Anleger haben EU-Beitritt vorweg genommen - und warten nun auf die Euro-Übernahme
EU hat Prager Börse beflügelt

Die Prager Börse mag klein sein - aber sie boomt seit einem Jahr. Um mehr als 43 Prozent ist der allgemeine Prager Aktienindex PX-50 gestiegen, um mehr als 40 Prozent der Sonderindex PX-D, der das Spitzensegment der Börse umfasst, den Spad-Markt.

PRAG. Analysten zufolge nahm diese Hausse zum Teil den EU-Beitritt Tschechiens vorweg. Das Hoch sei aber auch ein Verdienst von Tschechiens Notenbank, die trotz wirtschaftlicher Turbulenzen die tschechische Krone im Lot hielt - bei etwa 32 Kronen je Euro. Ein Anzeichen dieser Stabilität: Die Verzinsung auf Tschechiens Staatsanleihen weicht kaum mehr von den Benchmark-Anleihen der Bundesrepublik ab.

In Bezug auf die Börse vermutet Imre Sztano, Mittel- und Osteuropa-Experte der Ersten Bank Research, indes keinen Sprung durch den EU-Beitritt, sondern einen "langsamen graduellen Prozess gemäß der tschechischen Wirtschaftsentwicklung". Wichtiger als der EU-Beitritt werde die Konvergenz des Landes zur Übernahme des Euro werden. Diesen Übernahme sehen Analysten zwischen 2008 und 2010. Ein weiterer Faktor für die Börse sei die Frage, ob und wann internationale Investmentfonds ihre bisherigen risikobedingten Schranken für Portfolio-Investitionen in dem Land ausweiten.

Analysten des tschechischen Investmenthauses Patria Finance, das zur belgischen KBC-Gruppe gehört, haben dagegen konkretere Vorstellungen davon, welche Aktien durch EU-Beitritt und Euro-Annäherung gewinnen könnten. Bankenanalyst Jan Hájek zufolge legt die Entwicklung nach den EU-Beitritten der Griechen, Portugiesen und Spanier nahe, dass Bankaktien nach dem Beitritt zulegen könnten.

In Prag wären dies zum einen die Aktien der Komercni Banka (KB), die mehrheitlich der französischen Société Générale gehört. Zum anderen könnte die in Prag zweitnotierte österreichische Erste Bank vom Beitritt profitieren. Die Erste hatte 2001 die tschechische Sparkasse Ceska Sporitelna (CS) gekauft, diese von der Prager Börse genommen und statt dessen sich selbst in Prag notieren lassen - in tschechischen Kronen. Obgleich zurzeit EU-Wettbewerbshüter in Brüssel die Staatsbeihilfen überprüfen, die KB und CS im Rahmen der Privatisierung zugeflossen waren und weiter zufließen würden, erwarten Analysten in Prag weder den Rückzug der strategischen Investoren, noch einen Kurssturz.

Mehrdeutig sehen Analysten dagegen das Segment Telekom an der Prager Börse. Zwar wertet Patria positiv, dass der frühere Festnetzmonopolist, die teilstaatliche Cesky Telecom, ihre Mobilfunktochter Eurotel voll übernehmen will und somit stärker vom Mobilfunkgeschäft profitieren könnte. Negativ wirke sich aber aus, dass Cesky Telecom in der EU verstärkt mit Wettbewerb rechnen müsse und noch nicht voll privatisiert sei. Patria empfiehlt dennoch, die Aktie zu "akkumulieren".

Unklar scheint die Entwicklung der Aktien der Rundfunk- und Telekom-Firma Ceske Radiokomunikace. Deren Hauptumsatzquelle ist eine Minderheitsbeteiligung am zweiten tschechischen Mobilfunkbetreiber, T-Mobile, dessen Mehrheit der Deutschen Telekom gehört. Ceske Radiokomunikace gehört mehrheitlich einem in den Niederlanden angesiedelten Übernahme- Vehikel namens Bivideon, das Medienberichten zufolge im Auftrag der Deutschen Bank und des dänischen Telekomanbieters TDC (vormals TeleDenmark) agieren soll.

Keine Aussagen treffen Analysten zur Aktie des Energie-Konzerns CEZ, dessen Privatisierung bisher scheiterte. Zwar dominiert CEZ den Strommarkt, doch erwartet den Konzern in der EU starker Wettbewerb. Auch in Tschechien ist der Kampf um Marktanteile zwischen CEZ und den Stromkonzernen Eon, RWE und EnBW keinesfalls entschieden.

Alle Werte der Börse Prag können Sie verfolgen unter www.pse.cz.

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