Anleger sind bei Neuengagements vorsichtig
Fondsexperten vertrauen auf die Aktie

Vorsicht ist Trumpf. Die Anleger handeln getreu dieser Devise. Doch spätestens in einigen Monaten ist die Zeit für eine Erhöhung der Aktienfondsquote in den Depots reif, glauben Anlageprofis.

FRANKFURT/M. Die Anleger treten bei Aktienfonds auf die Bremse, halten sich mit Neuengagements zurück. Dagegen greifen sie bei risikoarmen Geldmarkt- und Immobilienfonds stärker zu. Das belegt die aktuelle Statistik des deutschen Fondsverbandes BVI für das erste Halbjahr. Diese Daten werden erst in einigen Tagen veröffentlicht, liegen dem Handelsblatt aber bereits vor.

Einige Investmentgesellschaften empfehlen den Anlegern jetzt schon, die Aktienfondsquote zu erhöhen. Andere raten noch zum Abwarten. Der deutschen Investmentfondsbranche flossen in der ersten Jahreshälfte netto 30,2 Mrd. zu - ein starker Rückgang gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum mit 57,4 Mrd.. Jeweils knapp 15,1 Mrd. entfielen auf Publikumsfonds für Privatanleger und Spezialfonds für institutionelle Investoren. Das Publikumsfondsvermögen fiel in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres von 423,6 (Gesamtsumme inklusive Spezialfonds 932,0) Mrd. auf 417,4 (gesamt 920,4) Mrd..

Fondsverwalter werben mit neuen Produkten

Dessen ungeachtet legen die Investmentgesellschaften im Rekordtempo neue Produkte auf. Pia Frei, Chefin der Fondsresearchfirma IMA Institut für Marktbearbeitung, Kelkheim, zählt 404 neue Fonds im ersten Halbjahr. Davon seien 231 Aktienprodukte: "Es kommen viele neue Gesellschaften an den Markt, die in Deutschland Geschäftschancen wittern; außerdem verkaufen sich neue Produkte gut."

"Der Rückgang der Anlagebereitschaft im Allgemeinen fällt auf, das ist ein Ergebnis der schwachen Börsen", kommentiert Udo Behrenwaldt, Geschäftsführungssprecher der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Im ersten Halbjahr 2000 hatten Privatanleger noch für 37,8 Mrd. netto Aktienfonds gekauft. Dagegen investierten sie im gerade abgelaufenen Halbjahr nur 8,0 Mrd..

Steigendes Interesse an Geldmarktfonds

Behrenwaldt sieht in der Zurückhaltung aber keine Gefahr für die Entwicklung der deutschen Aktienkultur: "Das grundsätzliche Vertrauen in die Fondsanlage und die Aktie ist ungebrochen; ein Beleg ist das steigende Interesse an Geldmarktfonds." Anleger kauften für knapp 6,2 Mrd. Geldmarktfonds nach nur 0,5 Mrd. im Vorjahreshalbjahr. Der DWS-Chef: "Diese Gelder werden als Parkplatz genutzt und bei einem Börsenaufschwung wieder in Aktienfonds fließen." Behrenwaldt erwartet die konjunkturelle Wende im ersten Halbjahr 2002, die Börsenwende schon früher. Sein Rat: "Aktienfondsquote schon jetzt erhöhen."

Zurückhaltender ist Hans-Jörg Naumer, Leiter Investor Information beim DIT, der Dresdner-Bank-Fondsgesellschaft. "Es wird noch schwächere Börsentage geben; die Kurswende nach oben erwarten wir am Ende des Sommers - dann hätten US-Aktien Priorität vor Engagements in Europa", sagt er. Auch Steffen Seelbach, Leiter Fondsvermögensverwaltung beim Sparkassen- Spitzeninstitut DGZ-Dekabank, zögert noch. Er empfiehlt: "Die Konjunkturlage ist noch nicht ganz klar; wer aber jetzt schon die Aktienbestände aufstocken möchte, sollte breit anlegende Standardwertefonds vorziehen, weil sie die Risiken begrenzen."

Wertstabile Anlagen finden Freunde

Die Anleger zeigten zuletzt auch verstärktes Interesse an anderen wertstabileren Anlagen. In offene Immobilienfonds investierten sie 2,5 Mrd. , während sie im Vorjahreszeitraum noch für netto 1,8 Mrd. verkauften. Rentenfonds dagegen scheinen kaum auf verstärkten Zuspruch zu stoßen. Hier liegen die Verkäufe bei 1,8 Mrd.. "Ich würde mir hier etwas mehr Anlegerinteresse wünschen", meint Manfred Mathes, Geschäftsführungssprecher von Union Investment, der Fondsgesellschaft der genossenschaftlichen Bankengruppe.

In der Liste der bestverkauften Fonds tauchen vornehmlich Renten- und Geldmarktprodukte auf (Grafik). DWS-Chef Behrenwaldt zu diesen Zahlen: "Die These, nur neu aufgelegte Produkte verkaufen sich gut, stimmt nicht - zumindest nicht uneingeschränkt." Ein Paradebeispiel sei der schon 1970 aufgelegte DWS Vermögensbildungsfonds I, der 1,5 Mrd. an neuen Geldern auf sich zog - mehr als jeder andere der über 2 000 in die Statistik einbezogenen Fonds deutscher Kapitalanlagegesellschaften. Behrenwaldts Begründung für den Verkaufserfolg: "Der Fonds ist mit mehreren guten Ratings ausgezeichnet worden, das lockt Anleger an; diese unabhängigen Qualitätsbewertungen werden immer wichtiger." Die Liste der bestverkauften Fonds gebe einen zusätzlichen Hinweis auf das vorsichtigere Agieren der Anleger: "Da ist kein Branchenfonds oder Neuer-Markt-Fonds dabei."

Weiter Zuflüsse für Dachfonds

Zur Vermeidung von Doppelzählungen sind Dachfonds, die ihrerseits in Einzelfonds investieren, aus der Statistik ausgegliedert. Anleger griffen bei diesen meist aktienlastigen Produkten immerhin noch mit 5,3 Mrd. zu, nach 9,7 Mrd. im Vorjahreszeitraum. Die Sparkassen-Investmentgesellschaft Deka, Marktführer in diesem Bereich, sieht bei Dachfonds Vorteile durch die breite Streuung der Anlegergelder. Seelbach: "Unsere Kunden investieren hier weiter - und machen es richtig."

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