liter). Zusätzlich belastend wirkte hier der drohende Kollaps der Ölausfuhren von Venezuela, dem viertgrößten Exporteur der Welt.

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