Anleger sollten genau prüfen
Auch bei Zertifikaten spielt die Bonität eine Rolle

Die Schieflagen bei der Bankgesellschaft Berlin, der Schmidt-Bank und der Gontard & Metallbank zeigen: Auch Banken können in Probleme geraten. Anleger sollten daher genau prüfen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Das gilt auch beim Kauf der immer beliebter werdenden Zertifikaten.

DÜSSELDORF. Bei diesen Produkten achten bislang nur wenige Anleger auf die Qualität der Herausgeber. Dabei sind Zertifikate nichts anderes als Anleihen - egal, ob es sich um Papiere auf einen Index, auf einen Aktienkorb oder auf ein Hedge-Funds-Portfolio handelt. Der Inhaber eines Dax-Zertifikats profitiert beispielsweise zwar von der Wertentwicklung aller im Index vertretenen Aktien, er besitzt aber keinen Anteil an ihnen, sondern wird von dem Herausgeber des Papiers nur so gestellt, als hätte er gemäß der Indexgewichtung in sie investiert. Für die Laufzeit des Zertifikats wird der Anleger Gläubiger des Emittenten. "Ich würde mir daher auch bei Zertifikaten genau ansehen, wem ich mein Geld zur Verfügung stelle", sagt Thorsten Iben vom Branchendienst Zertifikateweb. Denn selbst, wenn sich das zu Grunde liegende Investment noch so gut entwickelt - der Anleger geht leer aus, wenn der Herausgeber des Papiers in echte Zahlungsnot gerät.

Bei den meisten Zertifikate-Emittenten ist eine ausbleibende Rückzahlung allerdings eher theoretischer Natur. Schließlich handelt es sich bei den marktbeherrschenden Häusern (siehe Grafik) um renommierter Geschäftsbanken. "Wenn die Deutsche Bank oder die Commerzbank zusammenbrechen würden und die Einlagen tatsächlich gefährdet wären, wäre dies eine derartige Bedrohung für unsere Volkswirtschaft, dass die ausbleibende Rückzahlung eines Zertifikats nur mehr ein unwesentlicher Zusatzschaden wäre", schreibt Branchenkenner Christian Röhl im "Zertifikate Journal". Selbst bei der hoch verschuldeten Bankgesellschaft Berlin sehen Experten keinen Anlass zur Sorge für Gläubiger, da eine Lösung für die Bank, die mehrheitlich dem Land Berlin gehört, wohl gefunden werde.

Zu einer gewissen Vorsicht raten Beobachter wie Röhl jedoch vor allem bei kleineren Marktteilnehmern wie Lang & Schwarz oder Gamag German Asset Managers, bei denen sich auf Grund ihrer geringen Größe die Schieflage eines Tätigkeitsbereichs wie zum Beispiel das kriselnde Börsenmaklergeschäft theoretisch viel schneller und sehr viel stärker auswirken könnte als bei breit diversifizierten Großbanken. Öffentliche und private Sicherungsmechanismen greifen bei diesen Instituten kaum, schließlich handelt es sich bei Lang & Schwarz (L&S) nicht um eine Vollbank, sondern um eine weniger geschützte Wertpapierhandelsbank. Die Gamag hat gar nur den Status eines Finanzdienstleisters. "Unter Bonitätsgesichtspunkten würde ich mich eher für einen großen Emittenten entscheiden", sagt Thorsten Iben.

Carsten Lütke-Bornefeld von L&S betont aber, dass sein Haus unter der strengen Aufsicht des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen stehe. "Die Nichtrückzahlung der Verpflichtungen ist nur ein theoretisches Risiko. Wichtiger ist die Qualität der Produkte und da liegen wir oft mit vorne."

Ein anderer Aspekt des Emittentenrisikos ist die Gefahr, dass ein Institut beschließt, den Zertifikatebereich einzustellen, weil er die hauseigene Profitvorgabe nicht erfüllt. Dies ist vor allem bei Anbietern mit sehr kleinen Marktanteilen denkbar. Die generelle Rückzahlung am Laufzeitende steht bei einer Einstellung der Tätigkeit zwar außer Zweifel, fraglich ist aber die Qualität der für die Zwischenzeit zugesagten Preisfeststellung. "Es besteht die Gefahr, dass dann zu schlechte Kurse gestellt würden, weil es dem Emittenten an Engagement mangelt", sagt Experte Christian Röhl. Auch die vorzeitige Rückzahlung von "Endloszertifikaten" sei in einem solchen Falle denkbar. Denn die meisten Herausgeber behalten sich dazu in regelmäßigen Abständen das Recht vor, der Name der Produkte ist also reichlich irreführend.

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