Anleger sollen künftig besser über die tatsächlichen Kosten informiert werden
Fondsgebühren werden transparent

In tristen Börsenzeiten fallen die Fondskosten stärker als sonst ins Gewicht - ohne dass Anleger dies bis ins Detail nachvollziehen können. Das soll sich dank aussagekräftigerer Fondsprospekte ändern.

FRANKFURT/M. In Zukunft werden die deutschen Anleger besser erkennen können, wie hoch die Gebührenbelastung ihrer Fonds wirklich ist. Und das nicht nur in Deutschland. "Den Trend zur Gebührentransparenz erkennen wir in ganz Europa", sagt Paul Moulton, Gründer der auf Fondskosten spezialisierten Researchfirma Fitzrovia in London. Eine Pionierrolle haben Großbritannien, Schweden und die Schweiz übernommen. Auch einzelne Gesellschaften wie UBS, Henderson Global Investors oder J.P. Morgan Fleming sind vorgeprescht.

Initiativen der nationalen Investmentverbände und ihrer europäischen Dachorganisation werden für erhöhte Transparenz bei den laufenden Fondsgebühren sorgen. Das Ziel ist klar: Aus den Fonds-Verkaufsinformationen bzw. Produktprospekten sollen die Gesamtkosten hervorgehen, mit denen das Fondsvermögen belastet wird. Aus Anlegerperspektive sind diese Daten wichtig, denn auf lange Sicht belasten die regelmäßig anfallenden Gebühren die Wertentwicklung stärker als die einmalig zu entrichtende Kaufgebühr, der Ausgabeaufschlag.

Bisher wird in Fondsprospekten lediglich die Managementgebühr genannt. Bei den in Deutschland aufgelegten Aktienfonds beträgt sie durchschnittlich 0,95 % pro Jahr. Die Gesamtkosten belaufen sich allerdings auf 1,27 %, liegen demnach um etwa ein Drittel darüber. Zwar werden die über die Managementgebühren hinaus reichenden Kosten in den Fonds-Rechenschaftsberichten veröffentlicht. Es handelt sich aber um die absoluten Euro-Beträge. Eine aussagekräftige prozentuale Kennziffer fehlt.

Die Lösung ist in Sicht. Der deutsche Fondsverband BVI diskutiert mit der zuständigen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BAFin) Verbesserungsvorschläge. Diese sind Teil eines Kataloges von Verhaltensregeln für die Investmentgesellschaften. "Wir streben eine Verabschiedung auf unserer Mitgliederversammlung im Oktober an", sagt BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip. Über eine konkrete Ausgestaltung der Gesamtkosten-Kennziffer im Rahmen dieses freiwilligen Verhaltens-Kodexes werde mit den Mitgliedsgesellschaften und dem Aufsichtsamt noch diskutiert. Seip: "Diese Kennziffer sollte im Fondsprospekt und im Kurzporträt zur schnellen Fondsübersicht veröffentlicht werden."

Parallel dazu finden Gespräche auf europäischer Ebene zwischen dem Dachverband der nationalen Investmentverbände (Fefsi) und den Aufsichtsbehörden statt. Wichtiger Teil der Reform des europäischen Investmentrechts ist der so genannte vereinfachte Prospekt, der dem Anleger eine kurze Übersicht über die wichtigsten Fondsmerkmale geben soll. Dort wird auch Gebührentransparenz gefordert. "Wir diskutieren jetzt mit der EU-Kommission und den Aufsichtsbehörden unseren Verbandsvorschlag", sagt Fefsi-Generalsekretär Steffen Matthias. "Ziel ist eine weitgehende Vereinheitlichung der Gebührenberechnung und des vereinfachten Prospektes, damit der Anleger Fonds beispielsweise aus Spanien und Frankreich vergleichen kann." Die Gebührendaten bezögen sich auf das abgelaufene Geschäftsjahr. Bei neu aufgelegten Fonds verzichte man auf Angaben: "Wir wollen uns nicht auf Schätzungen einlassen."

Kodizes im Vormarsch

Auf europäischer Ebene sind einige Länder vorgestoßen. "Die Schweizer haben vor einem Jahr einen Verhaltenskodex eingeführt, der auch Gebührentransparenz einschließt. Dieser Kodex wurde von der Aufsichtsbehörde wohlwollend aufgenommen", sagt Rudolf Siebel, stellvertretender BVI-Geschäftsführer. In Schweden würden bereits Gesamtkosten veröffentlicht. "Die Finnen denken darüber nach", ergänzt Siebel. Großbritannien ist ebenfalls vorne. "Der britische Fondsverband veröffentlicht seit einem Jahr die von uns berechnete Gesamtkostenbelastung", sagt Moulton von Fitzrovia.

Unter den in Deutschland aktiven Investmentgesellschaften präsentieren sich einige ebenfalls offensiv. Dazu zählen die britische Henderson Global Investors und J.P. Morgan Fleming. Einen etwas anderen Weg geht UBS. Die schweizerische Gesellschaft publiziert eine so genannte "All-in-fee", die über die Gesamtkosten hinaus jene Wertpapier-Transaktionskosten im Fonds enthält, die bei Orderausführung im eigenen Konzern anfallen.

Wie sensibel Gesellschaften inzwischen auf das Gebührenthema reagieren, zeigt die kleine Frankfurter Fondsgesellschaft VMR. Deren Aktienfonds kommen im Schnitt auf 5,47 % Gesamtkosten, wovon die Managementgebühren lediglich 1,25 % ausmachen - ein Fixkosteneffekt aufgrund geringer Fondsvolumina. "Diesen Wert wollen wir bis 2003 auf 1,5 bis 2,5 Prozent senken", sagt Gert Rautenberg, VMR-Generalbevollmächtigter. Dazu sollen Sparmaßnahmen bei den hohen administrativen Kosten und Verschmelzungen von Fonds beitragen.

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