Anleger sollten Emissionsprospekt genau lesen
Zertifikatevariante mit Fondscharakter

Bei einigen aktiv gemanagten Strategiezertifikaten verschwimmen die Grenzen zu einem Investmentfonds - mit allen Vor- und Nachteilen.

DÜSSELDORF. Der Münchener Jens Erhardt gilt als einer der Star unter Deutschlands Vermögensverwaltern. Denn er hat geschafft, was viele seiner Kollegen vergeblich versuchen: Die von ihm betreuten Fonds und privaten Depots auch in unsicheren Börsenzeiten mit überdurchschnittlichem Anlageerfolg zu managen.

Dank ABN Amro können nun auch Privatanleger mit kleinerem Geldbeutel von der Arbeit Erhardts profitieren. Die niederländische Großbank hat vor wenigen Wochen ein Strategiezertifikat auf den Jens-Erhardt-Index aufgelegt. Die Wertentwicklung des Zertifikats ist an einen von Ehrhardt zusammenstellten Aktienkorb gekoppelt, der wiederum die Berechnungsgrundlage für den Index darstellt.

Diese Konstruktion ist für den Anleger allerdings nicht ohne Stolpersteine, denn wie viele Werte der Index respektive das Zertifikatedepot enthält, wie sie gewichtet werden und in welchen Abständen eine Anpassung erfolgt, ist allein Sache Erhardts. "Dennoch haben wir ein paar Eckpfosten eingeschlagen", bemerkt Stefan Armbruster von ABN Amro, der für die Konzeption des Zertifikats verantwortlich zeichnet. "So müssen mindestens 60 Prozent der Werte aus dem Bereich der mittleren Werte kommen. Der Rest kann auf große Aktien oder auf andere Zertifikate, etwa passive Indexanlagen, entfallen."

Das sind nicht ansatzweise so strenge Anlageregeln, wie sie der Verwalter eines klassischen Investmentfonds zu erfüllen hat. Denn es gibt einen Unterschied: Die Bestimmungen des Gesetzes über die Kapitalanlagegesellschaften (KAAG) gelten für das Zertifikatedepot nicht. Dazu gehört beispielsweise eine bestimmte Streuung. So dürfen bei einem Aktienfonds höchstens vier Werte einen Anteil von mehr als zehn Prozent am Gesamtdepot erreichen. Alle anderen Titel müssen unter fünf Prozent liegen. Erhardt dagegen kann im Extremfall auch nur einen einzigen Wert halten. Auch an die Vorschriften zum Jahres- und Halbjahresabschluss, zur Einschaltung einer unabhängigen Depotbank und zur Erstellung eines Fondsprospekts ist er - anders als ein herkömmlicher Fondsmanager - nicht gebunden.

Und nicht zuletzt: Das kostspielige und zeitaufwendige Zulassungsprozedere, das jeder neu aufgelegte Investmentfonds bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) durchlaufen muss, konnte sich ABN Amro ersparen. "Zertifikate, die ja rechtlich eine Schuldverschreibung darstellen, fallen nicht unter das Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften und unterliegen somit auch nicht der Investmentaufsicht durch die Bundesanstalt", sagt Oliver Struck vom BaFin. Im Klartext: Zurzeit fallen diese Papiere in eine Art rechtsfreien Raum. Ändern könnte sich dieser Umstand erst dann, wenn es zu einer neuen EU-Richtlinie in Sachen Anlegerschutz kommt, die frühestens für 2004 zu erwarten ist.

Anleger, die zu aktiv gemanagten Strategiezertifikaten greifen, sollten sich also darüber im Klaren sein, auf was sie sich einlassen und den jeweiligen Emissionsprospekt genau lesen.

Die Konstruktion über ein Zertifikat hat aber auch Vorteile. Sie ist flexibel, schnell und kann sowohl an die Bedürfnisse des Emittenten wie auch die der Anleger angepasst werden - etwa, dass der Verwalter weitgehend freie Hand beim Investmentprozess hat.

Zudem spart der Verzicht auf die behördliche Zulassung und teure Wirtschaftsprüfer, die die Einhaltung von Anlagerichtlinien und die Ergebnisse des Fonds prüfen und testieren, bares Geld. Billiger als die Fondslösung ist ein Zertifikat allemal. Das kommt der Rendite des Anlegers zugute.

Dafür allerdings muss er Gottvertrauen haben - etwa in die Bonität des Emissionshauses. Das steht immerhin für die korrekte Indexberechnung, einen fairen Handel und bei Zertifikaten mit begrenzter Laufzeit für die Einlösung des Papiers zum Fälligkeitstermin gerade.

Nicht zuletzt ist aber auch Vertrauen in Erhardts Arbeit notwendig. Denn die Wertentwicklung des Zertifikats hängt logischerweise davon ab, ob der Börsenprofis auch in Zukunft sein gutes Händchen beweist.

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