Anleger können zwischen zwei Grundkonstruktionen wählen
Filmfonds haben nicht immer ein Happy End

Filme, die nicht laufen, Versicherer, die nicht bezahlen oder sogar Betrüger, die mit dem Geld verschwinden: Wer mit Filmfonds Steuern sparen möchte, kann böse Überraschungen erleben. Aber wenn die Rechnung aufgeht, kann man einiges Geld legal am Finanzamt vorbeischleusen.

DÜSSELDORF. Das Filmgeschäft ist riskant. Daraus machen selbst die Anbieter von Filmfonds keinen Hehl. So steht klipp und klar im Prospekt des zweiten Commerzbank-Filmfonds: "Im Medienbereich bestehen besonders hohe Unwägbarkeiten und Marktschwankungen." Auf Privatanleger, die weder das Filmgeschäft noch die in Prospekten genannten Firmen und Akteure kennen, lauert eine weitere Gefahr, die Fondsanalyst Stefan Loipfinger drastisch formuliert: "Die Hälfte der Anbieter sind Betrüger und Dilettanten."

Loipfinger nennt keine Namen. Aber so mancher Anleger hat seine negativen Erfahrungen schon hinter sich - etwa jene, die sich im vergangenen Jahr am ersten Fonds der Mediability AG beteiligten. Der Initiator kündigte bereits für den Fonds abgeschlossene Co-Produktionsvereinbarungen für einen TV-Zeichentrickfilm. In den Gesellschaftsverträgen sicherten sich Vorstand Werner Rofner und Schwester Claudia 450 000 Euro als Mindestvergütung während der Platzierungsphase - und zwar unabhängig davon, ob der Fonds in einen Film investiert oder nicht.

Auch bei Anbietern, die schon länger am Markt sind, läuft nicht alles glatt. So geht beispielsweise der Versuch des Anbieters Cinerenta, Anlegern Mindesterlöse über Erlösausfallversicherungen zu sichern, bei den Fonds I und II voraussichtlich schief. Weil die Filme nicht die erwarteten Einspielergebnisse brachten, fordert Geschäftsführer Eberhard Kayser im Namen der Anleger 8,6 Mill. Dollar von der American Insurance Group. Bislang vergeblich: "Die AIG macht keine Anstalten, zu zahlen", sagt Kayser. Für den Fonds II versucht er, 3,4 Mill. Dollar von der New England International Surety Inc. (NEIS) einzutreiben. Auch die NEIS zahlt nicht. Kayser hat daraus gelernt: "Seit Juli 2000 schließen wir keine Erlösausfallversicherungen mehr ab." Zu den NEIS-Kunden gehört auch Apollo-Media. Apollo-Anleger haben Glück: "Wir haben noch keinen Versicherungsfall", sagt Geschäftsführer Peter Heidecker. Beide Firmen sichern nun einen Teil der Anlegergelder über Verleiher-Garantien ab.

Rund 170 Prozent ihrer Einlage sollten an die Anleger des Fonds Nr. 4 der Vif zurückfließen. Nun können sie nur mit 75 bis 100 Prozent rechnen. Die stellt der Mitinitiator des Fonds, Wolfram Tichy, in Aussicht. Der Fonds erreichte das geplante Investitionsvolumen bei weitem nicht, so dass das Geld für Filminvestitionen fehlte. Nun wird der Fonds rückabgewickelt. Damit sind Steuervorteile für das Jahr 2001 perdu. "Die Vif wird keine Fonds mehr auflegen", zieht Tichy die Konsequenz.

Wohl und Wehe des Anlegers hängt vom Vemarktungserfolg ab

Diese Beispiele haben eines gemeinsam: Die Fonds sind so genannte Produktionsfonds von bankenunabhängigen Anbietern. Häufig steht bei solchen Fonds bei Zeichnung noch gar nicht fest, welche Filme gedreht werden. Wenn abgedreht ist, hängt das Wohl und Wehe des Anlegers vom Vemarktungserfolg des Verleihers ab.

Wer in Filme investieren möchte, aber die Risiken der Produktionsfonds scheut, kann in leasingähnliche Konstruktionen investieren, die von Banken oder Initiatoren mit Bankbeteiligung angeboten werden. Das Grundprinzip: Der Fonds stellt einen fast immer bereits im Prospekt genau beschriebenen Film her. Für dessen Verwertungsrechte sagt ein Verleiher als Lizenznehmer schon vorher feste Lizenzgebühren zu. Außerdem sind Kaufoptionen des Lizenznehmers oder Verkaufsoptionen des Fonds zu festen Zeitpunkten und Preisen für die Übertragung der Rechte an den Verleiher vorgesehen. Eine Variante sieht vor, dass Lizenzzahlungen in einen fixen und einen variablen Teil aufgespalten werden. Dann wird der fixe Anteil möglichst so gewählt, dass der Anleger wenigstens ohne Verlust aus seinem Engagement geht. Ein weiteres Sicherheitsnetz zieht eine Bank ein, indem sie Zahlungen der Verleiher garantiert.

Wie erfolgreich der Film in der Verwertungskette Kino, Video und DVD und Fernsehen ist, - das interessiert den Anleger eines solchen Fonds nur, sofern er einen variablen Lizenzanteil erhält. Doch für diese risikoärmere Variante des Filmengagements gilt, was Raimund Franken, Fondsanalyst bei RMC Rinke Medien Consult, sagt: "Sicherheit geht immer zu Lasten der Rendite, auch wenn es keiner zugibt."

Um die Rendite aufzupeppen, arbeiten die meisten dieser Fonds (nicht die Commerzbank) mit Anteilsfinanzierungen. Ein Beispiel: Ein Anleger beteiligt sich mit 100 000 Euro, zahlt aber nur 60 000 Euro in bar und bindet so auch nur 60 000 Euro Kapital. Zins und Tilgung der Schulden werden aus Lizenzeinnahmen und Verkaufserlös bedient. Auf diese Weise fallen die Anfangsverluste - bezogen auf die Bareinlage - prozentual höher aus als auf die Beteiligungssumme. Die Steuergutschrift mindert das ohnehin geringere gebundene Kapital weiter und hebelt die üblicherweise nach der Internen-Zinsfuß-Methode berechnete Rendite nach oben. Denn diese Rendite wird auf das gebundene Kapital berechnet. Produktionsfonds verzichten vernünftigerweise auf Grund ihres höheren Risikos auf eine Anteilsfinanzierung. Dafür bieten sie höhere Gewinnchancen als leasingähnliche Fonds.

Dem Produktionsfonds-Anleger geht es wie einem Trapezakrobaten ohne Netz: Solange er sich keinen Fehlgriff bei den Vertragspartnern und den Filmen leistet, kann daraus eine glänzende Vorstellung werden. Anderenfalls gibt einen harten Aufprall auf den Boden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%