Anleger misstrauen Unternehmen noch
Europas Märkte schließen fester

Nach dem Debakel von gestern haben die meisten europäischen Aktienmärkte fester, aber unter den Tageshöchstständen notiert. Noch trauen die Anleger den Unternehmen nicht über den Weg.



Reuters FRANKFURT. Ein Teil der im Tagesverlauf verbuchten Gewinne ging wieder verloren, als Wall Street in die Minuszone drehte. Gerüchte, dass es zu einem zweiten Fall von Bilanzmanipulationen kommen könnte, belasteten die US-Leitbörse.

Die am Vortag im Zuge der Ereignisse beim US-Telekomkonzern WorldCom arg gebeutelten Sektoren Technologie, Telekom und Versicherung erholten sich. Unterstützung verliehen habe laut Händlern auch das kräftig nach oben revidierte Wachstum des US-Bruttoinlandprodukts im ersten Quartal. Der DJ-Stoxx50-Index rückte 1,2 Prozent auf 2941 Punkte vor. Analysten warnten aber, das erschütterte Vertrauen der Investoren in die US-Unternehmen stehe kräftigen Kursgewinnen noch im Weg.

Die Aktien des spanischen Internetdienstleisters Terra Lycos führten mit den Titeln des finnischen Technologiekonzerns Nokia eine Erholung bei den Technologiewerten an. Goldman Sachs hatte zuvor das Gewicht von Telekomausrüstern in ihrem Musterportfolio erhöht. Terra Lycos verbuchten einen Anstieg von 11,7 Prozent. Nokia rückten 4,6 Prozent vor. Fester waren auch einige Finanzwerte. Abgaben hingegen mussten Titel im Mediensektor hinnehmen.

LONDON - Die Börse London beendete den Handel leicht in der Pluszone. Der FTSE-100-Index lag 0,21 Prozent im Plus bei 4540,6 Zählern. Unterstützung kam von Telekomwerten, die am Vortag arg vom WorldCom-Debakel in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Anteilsscheine des Mobilfunkunternehmens mmo2 schnellten 9,7 Prozent in die Höhe. Kursavancen von 2,3 Prozent konnten auch Vodafone verbuchen. Der Börsenverlauf war von der Wallstreet geprägt. Der feste Start half auch dem Londoner Markt, der aber die Gewinne zum Teil wieder abgeben musste, als die US-Leitbörse in die Minuszone drehte. Die GlaxoSmithKline-Valoren konnten einen Anstieg von 3,2 Prozent verbuchen. Schwergewichtige Bankwerte wie HBOS oder Lloyds TSB gaben nach.

ZÜRICH - Die Schweizer Aktien wetzten die Scharte vom Vortag zum Teil wieder aus und schlossen unter dem Tageshoch fester. Nach einer verhaltenen Phase im frühen Geschäft hätten technisch und derivatbedingte Käufe eingesetzt und die Kurse angetrieben, erklärten Händler. Der SMI schloss unter dem Tageshoch von 5789,6 Punkten um 1,58 Prozent höher bei 5717,9 Zählern. Vor allem arg gebeutelte Werte wie CS Group oder die Versicherungen hätten von der technischen Gegenbewegung profitiert. Die eigentliche Stütze des Marktes sei aber Novartis gewesen. "Käufe aus dem Future heraus und der Patentstreit, den Novartis in der Augenmedizin gewonnen hat, haben den schwersten SMI-Stock stimuliert," sagte ein Händler. Novartis stieg mehr als vier Prozent.

PARIS - Angeführt von STMicroelectronics zog der CAC-40-Index der Pariser Börse um 1,13 Prozent auf 3742 Zähler an. Auftrieb verliehen Technologie- und Telekomwerte. STM-Titel legten über sieben Prozent zu. Mit über vier Prozent im Plus gingen die Aktien des Telekomkonzerns Bouygues aus dem Handel; die Papiere der Unterhaltungselektronikfirma Thomson Multimedia rückten 2,5 Prozent vor. Analysten zufolge mieden Investoren die Papiere der hoch verschuldeten Unternehmen France Telecom und Vivendi Universal. Alcatel verloren erneut an Boden und büßten knapp sechs Prozent ein. Händler verwiesen auf die Gewinnwarnung von Mittwoch. Zulegen konnten Bankwerte.

FRANKFURT - Unterstützt von unerwartet starken US-Konjunkturdaten haben sich die deutschen Aktienwerte vom WorldCom-Schock erholt und ihre deutlichen Vortagesverluste ausgeglichen. Am stärksten waren diejenigen Werte gefragt, die am Vortag die größten Verluste verbucht hatten, wie beispielsweise Infineon. Der Deutsche Aktienindex (Dax) gewann 3,9 Prozent auf 4259 Zähler, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax50 um 4,3 Prozent auf 601 Punkte stieg. Die Aktien von Infineon stiegen um 6,3 Prozent auf 15,53 Euro und machten damit einen Teil ihres neunprozentigen Vortagesverlustes wieder wett. Die Titel von SAP verteuerten sich derweil um fünf Prozent auf 94,95 Euro.

BENELUX - Anziehende Techwerte verhalfen den Börsen Amsterdam und Brüssel zu einem positiven Schluss. Der AEX-Index stieg um 1,4 Prozent auf 419 Zähler, und der Brüsseler Bel20-Index legte 0,9 Prozent auf 2463 Punkte zu. In Amsterdam erholten sich Techwerte wie Philips, ASML oder Getronics und lagen zwischen 2,1 und 7,9 Prozent im Plus. In Brüssel verliehen Händlern zufolge vor allem die Finanzwerte Unterstützung. Dexia zogen 1,6 Prozent an. Marginal fester waren auch Fortis.

MAILAND - Die Mailänder Börse hat noch mit knappen Gewinnen geschlossen. Gewinne in STMicroelectronics wurden durch Kursverluste in Eni und Enel wieder zunichte gemacht. Der Mib30-Index stieg um 0,3 Prozent auf 27.016. Eni verloren 1,6 Prozent nach Gerüchten, der Ölkonzern plane Übernahmen. Enel litten unter einem Gerichtsurteil, wonach der Stromversorger eine zu dominierende Marktstellung einnehme. Fiat verloren 0,6 Prozent.

MADRID - Die spanischen Aktienwerte vermochten einen Teil der Vortagesverluste wieder aufzuholen. Der IBEX-35-Index legte 0,19 Prozent auf 6695 Punkte zu. Das Feld der Gewinner führten mit einem Plus von 11,7 Prozent die Aktien des Internetdienstleisters Terra Lycos an. Unterstützung kam auch von Indexschwergewichten wie Telefonica oder BBVA. Telefonica stiegen um 0,2 Prozent und BBVA legten 1,74 Prozent zu.

SKANDINAVIEN - Der DJ StoxxNordic-Index der skandinavischen Aktien lag 3,05 Prozent im Plus bei 267 Punkten. Einen Anstieg von 16,7 Prozent verzeichneten die Titel des norwegischen Recyclingunternehmens Tomra. Hervor stachen auch Werte wie ABB, die 2,6 Prozent an Boden gutmachten, oder auch Technologiewerte wie Nokia oder Ericsson, die wegen Käufen auf kursgünstigem Niveau solide auftraten. Fester waren auch Telekomwerte wie Sonera sowie Finanz-, Pharma und Forstwirtschaftstitel.

WIEN - Der Wiener Aktienmarkt schloss entgegen der sonst oft gesehenen Abkoppelung vom internationalen Geschehen mit freundlichen Vorgaben fester. Konkret konnten Wienerberger und VA Tech mit einem Kursplus von 4,5 bzw. 3,7 Prozent die Verluste der vergangenen Tage wieder ein wenig schmälern. Erwähnenswert auch die Erholung in Telekom Austria, die 3,8 Prozent gewannen. Der ATX-Index schloss rund ein Prozent im Plus bei 1245 Zählern.

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