Anleger können Unternehmen an ihren Prognosen messen
DSW fordert mehr Rechte für die Aktionäre

Drei Entwicklungen stellt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am deutschen Aktienmarkt fest: Immer mehr junge Unternehmen streben die Notierung am Neuen Markt an. Einige davon dürften sich auf Dauer nicht halten können. Und bei manch kleineren Werte aus den traditionellen Segmenten müssen sich Investoren sogar auf den Rückzug aus dem börslichen Handel einstellen - das so genannte Delisting. In Düsseldorf forderte die DSW mehr Schutz für die Rechte der Aktionäre.

DÜSSELDORF. "Wenn Anleger bei uns anrufen, geht es zu 80 % um Aktien des Neuen Marktes", sagte Ulrich Hocker, DSW -Hauptgeschäftsführer auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Düsseldorf - und erklärte, woran Privatinvestoren erkennen können, ob sie die richtigen Papiere im Depot haben. Die Auswahl sei schwierig, drängten doch immer mehr Unternehmen an die Börse. In früheren Jahren habe es durchschnittlich zehn neue Notierungen auf dem Parkett gegeben; in diesem Jahr werden es nach Auffassung der DSW mehr als 300 sein. Angesichts dieser Flut von Neuemissionen sei zu befürchten, dass einige Anleger bei Unternehmens-Pleiten auch ihr Geld verlieren. Zudem kritisierte die DSW, dass nach der Erstnotierung oft umfassende und transparente Anleger-Informationen fehlen.

Die DSW empfiehlt daher, sich auf einzelne, verfügbare Zahlen zu stützen und die Messlatte an die Erwartungen der jeweiligen Chefetage anzulegen.

Bei verfehlten Ergebnis-Prognosen die Aktien verkaufen

"Es gibt ein Kriterium, an denen Privatanleger eine gute Unternehmensführung festmachen können: Die Prognose-Sicherheit des Managements", sagte Hocker. Falls Prognosen zu den Unternehmenszahlen deutlich verfehlt werden, sollte über einen Verkauf der Aktie nachgedacht werden, rät Hocker.

Zum Einstieg würden sich solche Gesellschaften nur dann empfehlen, wenn im Vorstand personelle Konsequenzen gezogen würden. Von professionellen Entscheidungen könne man allerdings bei zahlreichen Hightech-Unternehmen nicht sprechen.

Doch auch Analysen von Banken sollten Kleinanleger nicht uneingeschränkt Glauben schenken. Die Meinungen der Analysten lägen oft weit von der realen Entwicklung entfernt. Hocker: "Vorsicht ist insbesondere geboten, wenn Empfehlungen von Banken ausgehen, die die Unternehmen bereits im Konsortium beim Börsengang begleitet haben."

DSW: Gesetzeslücken bei Delisting-Entscheidungen

Aber es gibt auch eine Gegenbewegung zu den zahlreichen Börsengängen: Unternehmen aus den traditionellen Branchen - also aus der so genannten Old Economy - erwägen, ihre Aktien-Notierung einzustellen. An vielen Unternehmen sei die positive Kursentwicklung der letzten Jahre nahezu spurlos vorbeigegangen, sagte Jella Benner-Heinacher, DSW-Geschäftsführerin. Wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaften wie zum Beispiel Automobil-Zulieferer Kiekert oder Möbel-Produzent Rolf Benz hätten der Börse den Rücken gekehrt.

Kapitalerhöhungen könnten diese Unternehmen kaum durchsetzen, denn die Aktionäre würden nach schlechten Erfahrungen mit diesen Aktien kein weiteres Geld investieren. Sie bezeichnete die Entwicklung als "Fluch der Börse".

Doch auch wenn es zum Delisting kommt, seien oftmals Anleger die Benachteiligten. "Abfindungszahlungen für Aktionäre, die nicht länger an der Gesellschaft beteiligt sein möchten, fallen häufig deutlich unterhalb des realistischen Unternehmenswertes aus", kritisierte Benner-Heinacher.

Die DSW fordert daher, dass eine Delisting-Entscheidung nicht allein von der Unternehmens-Leitung getroffen werden kann, sondern den Beschluss der Hauptversammlung voraussetzt. Der Gesetzgeber müsse hier noch deutliche Lücken im Aktionärsschutz schließen, fordert die DSW daher.

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