Anleger sehen Gewinnmargen in Gefahr
Europäischen Bankenanleihen droht Imageschaden

Sorgen über eine möglicherweise knappe Liquidität einiger europäischer Banken nach Verlusten im Aktien- und Kreditgeschäft haben auch die von den Instituten emittierten Anleihen belastet.

Reuters LONDON. Diese galten bisher als sichere Anlagehäfen in einem sehr volatilen Markt für Unternehmensbonds. In den vergangenen Tagen haben sich die Renditeaufschläge (Spreads) für Anleihen von Banken deutlich erhöht, da Anleger befürchten, die Verluste mit Krediten und Aktien könnten die ohnehin dünnen Gewinnmargen der Häuser weiter verringern.

Besonders hat es die Schuldverschreibungen deutscher Banken im Sog anhaltender Spekulationen über Liquiditätsprobleme bei der Commerzbank getroffen. Ein deutscher Genussschein-Händler gab an, dass die nachrangige 600-Millionen-Euro-Anleihe der Commerzbank mit Laufzeit bis Juli 2010 und einem Kupon von 6,50 Prozent am Nachmittag zwischen 8,20 und 8,40 Prozent rentierte. Habe der Renditeaufschlag gegenüber Swapmitte Mitte September noch rund 120 Basispunkte betragen, liege er nun rund zwei Prozentpunkte höher bei 350 Basispunkten. "In den letzten Tagen war der Umsatz höher als im gesamten Zeitraum von April bis August." Die Kurse für Genussscheine der Commerzbank seien deutlich gefallen. "Die will im Moment keiner mehr haben."

"Das Bild der Finanzdienstleister als sicherer Hafen ist in den vergangenen Wochen in Frage gestellt worden", sagte Edward Marrinan, Leiter für die Festverzinslichen von Finanzinstituten bei J.P. Morgan. "Die Branche steht unter Beschuss und die Finanzierungskosten werden für alle Banken steigen."

Ratingherabstufungen sorgten zuletzt wachsende Bedenken über die Stabilität europäischer Banken. Die Agentur Standard & Poors (S&P) hatte am Dienstag das fundamentale Kreditrating und das Einlagenrating für die Commerzbank auf "A-" von "A" reduziert und die mit dem verschlechterten Risikoprofil der Bank begründet. S&P hatte außerdem den Ausblick für das Rating der HypoVereinsbank auf "negativ" von "stabil" reduziert, erwägt also eine niedrigere Einstufung. Sorgen über den Zustand der Banken verstärkte zuletzt auch die Schweizer Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) mit der Ankündigung, bis zu 1750 Stellen zu streichen.

Die Banken in Europa haben seit zwei Jahren mit sinkenden Einnahmen im Geschäft mit Unternehmen zu kämpfen, die im Strudel schwacher Konjunktur und Finanzmärkte in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. In den vergangenen Wochen hat sich der Ausblick weiter eingetrübt, nachdem Banken schwache Ergebnisse vorgelegt und ihre Investitionen an den Aktienmärkten drastisch an Wert eingebüßt haben. "So etwas hält man normalerweise nicht gerade für einen sicheren Hafen", sagte ein US-Händler. "Filialbanken - besonders in Großbritannien - werden ihren Status als sichere Häfen behalten, aber wenn man aus Sicherheit investiert, ist es an der Zeit, die Investmentbanken links liegen zu lassen."

Besonders die Commerzbank ist in den vergangenen Tagen ins Fadenkreuz von Spekulationen über Liquiditätsprobleme geraten. "Wenn die Commerzbank genug Liquidität hat, um sich am eigenen Schopf aus der Krise herauszuziehen - und danach sieht es aus - dann ist es kein Problem", sagte ein Händler in London. "Aber sollte sie an den Markt treten und sich Geld leihen müssen, dann müsste sie Aufschläge nahe dem Niveau von Ramschanleihen zahlen - und das wäre schwer durchzuführen und höchst peinlich."

Trotz fallender Bond-Notierungen halten Analysten die Insolvenz einer westeuropäischen Bank für äußerst unwahrscheinlich. "Glauben Sie an das regulatorische Sicherheitsnetz für europäische Banken? Wir glauben daran", munterten die Kreditanalysten von ABN Amro in einem Kommentar auf. Es gilt als wahrscheinlich, dass Regulierer und Regierungen zur Seite stehen, sollte eine größere Bank in eine Schieflage geraten.

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