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Anleger rechnen mit langem Schlagabtausch

Falls der Konflikt mit Afghanistan eskaliert, dürften Gold und Dollar steigen. Das ist aber nur ein mögliches Szenario.

In den strategischen Sandkastenspielen ist die Sache klar: Spezialeinheiten schalten die Terroristen aus, die Zivilbevölkerung kann weitgehend geschont werden, und die Anrainerstaaten zu Afghanistan bleiben so Herr der Lage. Leider gibt es aber - man denke nur an den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan oder an Vietnam - genügend Beispiele, dass Kriege ihre Eigendynamik entfalten. Und so wäre etwa ein denkbares "Worst-Case-Szenario", dass die Regierung in Pakistan von islamischen Fundamentalisten gestürzt wird oder dass diese sich des Atomwaffenarsenals bemächtigen. Die Finanzmärkte wären dann wahrscheinlich ernsthaft in Gefahr; und auch der Ölpreis, der bisher unter der Marke von 30 Dollar je Barrel (159 Liter) geblieben ist, würde sprunghaft steigen und die Rezession verschärfen.

Der Preis des Goldes

Falls es zu einem solchen Szenario der Eskalation kommt, dürfte auch der Goldpreis stark steigen, sind sich Finanzexperten einig. Jörg Stath von der Deutschen Bank rechnet dann mit Preisen bis zu 350 Dollar je Feinunze; derzeit notiert das gelbe Metall bei 289 Dollar.

Doch momentan kann sich der Experte eine solche Entwicklung nicht vorstellen: "Die Panikkäufe sind erst einmal vorbei." Offensichtlich rechnen die meisten Anleger eher mit einem lang anhaltenden Schlagabtausch zwischen den USA und ihren Bündnispartnern einerseits sowie terroristischen Gruppen andererseits. Für den Goldkurs würde das vermutlich eine Seitwärtsbewegung innerhalb einer Spanne zwischen 270 oder 280 Dollar und 300 Dollar bedeuten, meinen Stath und Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Beide halten einen Goldanteil von etwa fünf Prozent am Depot für sinnvoll. "Zukaufen sollten Anleger aber erst, wenn der Preis wieder unter 285 Dollar fällt", sagt Stath. Wobei ein deutlicher Rückgang des Goldkurses derzeit unwahrscheinlich sei; Auslöser dafür könnte höchstens eine zügige Beilegung des Konflikts sein - nach den Ankündigungen des US-Präsidenten George Bush eine wenig wahrscheinliche Entwicklung. Selbst in diesem Fall stelle aber 250 Dollar ein Niveau dar, das nicht unterschritten werden dürfte, ist sich Stath sicher. Ansonsten werde die Goldförderung unrentabel, Minen würden schließen, das Angebot knapper, und die Preise dürften wieder steigen.

Wer zur Absicherung auf Gold setzen will, muss sich nicht unbedingt das Edelmetall tatsächlich liefern lassen, betont Wrzesniok-Rossbach. Stattdessen sei es sinnvoller, ein Goldkonto bei der Bank einrichten zu lassen (Buchgold). Dann fielen auch keine Lagerkosten an, und die Sicherheit wäre ebenso gewährleistet. Dass das Bankensystem hier zu Lande zusammenbricht, ist wirklich unwahrscheinlich.

Wer indirekt in Gold investieren will, kann sich auch Minenaktien kaufen. Wrzesniok-Rossbach: "Dabei ist wichtig, zu unterscheiden, ob man auf Gesellschaften setzt, die sich gegen einen Preisverfall des Goldes abgesichert haben." Solche Firmen - als Beispiel dafür nennt er die südafrikanische Anglo Gold - dürften nicht so stark von Preisanstiegen des Edelmetalls profitieren wie Unternehmen, die in nur geringem Umfang Hedging betrieben, wie etwa die südafrikanische Goldfields.

Alternative zum Gold: Optionsscheine

Wer sich mit Gold nicht absichern, sondern spekulieren will, kann Optionsscheine kaufen. Die Scheine sind sowohl auf den Goldpreis in Euro als auch in Dollar zu haben; für die Auswahl kommt es darauf an, welches Krisenszenario wahrscheinlich ist: Falls sich der Konflikt kurzfristig beilegen ließe, würden wieder stärker die volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten in den Blickpunkt rücken, argumentiert Commerzbanker Michael Schubert. Die Wachstumsaussichten seien aber in den USA schlechter als in Euroland, insofern dürfte der Dollar eher schwächer werden, der Euro dagegen steigen und zwar womöglich bis zur Parität. Doch Experten rechnen mit Interventionen der Zentralbanken zur Stützung der amerikanischen Währung, falls der Dollar allzu deutlich fallen sollte.

Eine Eskalation, die etwa in einen langjährigen Krieg im Nahen Osten mündet, dürfte dagegen den Dollar stärken und den Euro schwächen, sind sich Schubert und Christine Etzensperger, Leiterin des Devisenhandels bei der BHF-Bank, einig. Denn Europa liege geographisch gesehen näher am Krisenherd. "Die Anleger werden dann den Dollar als sicheren Hafen nutzen", prognostiziert Etzensperger.

Ihrer Meinung nach ist ein längerfristiger Schlagabtausch belastend für den Dollar. Die Angst vor Gegenanschlägen würde für Unsicherheit sorgen. Insofern sollten Anleger abwarten, welche Taktik US-Präsident Bush fahren werde.

Absicherung durch "Puts"

Wer des Wartens aber müde ist und Aktienverluste fürchtet, kann immerhin versuchen, seine Aktienposition mit Hilfe von Verkaufsoptionsscheinen (Puts) abzusichern. Bei fallenden Aktienkursen gewinnen die Puts an Wert. Privatanleger sollten aber nicht erwarten, sich mit Hilfe von Puts komplett absichern zu können. So kann etwa die Volatilität (Schwankungsbreite der Aktien) dem Anleger die Suppe versalzen: Lässt sie nach, sinken auch die Preise der Scheine - gleich, wohin sich die Aktien bewegen. Außerdem dürfte es Privaten schwerfallen, sich wie Profis abzusichern. Viele beschränken sich daher auf die Delta-Variante. Das Delta gibt an, wie stark der Schein auf Kursveränderungen der Aktie reagiert. Je höher der Wert, desto weniger Scheine sind nötig. Das Delta schwankt aber mit jeder Veränderung des Aktienkurses. Die Zahl der Scheine müsste ständig angeglichen werden, was hohe Gebühren zur Folge hätte. Für Einsteiger sind die Berechnungen zudem schwierig. So können private Anleger mit Puts meist nur einen Teil ihrer Aktienpositions-Verluste ausgleichen. Abgesehen davon sind die Scheine gegenwärtig teuer.

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