Anleger reagieren unterschiedlich
Dax-Firmen geizen mit Dividende

Die meisten im Dax vertretenen Aktiengesellschaften schütten nur einen relativ geringen Teil ihres erwirtschafteten Ergebnisses aus. Wie aus einer Untersuchung des Handelsblatts hervorgeht, könnten rund zwei Drittel der 30 Dax-Unternehmen, gemessen am freien Cash-Flow, eine weitaus höhere Dividende zahlen als für das Geschäftsjahr 2002 vorgeschlagen.

DÜSSELDORF. Der Vergleich des im vergangenen Jahr erzielten freien Cash- Flows mit den Ausschüttungen des laufenden Jahres zeigt, dass Unternehmen wie die Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank, Daimler-Chrysler und Siemens nur einen Bruchteil der zur Verfügung stehenden Mittel an die Aktionäre ausschütteten. Andererseits zahlen aber zum Beispiel Allianz, RWE und Eon die Dividende mangels freien Cash-Flows aus der Substanz.

Anleger reagieren unterschiedlich auf die zurückhaltende Dividendenpolitik vieler Konzerne. Während institutionelle Investoren eher Verständnis äußern und darauf hinweisen, dass die Unternehmen die Mittel oft zur Verbesserung der Bilanzrelationen benötigten, fordern Aktionärsschützer höhere Ausschüttungen.

"Wir sehen das Ausschüttungsverhalten der Dax-Unternehmen nur in Einzelfällen als kritikwürdig an". sagt Fondsmanager Olgerd Eichler von Union Investment. "Hakt es im operativen Geschäft, so sollten die Mittel lieber zur Sanierung verwendet werden." Auch Aktionärsschützer plädieren dafür, dass die Unternehmen ihre Ausschüttung an die Lage anpassen. Dass etwa die Hypo-Vereinsbank ihre Sondererträge aus Beteiligungsverkäufen nicht ausschüttet, findet Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), verständlich. Doch es gebe auch andere Fälle: "Unternehmen wie Infineon benötigen ihr Geld zur Verbesserung der Bilanzstruktur, von Gesellschaften wie Daimler-Chrysler und Deutsche Telekom erwarten wir aber mehr Großzügigkeit", sagt sie.

Eichler plädiert für eine stärkere Differenzierung. Während man etwa bei Pharma- oder Ölfirmen in Zukunft noch mehr Dividende erwarten könne, sollten Gesellschaften wie der Reisekonzern Tui das Geld lieber zum Schuldenabbau verwenden. "Das erwartet der Kapitalmarkt dann auch

."

In der Tat: Viele Gesellschaften aus der Spitzengruppe der Free-Cash-Flow-Rangliste haben das Knausern nicht nötig. Bei Eigenkapitalquoten von mehr als 50 %, wie bei Schering und SAP, kann von bilanziellem Nöten keine Rede sein und auch Werte wie bei Linde (33 %) und Siemens (30 %) lassen auf genügend Substanz schließen.

Die Cash-Flow-Spitzengruppe wird von zwei Bankkonzernen angeführt, die im vergangenen Jahr zwar operativ ein dickes Cash-Minus aufwiesen, aber durch umfangreiche Beteiligungsverkäufe ihre Kassen prall gefüllt haben. So erreichte Spitzenreiter Deutsche Bank durch Beteiligungsverkäufe rund 22,9 Mrd. Euro freien Cash-Flow und die operativ ebenfalls rot schreibende Hypo-Vereinsbank erzielte durch entsprechende Sondererträge 4,9 Mrd. Euro.

Dass der Aktionär von diesem Geldsegen nur in vergleichsweise bescheidenem Maße profitiert, liegt vor allem daran, dass die Ausschüttungspolitik deutscher Unternehmen traditionell auf Dividendenkontinuität ausgelegt ist.

Sonja Schemmann von der Fondsgesellschaft DWS wundert dies nicht: Der Kapitalmarkt reagiere empfindlich auf Schwankungen - auch bei Dividenden. "Wenn in einer Periode Sondererträge ausgeschüttet werden und die Dividende im nächsten Jahr wieder zurückgenommen werden muss, so hat dies oft negative Auswirkungen auf den Börsenkurs."

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