Anleger fürchten sich vor einem Regierungswechsel
Windbranche hofft auf Sieg von Rot-Grün

Die Wind- und Solarenergiebranche hofft auf eine Fortsetzung des rot-grünen Regierungsbündnisses nach der Bundestagswahl und verspricht sich davon wieder deutlich steigende Aktienkurse.

Reuters FRANKFURT. "Ein Sieg von Rot-Grün ist klar besser für uns", sagt Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck. Dies bedeute mehr Sicherheit. "Dann geht es mit den Kursen wieder aufwärts", sagt auch der Vorstandschef eines anderen Windkraftunternehmens. Die Aktien der Wind- und Solarunternehmen waren in den vergangenen Monaten massiv eingebrochen. Branchenkenner und Analysten führten dies auf die Verunsicherung der Anleger vor einem möglichen Regierungswechsel zurück. Verschiedene Politiker der Union und der FDP hatten zuletzt das von Rot-Grün eingeführte Erneuerbare Energiengesetz (EEG) in Frage gestellt, das der Branche zum Durchbruch verholfen hat. Die Umfragen der Meinungsforschungsinstitute deuten auf einen Wahlsieg von Schwarz-Gelb hin.

Neue-Markt-Unternehmen wie Repower, Umweltkontor oder Nordex erklärten die zuletzt stark gefallenen Aktienkurse ihrer Unternehmen auch mit einem so genannten Stoiber-Effekt. Aus der Partei des Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU) kamen zuletzt Forderungen, die staatliche Unterstützung für erneuerbare Energien einzuschränken. Die FDP will das EEG sogar ganz abschaffen.

120 000 Arbeitsplätze sind entstanden

Umweltkontor-Sprecher Andreas Köster warnt, eine Umsetzung der FDP-Pläne würden das Geschäftsmodell der Firma in Frage stellen. Repower-Chef Fritz Vahrenholt sagt, man könne nicht so tun, als ob die Branche bereits ohne staatliche Förderung voll wettbewerbsfähig sei. "Kernernergie hat 20 Jahre Entwicklung benötigt, Windenergie braucht auch noch zehn Jahre bis zur völligen Wettbewerbsfähigkeit." Bei der Union gebe es aber unterschiedliche Strömungen. CDU-Chefin Angela Merkel, die unter Altkanzler Helmut Kohl (CDU) Bundesumweltministerin war, wolle offenbar im Wesentlichen am EEG festhalten. Schließlich seien in der Branche mittlerweile 120 000 Arbeitsplätze entstanden. Klimaschutzziele könnten nur durch den weiteren Ausbau erreicht werden.

Strom aus Wind, Wasser und Sonne wird nach dem EEG zu deutlich höheren Preisen in das Netz eingespeist, als der Markt zahlen würde. Die Mehrkosten werden auf alle Stromversorger umgelegt. Die Höhe der Vergütungen nehmen jährlich ab. Zudem sollen die Regelungen insgesamt regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Ziel der Regierung ist es, bis 2010 den Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch zu verdoppeln. Derzeit liegt der Anteil bei rund acht Prozent. Das EEG hat in erster Linie zu einem Boom der Windenergie geführt. Modernere Anlagen haben die Kosten aber mittlerweile deutlich reduziert. So wären Firmen der Branche erklärtermaßen auch bereit, Abschläge bei den Vergütungen hinzunehmen, solange das Gesetz im Wesentlichen bleibt.

Aktien sind dramatisch eingebrochen

Auch Analysten befürchten, ein Regierungswechsel könne zu Einschnitten in der Branche führen und sich negativ auf die Geschäftsentwicklung der Unternehmen auswirken. "Das Wachstum der Branche könnte sich dann abschwächen", sagt der Analyst Patrick Hummel von der LB Baden-Württemberg.

Sein Kollege Ronald Reepel von Independent Research fügt hinzu: "Realistisch ist, dass eine schwarz-gelbe Koalition das EEG beibehält, die Förderquoten aber stärker und schneller senkt." Das werde nicht spurlos an den Bilanzen der Unternehmen vorbeigehen. "Deswegen ist die Verunsicherung der Anleger seit Monaten sehr groß, auch weil konkret nicht abzusehen ist, was tatsächlich geändert werden würde." Der Markt habe aber bereits viele dieser Sorgen in den Kursen eingepreist.

Seit Jahresbeginn sind die überwiegend am Neuen Markt notierten Aktien der Anbieter regenerativer Energien dramatisch eingebrochen. Umweltkontor, Plambeck, Repower und Nordex verloren rund die Hälfte ihres Wertes. Ähnlich erging es den Solar-Aktien von Sunways und Solarworld.

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