Anleger sollten Lehren aus den vier Ölpreisschocks ziehen
Steigende Ölpreise sind Gift für Aktien

Steigende Ölpreise machen die Börsen nervös. Wie Anleger in einem solchen Umfeld agieren sollten, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Mit defensiven Aktien fuhren die Anleger in den vergangenen Krisen am besten.

FRANKFURT/M. Die Finanzmärkte schätzen die Gefahr weiter steigender Ölpreise recht hoch ein. Hierfür werden weniger ökonomische als vielmehr politische Faktoren genannt. Die Analysten von Goldman Sachs sehen zwei Ursachen eines potenziellen Ölpreisschocks: Zum einen die angespannte Lage im Nahen und Mittleren Osten und zum anderen eine mögliche Ausdehnung des von den USA geführten Kampfs gegen den internationalen Terrorismus. In beiden Fällen könne es zur Unterbrechung von Rohöllieferungen aus der arabischen Welt und zu heftigen Turbulenzen an den Rohstoff- und Finanzmärkten kommen.

"Es besteht durchaus die Gefahr eines Ölpreisschocks", sagt Stephen S. Roach, Chefökonom von Morgan Stanley. Dies wäre die vierte Ölkrise während der letzten 30 Jahre. Bei längeren militärischen Auseinandersetzungen in der Krisenregion ist die Gefahr eines Ölpreisanstiegs auf 40 $ je Barrel gegeben, sagt Neil Williams von Goldman Sachs. Während der ersten drei Ölpreisschocks 1973, 1979 und 1990 sei die Weltwirtschaft jeweils in eine Rezession gerutscht, so Roach. Dies dürfte diesmal kaum anders sein. Die Globalökonomie sei im derzeit frühen Erholungsstadium sehr anfällig, so dass sich ein kräftiger Ölpreisanstieg negativ auf die Realwirtschaft auswirken dürfte.

Wie wirkten sich vergangene Ölkrisen am Devisenmarkt aus? Nach Berechnungen von Roach halfen solche Krisen stets dem US-Dollar auf die Beine. Grund: Die von den Ölproduzenten beim Export von Rohöl in US-Dollar erzielten Verkaufserlöse - als "Petrodollar" bezeichnet - wurden überwiegend wieder in US-Finanzwerte angelegt. In der aktuellen Phase spreche u.a. die bereits hohe Bewertung des Greenbacks und das Risiko eines Boykotts der Opec-Staaten gegen die USA nicht unbedingt für eine Wiederholung dieses Strickmusters.

Der Einfluss von Ölpreisschocks auf die Aktienbörsen war unterschiedlich. Während der 79-er Ölkrise verzeichneten die Weltbörsen kräftige Kursgewinne. Demgegenüber kam es während der anderen beiden Krisen zu kräftigen Kursverlusten. Asiens Börsen wiesen laut Goldman Sachs während vergangener Ölpreisschocks die größten Verluste auf. Richard Reid von Schroder Salomon Smith Barney sieht das größte Risiko für Aktien in der Unsicherheit über den Einfluss auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen.

"Steigende Ölpreise sind wegen der allgemeinen Unsicherheit Gift für Aktien", sagt auch Hans Jürgen Klisch, Geschäftsführer des Brokerhauses Raymond James & Associates. Michael Hartnett vom Finanzhaus Merrill Lynch belegt dies durch konkrete Zahlen. Während des letzten Ölpreisschocks von August bis Oktober 1990 wies der Aktienindex S & P 500 ein Minus von 11,4 % auf. Die größten Kursverluste erlitten Aktien der Branchen Finanzdienstleistungen, Industrie und Informations-Technologie.

Doch "auch während dieser Krisen gab es jedoch Aktien, mit denen Anleger gut gefahren sind", hebt Klisch hervor. Wer defensive Titel bevorzugte, habe die ölpreis-bedingte Talfahrt der Börsen zu Beginn des Jahres 1990 relativ gut überstanden. Michael Hartnett hat errechnet, dass die Sektoren Energieversorger, Konsumgüter und Gesundheitswesen seinerzeit die geringsten Verluste aufwiesen.

"Deutlich geringere Einbußen als der S & P 500 wies während der 90-er Ölkrise auch der Energiesektor auf", sagt Klisch. Der Fachmann geht davon aus, dass dies auch im derzeitigen Zyklus der Fall sein wird. Als interessanteste Ölaktie sieht er Exxon Mobil. Anleger sollten darüber hinaus auf Aktien von Unternehmen setzen, die sich mit anderen Energieträgern (wie Kohle und Erdgas) beschäftigen. Zudem empfehle sich ein Engagement in Aktien des Ölservicebereichs.

Von den Gasproduzenten hält Wayne Andrews, Energie-Analyst bei Raymond James & Associates, die Aktien von Encana und Apache für interessant. Bei Öl- und Gasbohrgesellschaften setzt er auf Nabors, Patterson UTI und Grey Wolf, die auf dem derzeitigen Kursniveau ein "klarer Kauf" seien. "Für die US-Energiebranche besteht die Notwendigkeit, die geschrumpften Bestände gerade im Gasbereich wieder aufzustocken", begründet Klisch. Dies setze eine zunehmende Bohrtätigkeit sowohl im Golf von Mexico als auch in den Rocky Mountains voraus.

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