Anleger handeln vorsichtig: Die Nach-Irak-Hausse bleibt aus

Anleger handeln vorsichtig
Die Nach-Irak-Hausse bleibt aus

Die Besetzung Bagdads durch amerikanische Truppen und der offensichtliche Kollaps des Regimes von Saddam Hussein hat der Wall Street bisher keine Hausse und den erhofften Kursanstieg von mehr als 20 Prozent gebracht.

HB/dpa NEW YORK. Ganz im Gegenteil: Während die Händler und Anleger den Sturz einer riesigen Statue des irakischen Diktators in Bagdad bejubelten, sackten die Kurse an den US-Börsen ab. Am Donnerstag gab es dann zum Handelsauftakt trotz weiterer militärischer Erfolge in Kirkuk im Norden des Irak weitere leichte Kursverluste. Der Dow notierte mit 8 183,80 Punkten um 14,14 Zähler oder 0,17 Prozent niedriger. Er hatte zum Kriegsbeginn bei 8 265,45 Punkten gelegen.

Der Index liegt damit um rund 1,7 Prozent niedriger als zum Jahresauftakt. Der Nasdaq-Index hat seit Anfang 2003 um weniger als zwei Prozent zugelegt. Die Tageszeitung "USA Today" befragte 61 Wirtschaftsweise, die für Ende 2003 nur von einem Anstieg des Dow auf 9 100 Punkte ausgehen.

Der Dow-Jones-Index war im Vorfeld des Irak-Krieges um zehn Prozent in die Höhe geschossen. Seit dem 19. März hatte es starke Kursschwankungen für das bekannteste US-Börsenbarometer von zeitweise mehreren hundert Punkten gegeben. Im Schnitt hat sich aber seither fast nichts geändert.

Die Anleger sorgen sich über die schwache US-Konjunktur, hohe Arbeitslosenraten, schlechte Unternehmensgewinne, den gedrückten Dollar und mögliche Auswirkungen der Lungenkrankheit SARS auf die Wirtschaft. Hinzu kommen eskalierende amerikanische Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite. Die amerikanische Notenbank unter Alan Greenspan und US-Regierungschef George W. Bush haben es trotz dramatischer jahrelanger Leitzinsabschläge und beispielloser Steuersenkungen bisher nicht geschafft, die amerikanische Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln.

Die stark schwankenden Ölpreise verursachen ebenfalls Unsicherheit. Tausende amerikanischer Aktiengesellschaften werden in den kommenden Tagen und Wochen ihre Geschäftsergebnisse für das erste Quartal 2003 vorlegen. Die Wall Street erwartet gegenüber dem schwachen Vorjahresquartal bei den meisten Firmen nur minimale Gewinnsteigerungen und bei vielen Unternehmen enttäuschende Gewinne oder hohe Verluste.

Hinzu kommt die seit drei Jahren andauernde schlimmste Baisse, die die Wall Street seit den dreißiger Jahren erlebt hat. "Ich habe zu hohe Verluste erlitten und zu viele falsche Versprechungen über einen Trendwechsel und den Beginn einer Hausse erlebt, um den Wall-Street-Gurus noch zu glauben", erklärte Kleinaktionärin Bärbel Polansky. Sie fragt sich wie 80 Millionen anderer amerikanischer Anleger, was dem Irak-Krieg an der Wall Street folgen wird.

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