Anleger sollten nach niedrig bewerteten Marktführern suchen
Wo bei Übernahmen satte Prämien locken

Nach Aktien zu suchen, deren Unternehmen übernommen werden könnten, lohnt sich. Denn nach der langen Baisse an den Börsen locken die niedrigen Kurse Käufer an. Vor allem im M-Dax und S-Dax tummeln sich potenzielle Opfer. Doch eine dicke Übernahmeprämie winkt nur, wenn viele Bedingungen erfüllt sind.

DÜSSELDORF. Enron-Aktionäre haben in dieser Woche wenig Grund zur Freude. Zwar wurde ihr angeschlagenes Unternehmen übernommen, womit die Kurstalfahrt beendet ist. Doch der US-Konkurrent Dynegy legte nur 10 % gegenüber der aktuellen Notierung drauf - nachdem die Enron-Aktie um 80 % eingebrochen war. Kugelfischer-Aktionäre frohlockten dagegen, als Konkurrent Ina nach dem Schweinfurter Wälzstahllager-Spezialisten griff. Satte 50 % Kursaufaufschlag bot das nicht börsennotierte Unternehmen den Anlegern. Während der Übernahmeschlacht legte Ina noch einen Euro drauf, so dass am Ende 60 % Gewinn herauskamen.

Diese zwei Beispiele zeigen, dass Übernahmen nicht automatisch eine Geldvermehrung für den Aktionär bedeuten. Wer nach einer satten Prämie schielt, sollte mehr tun, als nach potenziellen Übernahmekandidaten zu suchen. Analysten sind sich einig, dass die Zahl an feindlichen Übernahmen zunehmen wird. Angesichts der drastisch gesunkenen Aktienkurse haben "viele Unternehmen mittlerweise fundamental nicht mehr zu rechtfertigende Bewertungen erreicht, die Übernahmen geradezu herausfordern", meint Helmut Seidenstücker von M.M.Warburg. Der Chefanalyst sieht im M-Dax die Norddeutsche Affinerie, Phönix, IWKA, IKB sowie die beiden Baukonzerne Bilfinger + Berger sowie Hochtief als mögliche Kandidaten. Der Grund: Die Unternehmen sind attraktiv bewertet und ziehen Aufkäufer an.

Doch ein Blick auf die Aktionärsstruktur zeigt, dass beispielsweise Hochtief, Norddeutsche Affinerie und IKB kaum "gefährdet" sind. Großinvestoren halten einen hohen Anteil an den Gesellschaften. Das erschwert einen Aufkauf. So liegt die Mittelstandsbank IKB zu 33 % in Händen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die die Anteile der Allianz und Münchener Rück übernommen hat.

Wichtig ist eine möglichst breite Streuung der Aktien, wie beispielsweise bei der Commerzbank (63 %) und der IWKA (100 %). Der viertgrößten deutschen Bank fehlt es an Größe, um auf Dauer im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Schon seit langem gilt sie als Übernahmekandidat. Allerdings sind die Kosten hoch, die Profitabilität niedrig und das Filialnetz groß. Das schreckt Interessenten ab. Andreas Pläsier von der Berenberg Bank schätzt deshalb die Wahrscheinlichkeit eines Deals als gering ein. Der Maschinenbau-Spezialist IWKA besticht mit seiner günstigen Bewertung (niedriger Buchwert und geringes Kurs-Gewinn-Verhältnis. Einziger Haken: Das Unternehmen wird schon seit 20 Jahren als Übernahmekandidat gehandelt. Es fehlen also die mögliche Überraschung und die Kursphantasie.

Marktführerschaft macht Unternehmen zum Übernahmekandidaten

Dennoch setzen die meisten Analysten IWKA auf eine Liste der attraktiven Übernahmekandidaten nach oben. Den Ausschlag gibt neben der niedrigen Bewertung die Dividendenrendite. Sie ist höher als bei langlaufenden Staatsanleihen und sichert deshalb den Kurs gerade in turbulenten Börsenzeiten nach unten ab.

Neben der niedrigen Bewertung macht die Marktführerschaft ein Unternehmen zu einem Übernahmekandidaten. In diese Kategorie fallen für Götz Albert von Independent Research neben IWKA, K+S, mg technologies und Phönix der Baukonzern Bilfinger + Berger ("ertragsreiche auslandsstarke Perle, die von der Baukrise in Deutschland kaum betroffen ist"), der Autozulieferer-Spezialist Continental ("extrem niedrig bewertet") und der Heizungsbauer Buderus. Seit Monaten halten sich Gerüchte, dass sich der nicht börsennotierte Bosch-Konzern und Großaktionär Bilfinger + Berger für den ertragsstarken und kaum verschuldeten M-Dax-Wert mit stetig wachsender Gewinnentwicklung interessieren. Gut möglich, dass Bosch eines Tages in ähnlicher Manier wie Ina gegenüber Kugelfischer vorgeht.

Eine mögliche Abwehr- bzw. Übernahmeschlacht ist das i-Tüpfelchen bei der Suche nach satten Prämien aus Übernahmekandidaten. Denn nur wenn sich das potenzielle Opfer einer Übernahme widersetzt, wird der Aggressor einen hohen Aufpreis zum aktuellen Kurs bieten. Um diese wichtige Nuance unterschied sich der Deal zwischen Kugelfischer/Ina und Enron/Dynegy. Im Gegensatz zu Kugelfischer ist der amerikanische Stromgigant so hoch verschuldet, dass er jedes Angebot annehmen muss. Der Anleger als Eigentümer muss sich dann mit wenig zufrieden geben.

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